50-Jahre Fest: Leider doch kein Flughafen für Zwettl

Fest zu 50 Jahren Großgemeinde Zwettl war geprägt von internationalem Lob aus Partnerstädten, historischen Anekdoten und vielen Witzen.

Markus Füxl
Markus Füxl Erstellt am 22. September 2021 | 05:01

Es war ein gewagtes Experiment: Am 1. Jänner 1971 schlossen sich 13 ehemals selbstständige Gemeinden zur Stadtgemeinde Zwettl zusammen. Ein halbes Jahrhundert später feierte die Großgemeinde ein großes Jubiläumsfest mit dem Fazit: Das Experiment war ein voller Erfolg.

„Welchen Mut, welche Risikobereitschaft und welchen Weitblick dieser Schritt den damaligen Entscheidungsträgern abverlangt hat, können wir heute nur erahnen“, erklärte ÖVP-Bürgermeister Franz Mold in seiner Festansprache am 18. September im Stadtsaal. Die damaligen Gemeinden wären mit dem heutigen Verwaltungsaufwand überfordert und „nicht mehr lebensfähig“, erklärte Mold: „Damals war die Amtsstube oft auch die Küche des Bürgermeisters.“

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10.000er-Marke war entscheidend

Ein Grund für die Zusammenlegung war finanzieller Natur: Bekamen damals Gemeinden unter 10.000 Einwohnern nur 741 Schilling pro Bürger vom Finanzausgleich des Bundes, erhielten Gemeinden über dieser Marke schon 1.200 Schilling.

Mold dankte auch dem damaligen Landtagsabgeordneten Franz Romeder als Zeitzeuge für sein Engagement. Nicht alle seien aber vom Experiment Zusammenlegung von Beginn an begeistert gewesen: „Mir wurde von ganzen Delegationen von verzweifelten Bürgermeistern und weinenden Ehefrauen im Büro des damaligen Landeshauptmannes Andreas Maurer berichtet, die um ihre Selbstständigkeit gekämpft haben.“

Mold schilderte eine weitere historische Anekdote: Die Ortschaft Ottenschlag überlegte damals, sich entweder an Kirchberg oder Zwettl anzuschließen. „Die Bürger wollten unbedingt, dass die Straße Großglobnitz-Zwettl neu gebaut wird“, erklärte Mold. Bei einer Traktorfahrt während einer Besichtigung stürzte der damalige Bürgermeister Anton Denk vom Traktor. „Die Einwohner haben gefürchtet, dass damit der Beitritt Geschichte ist“, sagte Mold. Es kam anders: Der „Anschluss“ klappte und auch die Straße wurde neu gebaut.

Vision für Schulkind: Flughafen bis 2030

Bis heute gelte das Motto „Stadt und Land: Hand in Hand“, meinte Mold. Große Pläne für Zwettl im Jahr 2030 hätten auch viele Kinder, die an einem Malwettbewerb im Rahmen des Jubiläumsfestes teilgenommen hatten: „Ein Kind hat gemeint: ‚Zwettl braucht einen Flughafen.‘ Herr Landesrat, das wäre das nächste Projekt, dagegen ist die Marchfelder Schnellstraße noch eine Kleinigkeit“, sagte Mold schmunzelnd zu ÖVP-Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko.

Den Ball griff auch Frank Buß, Bürgermeister der deutschen Partnerstadt Plochingen, auf: „Ich wäre für eine Direktanbindung für Stuttgart. Damit wäre die Anreise deutlich entspannter.“ Auch Herlmut Doschek, Bürgermeister der Partnerstadt Zistersdorf scherzte: „Ludwig, bevor du hier einen Flughafen baust: Wir hätten noch ein paar Radwege...“ Der Vision eines Zwettler Flughafens erteilte der Landesrat augenzwinkernd eine Absage: „Flughafen leider nein, Radwege ja bitte.“

Schleritzko Junior als echtes „Braustadtkind“

Schleritzko gratulierte Zwettl zur erfolgreichen Zäsur vor 50 Jahren. „Zwettl ist heute eine lebendige Stadt“, verwies er auf täglich 4.400 Pendler in Zwettl.

Ihn verbinde auch seine Familie mit dem Waldviertler Zentrum: „Mein Sohn ist gebürtiger Zwettler und kam im Landesklinikum auf die Welt. Er ist ein echtes Braustadtkind und wurde dem Ruf gerecht: Er hat brav getrunken.“ Kein Kind, aber ein Jugendlicher war Bezirkshauptmann Michael Widermann im Jahr 1971: „Mein Vater war bei der rechtlichen Abwicklung der Zusammenlegungen beschäftigt. Davor war Zwettl für mich nur ein Synonym für den jährlichen Weihnachtskarpfen“, sagte Widermann in seinen Grußworten lachend.

Er bezeichnete die Zusammenlegung als „einzig richtiger Schritt, die Kräfte zu bündeln, damit sie nicht zersplittern und im Vakuum verpuffen“. Er dankte Franz Romeder dafür, dass er „wie ein Prophet“ im Land herumgefahren ist, um die Leute für sein Vorhaben ins Boot zu holen. Musik kam während der Feier von der Gruppe „OH Trompeten4tett“. Ein Film der Agentur „Adler und Wald“ mit vielen ehemaligen Ortsvorstehern, aktuellen Geschäftsleuten und Politikern rundete die Jubiläumsfeier ab.

Drei Bäume für die drei Partnerstädte gepflanzt

Um den Zusammenhalt mit den drei Partnerstädten zu unterstreichen, pflanzte Bürgermeister Franz Mold drei Bäume am Zwettler Skaterplatz: Einen Ahorn für Jindřichův Hradec, eine Linde für Plochingen und eine Eiche für Zistersdorf.