Die Busse im Bezirk Zwettl stehen noch still. Interesse an privaten Reisen nimmt wieder Fahrt auf, Gruppenreisen sind weiterhin kaum Thema.

Von Sebastian Dangl und Maximilian Köpf. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:06)
Noch ist die Stimmung bei Christian Pichelbauer bedrückt. Das Interesse an Busreisen ist aktuell minimal.
Franz Pfeffer

Es gibt eine Branche, die hat es gerade besonders schwer. Dass der Tourismus am härtesten von der Corona-Krise getroffen wurde, ist lange kein Geheimnis mehr. Den Zwettler Reiseunternehmen fehlt seit über einem Jahr der Großteil der Einnahmen. Mit dem 19. Mai werden zwar Öffnungsschritte gesetzt, um touristische Fahrten überhaupt wieder möglich zu machen, doch kann die Maschine von heute auf morgen wieder anspringen?

Busunternehmer Christian Pichelbauer glaubt nicht daran: „Bevor man überhaupt etwas plant, muss das Interesse am Reisen erst wieder entstehen. Seit über einem Jahr heißt es überall ‚nur nichts angreifen und nirgends hingehen‘.“ Ein valider Gedanke zur Eindämmung des Virus sicher, doch bei den Reiseunternehmen sorgt eben das für Kopfschmerzen. Privat würde zwar schon gereist werden, doch gerade bei den Bussen sei das Interesse gleich null. „Wir haben es im Sommer probiert, als man relativ uneingeschränkt fahren konnte. Außer vereinzelten Gruppen nahm kaum jemand unsere Angebote wahr“, erzählt Pichelbauer.

„Ich glaube nicht, dass sich viele Menschen mehrere Stunden lang mit FFP2-Masken in einen Bus setzen wollen.“ Christian Pichelbauer

Sind Masken im Bus abschreckend? Nicht die besten Aussichten für den heurigen Sommer, in dem Busreisen vermutlich stärker eingeschränkt sein werden. „Ich glaube nicht, dass sich viele Menschen mehrere Stunden mit FFP2-Masken in einen Bus setzen wollen“, meint Pichelbauer. Dazu würden jede Menge freizuhaltende Sitzplätze und Eintrittstests kommen. Viele teils unklare Faktoren, die einberechnet werden müssen, bevor es an die Planung geht. Trotz minimalem Interesse und den Einschränkungen müsste der Bus dann relativ voll werden, um Profit generieren zu können. Preiserhöhungen seien auch keine Lösung. „Ich kann nicht einfach plötzlich das Dreifache verlangen. Da fährt mir auch keiner mit“, betont Pichelbauer.

Die Reiselust und -sicherheit müssen also ihr Comeback feiern, bevor an weitere Schritte gedacht werden kann. Nicht nur in Österreich müsse sich laut Pichelbauer dafür schnell alles wieder normalisieren, sondern europaweit. Quarantänen bei Auslandsreisen seien ein Problemfaktor. „Ich hoffe, dass sich im Sommer zumindest ein bisschen etwas bewegt, aber große Hoffnungen mache ich mir nicht. Unsere Branche hat noch einen langen Weg vor sich.“

Schülertransport & Linien als letztes Standbein. Als letztes Standbein kann Pichelbauer nur mit Linienverkehr und Schülertransporten rechnen. Diese seien auch mit Einschränkungen verbunden, aber ein Drittel des gewohnten Umsatzes ließe sich damit machen. Die restlichen Reisebusse sind abgemeldet, um Kosten zu sparen. Regelmäßige Wartungen kosten aber trotzdem Geld, auch Standschäden sind nicht ausgeschlossen. Finanzielle Unterstützung sei zwar angekommen, ein wenig mehr würde aber nicht schaden.

Erste Anfragen zu den Lockerungen. Auch beim Groß Gerungser Reiseunternehmen Eschelmüller regt sich seit einem Jahr nicht viel. Jetzt gibt es aber zumindest positive Zeichen. „In den letzten Tagen bekamen wir erste Anfragen, weil viele Menschen noch Fragen zu den Lockerungen haben“, schildert Geschäftsführer Christian Eschelmüller. Von Buchungen sei man seiner Meinung nach allerdings noch weit entfernt. Auch ein tatsächliches Interesse könne er aktuell noch nicht spüren. „Wir müssen fürs Erste den 19. Mai abwarten. Bevor wir die Reisebusse wieder in Betrieb nehmen, müssen erst Gastronomie und Hotels aufsperren und vor allem auch fix offen bleiben“, meint Eschelmüller. Erst dann könne man einen Rundruf bei den Vereinen starten. Ein Programm für das heurige Jahr gibt es, gedruckt wurde es aber noch nicht. „Im Vorjahr sind mir ein paar tausend Stück übrig geblieben. Das tue ich mir nicht noch mal an, nur damit es im Müllcontainer landet“, sagt Eschelmüller.

Natürlich sei das Jahr jetzt auch schon sehr weit fortgeschritten, und Reisen brauchen ihre Vorlaufzeit. „Wenn die Mai-Lockerungen halten, könnten wir mit dem Busbetrieb vielleicht ab Juli wieder so langsam beginnen“, gibt Christian Eschelmüller an. Die wenigen Fahrten im Vorjahr seien eigentlich gut angekommen. „Wir waren zum Beispiel am Großglockner oder in Wildschönau auf einer Wanderwoche. Es war faszinierend. Am Großglockner waren wir ganz alleine“, erzählt der Geschäftsführer von den Reisen. Gerade das könnte für manche aber auch ein Reiz sein.

Nullerjahr zum Start. Ziemliches Pech hatte indes der Bärnkopfer Herbert Lackner, der im Vorjahr mit seinem Reiseunternehmen „HMM Safaris“ als 80-Jähriger zum Jung-Unternehmer wurde. Anfang des Vorjahres gründete er die Agentur. „Im Februar waren wir fertig, im März kam der Lockdown“, erinnert er sich und schüttelt den Kopf. Die geplanten Reisen – großteils Safaris nach Kenia, auf die er sich spezialisiert hat, fielen allesamt ins Wasser.

2021 soll aber anders werden. „Ich gebe so schnell nicht auf“, sagt Lackner. „Aber ich muss, sobald es erlaubt ist, nach Kenia fliegen, um zu sehen, wie die Lage vor Ort ist. Erst dann kann ich mein Programm zusammenstellen. Es ist zu befürchten, dass die Pandemie auch dort nicht spurlos an Unternehmen vorübergezogen ist. Manche Agenturen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gibt es womöglich gar nicht mehr.“

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