Martin Pichler aus Weitra: Wenn Bier zum Beruf wird. Martin Pichler ist Biersommelier und arbeitet bei Zwettler Bier. Wie er Hobby zu Beruf gemacht hat.

Von Markus Füxl. Erstellt am 11. Oktober 2020 (05:04)
Der 28-jährige Martin Pichler hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er arbeitet für die Privatbrauerei Zwettl, ist diplomierter Biersommelier und stellvertretender Verkaufsleiter für die Gastronomie.
Markus Füxl

Für die einen ist es Genussmittel. Für Martin Pichler ist es ein Beruf: Die Rede ist von Bier – genauer: Zwettler Bier. Der 28-Jährige arbeitet als diplomierter Biersommelier bei der Privatbrauerei in der Bezirksstadt.

„Es ist einfach immer wieder ein Wahnsinn zu sehen, welche geilen Produkte du aus ein paar Kerndl und Wasser herstellen kannst“, erklärt der gebürtige Weitraer.

Obwohl – ganz so einfach ist das Bierbrauen dann doch nicht: „Es gibt weit über 100 verschieden Bierstile und knapp 200 verschiedene Hopfenzüchtungen auf der Welt. Das Wasser, die Malzsorten, die Technologie: Das alles hat Auswirkungen auf das fertige Bier“, erklärt Pichler.

„Es ist immer wieder ein Wahnsinn zu sehen, welche geilen Produkte du aus ein paar Kerndl und Wasser herstellen kannst.“Biersommelier Martin Pichler

Er selbst absolvierte 2008 ein Praktikum in der Zwettler Privatbrauerei. Damit war er schnell das Gesprächsthema Nummer eins bei seinen Schulkollegen.

Held am Schulhof

„Die Reaktionen kannst dir vorstellen, wenn du mit 16 im Waldviertel in einer Brauerei arbeitest. Es war sehr cool“, erinnert sich Pichler. Er absolvierte eine Lehre zum Brau- und Getränketechniker und durchlief alle Stationen und Vorgänge, vom Sudhaus über den Getränke- und Lagerkeller, der Filtration bis zur Füllerei. „Das Interesse, was in dem Produkt steckt, war bei mir immer schon da“, sagt der 28-Jährige.

2014 absolvierte er die Prüfung zum Dampfkesselwärter und Diplom-Biersommelier. Er war als Brau- und Getränketechniker im Qualitäts-Management maßgeblich daran beteiligt, dass die Zwettler Privatbrauerei das Internationale Lebensmittelgütesiegel IFS bekam. 2015 wechselte er partiell in den Gastronomievertrieb. Aktuell ist der Stellvertretender Verkaufsleiter für die Gastronomie und zuständig für die Innere Stadt in Wien.

Fünf Tage die Woche in Wien

Wie ein typischer Arbeitstag aussieht? „Ich arbeite normalerweise fünf Tage die Woche in Wien und fahre alle zwei bis drei Wochen ins Büro nach Zwettl. Meist startet mein Tag um 5.30 mit einer Stunde im Fitnessstudio, dann habe ich in Wien Termine bis 16.30 Uhr“, erzählt Pichler, der mit seiner Verlobten in St. Pölten wohnt.

Saphir hauseigenes Lieblingsbier

2019 absolvierte Pichler eine viermonatige Weltreise. Dabei lernte er auch viele Brauereien kennen. Sein Lieblingsbier? „Das kann sich von Tag zu Tag ändern. Die sehr hopfigen Biere schmecken mir sehr gut, etwa unser Saphir“, sagt Pichler.

Auch die Sorten der Kategorie „New England IPA“ haben es ihm angetan: „Das ist ein sehr trübes, fruchtiges, stark gehopftes und obergäriges Bier. Das ist mein Lieblingsbierstil.“

Die Frage „Bier oder Wein“ sei zumindest beim Essen für den 28-Jährigen schnell geklärt: „Bier gepaart mit Speisen ist deutlich spannender als mit Wein.“ Ein Bierfächer der Privatbrauerei hilft auch „Hobby-Biertrinkern“, generell gilt: Klassisch helles Bier passt gut zu leichten Gerichten, dunkle und kräftige Sorten zu Fleisch und Weizenbier gut zu Fisch.

Ein Biertrend: Alkoholfrei

Wie die Zukunft auf dem Biermarkt aussehe? „Ich glaube, dass auch alkoholfreie Biere einen Boom erleben werden. Viele Sportler greifen schon eher darauf zurück als auf Radler“, sagt Pichler.

Auch dass es einen Trend zum Hobby-Brauen gibt, sieht er positiv: „Es ist super, wenn das Bewusstsein für das Thema größer wird, aber: Es ist noch niemand automatisch Braumeister, wenn er daheim Bier braut. Ich habe auch schon Terassenmöbel zusammengebaut und bin kein Tischler.“