Groß Gerungs sprengte Tourismus-Rekord. 1.900 Nächtigungen mehr als 2018 in Groß Gerungs. Herz-Kreislauf- Zentrum ist weiter das absolute Zugpferd.

Von Markus Füxl. Erstellt am 13. Februar 2020 (13:58)

Nach einem leichten Rückgang im Vorjahr kann die Gemeinde über einen Tourismus-Rekord jubeln: 97.804 Nächtigungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, so viele wie noch nie.

„Im Sommer fliehen viele Menschen aus den Großstädten und kommen zu uns. Wir profitieren vom optimalen Klima.“HKZ-Geschäftsführer Fritz Weber

Der Bärenanteil kommt dabei vom Herz-Kreislauf-Zentrum. Von den 97.804 Nächtigungen stammen von dort 88.882. Damit hat man auch dort die Rekord-Marke überboten. „Das HKZ ist unser Leitbetrieb, auf den wir sehr stolz sind. Der Tourismus-Trend in Groß Gerungs ist positiv, wir freuen uns über jeden Betrieb, der unsere Gäste gut versorgt“, sagt Tourismus-Stadträtin Liane Schuster über das Plus. 2017 lag die Latte mit 97.450 Nächtigungen hoch. „2019 konnten wir noch einmal zulegen, das freut uns“, meint Schuster.

Besonders beliebt waren 2019 Ferienwohnungen am Bauernhof (2.134 Nächtigungen). Im Vergleich zu 2018 nutzten das Angebot im abgelaufenen Jahr um 25,5 Prozent mehr Gäste. „Die Besucher wollen sich einerseits oft selbst versorgen, freuen sich aber auch, wenn sie ein Frühstück bekommen“, sagt Schuster. Neben dem Herz-Kreislauf-Zentrum hebt sie die Gasthäuser Hirsch mit 60 Betten sowie Einfalt mit 36 Betten hervor. „Bei den Nächtigungen sind wir im Waldviertel gut aufgestellt“, zieht Schuster ein positives Fazit.

Eine touristische Hauptattraktion sei die Kraftarena. Dort befindet sich die einzige Steinpyramide Mitteleuropas, die durch geomantische Linien ein besonderer Kraftplatz ist.

Ausstellung und Museum bei Bahn

Neben dem Motorikpark des HKZ zieht auch die Waldviertelbahn viele Gäste an – ein Touristenmagnet, den man 2019 modernisiert hat: „Wir haben im Mai ein kleines Museum im Gütermagazin am Bahnhof mit der Ausstellung ‚Mensch und Bahn’ eröffnet“, erklärt Schuster. Mit dem Webereimuseum und der Hypolzmühle sei das touristische Angebot gut abgerundet, meint die Stadträtin.

Ein Grund für den Erfolg sei die gute, gemeindeübergreifende Zusammenarbeit im Waldviertler Hochland. So fasst seit 2010 ein gemeinsamer Urlaubsbegleiter alle Angebot der Region kompakt zusammen. Für die Zukunft möchte Schuster diese Zusammenarbeit noch intensivieren. Erste Gespräche unter den Gemeindevertretern laufen bereits, konkrete Ausbauschritte möchte Schuster aber noch nicht bekannt geben.

Während im Sommer in den Betrieben durchschnittlich am meisten Gäste nächtigen, ist das Herz-Kreislauf-Zentrum das ganze Jahr über gut besucht. „Wir haben das beste Ergebnis seit Bestehen des Unternehmens eingefahren. Darüber sind wir sehr glücklich“, freut sich HKZ-Geschäftsführer Fritz Weber. Mittlerweile ist der Betrieb auch das größte Herz-Kreislauf-Zentrum in Österreich geworden. Über 230 Arbeitsplätze gibt es dort.

„Um unseren hohen Stellenwert zu halten, sind viele Maßnahmen nötig“, sagt Weber. So habe man die höchsten Zertifizierungen und setze auf Mitarbeiter-Weiterbildungen. „Wir arbeiten auch eng mit Fachhochschulen zusammen und haben immer wieder Studentengruppen im Haus, um Theorie und Praxis zu verbinden. Das befruchtet sich gegenseitig“, sagt Weber.

NOEN

Eine Besonderheit im vergleich zu ähnlichen Betrieben ist das sogenannte „Rooming In“: Dabei gibt es die Möglichkeit für Patienten, sich von ihren Partnern begleiten zu lassen. „Das ist ähnlich, wie wenn Eltern ihre Kinder ins Spital begleiten“, erklärt Weber.

Dass die Einrichtung funktioniere, sei auch an ein stimmiges Umfeld geknüpft, sagt der Geschäftsführer: „Wir brauchen die Region und sie braucht uns.“ Gerade das Waldviertel biete für die Herz-Kreislauf-Patienten ideale Voraussetzungen: „Bei uns gibt es das vegetativ-stabilisierende Reizklima. Viele Gäste schlafen im Sommer bei offenem Fenster. Die Leute fliehen aus der Stadt, um bei uns ein paar Tage zu verbringen“, erklärt Weber.

Für die Zukunft will der Geschäftsführer weiter in den Betrieb investieren. So ist für 2020 eine bauliche Erweiterung im Therapiebereich geplant.

Stolz auf das HKZ ist auch Bürgermeister Maximilian Igelsböck. „Das HKZ sorgt neben 230 Arbeitsplätzen auch für viele Tagesgäste an den Wochenenden. Das bringt für die Gemeinde gewaltig viel!“

Für viele Tagesbesucher, die sich in der Statistik laut Igelsböck nicht erfassen lassen, sind auch die Naturplätze in Groß Gerungs Anziehungspunkte. „Wir streben bei den Tourismuszahlen natürlich nach mehr, legen aber Wert auf einen sanften Tourismus.“