"Keine Helden": Vandalen beschmierten Kriegerdenkmal. Unbekannte verursachten in Franzen, Gemeinde Pölla, Schaden von knapp 2.000 Euro. Bürgermeister und Verschönerungsvereins-Obmann sind entsetzt über die Schmierereien. Besonders ärgerlich: Das Denkmal wurde erst 2019 komplett saniert.

Von Markus Füxl. Erstellt am 25. Juli 2020 (11:10)

Der Ärger ist groß bei Bürgermeister Günther Kröpfl: „Ich bin erbost. Das ist tragisch und schlimm“, ärgert er sich. Der Grund: Vandalen trieben in Franzen ihr Unwesen und beschmierten das Kriegerdenkmal sowie ein Wartehäuschen.

Aufgefallen sind die Schmierereien am 21. Juli. Über die Platte mit den Namen der während des Zweiten Weltkrieges gefallenen Gemeindebürger wurde in pinker Farbe „Keine Helden“ gesprüht. Im Wartehäuschen prangt jetzt das Wort „Jafa“. Die Bedeutung ist nicht klar: „Ich habe mir sagen lassen, dass es für eine jüdische Gemeinschaft mit wenigen Mitgliedern stehen kann“, erklärt Kröpfl. Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff auch Bewohner von Auckland in Neuseeland: „Just another fucking Aucklander“, zu deutsch: „nur ein weiterer verdammter Aucklander“.

Bürgermeister Kröpfl hat eine Vermutung, wer die Vandalen sind: „Möglicherweise waren es Jugendliche aus dem Raum Wien, die über das Wochenende im Jugendgästehaus auf Besuch waren." Dass die Vandalen aus der Gemeinde kommen, glaubt Kröpfl nicht.

"Ahnungslos oder einfach hirnlos"

„Langeweile, Ahnungslosigkeit oder einfach hirnlos?“ fragt Josef Weissmann vom Cafe-Puls in Franzen in einem Mail an die NÖN und: „Hier wurde den Gefallenen aus den Ortschaften ein Denkmal gesetzt und keine ‚Helden‘ verehrt. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!“ Entsetzt über den Vandalismus ist auch Gerhard Sekyra. Er ist Obmann des Dorferneuerungs- und Verschönerungsvereins und damit auch zuständig für das Kriegerdenkmal. „Das waren Ahnungslose, die nicht die Hintergründe kennen. Beim Kriegerdenkmal geht es nicht um Heldenverehrung, sondern um unsere Vorfahren, die in einem widersinnigen Krieg gestorben sind!“ Sekyra erstattete bereits Anzeige bei der Polizei.

Besonders ärgerlich: Das Kriegerdenkmal wurde erst 2019 aufwändig komplett saniert. So wurde der große Adler restauriert, die Platte mit den Namen erneuert und eine Goldschrift angebracht. Die Kosten lagen damals bei 6.500 Euro. Was die Reinigung jetzt koste? Sekyra holte einen Kostenvoranschlag bei einem Steinmetz ein: „Wir liegen bei 984 Euro“, sagt er. Besonders die Lettern in goldener Farbe dürften bei der Reinigung große Schwierigkeiten bereiten.

Den Schaden am Wartehäuschen beziffert Günther Kröpfl mit 1.000 Euro. „Zahlen wird das die Allgemeinheit müssen“, ärgert sich der Bürgermeister. Gerade in Zeiten von Corona, in denen die Gemeinden finanziell den Gürtel enger schnallen, sei jeder Euro wichtig: „Wir haben Kosten beim Breitband und Wegebau, das läppert sich zusammen“, sagt Kröpfl.