„Apfelbäumchen“-Leiterin: „Sind Partner der Familien“. Fünf Jahre Kinderbetreuung Apfelbäumchen in Zwettl: Markus Füxl sprach mit Leiterin Antonia Kastner über Erfolge, neue Pläne und die Coronasituation.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 19. November 2020 (04:47)
Antonia Kastner kümmert sich im Apfelbäumchen um die Kinder Mario Ederl, Catalya und Manuel Riedmüller (vorne)sowie Maximilian Kurz, Helma Binder und Bianca Brunner.
Markus Füxl

NÖN: Für Zwettler, die euch nicht kennen: Worum geht es beim Apfelbäumchen?

Antonia Kastner: Das Apfelbäumchen ist eine Kindertagesbetreuungseinrichtung, die Kinder ab dem ersten Lebensjahr betreut. Der Trägerverein ist die Waldviertler Bildungswerkstatt, dessen Obfrau ich bin. Was uns im Apfelbäumchen ausmacht, ist, dass wir in der Pädagogik vieles vereinen, etwa den Aspekt Waldpädagogik, Montessori und weitere alternative Richtungen. Eine Kollegin, die jahrelang in Amerika war, spricht ausschließlich Englisch mit den Kindern. Mir ist es wichtig, eine moderne Pädagogik zu leben. Wir haben Kleingruppen und einen hohen Betreuerschlüssel. Das macht es möglich, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Wieviele Mitarbeiter arbeiten im Apfelbäumchen?

Es gibt sieben Mitarbeiter. Pro Gruppe gibt es drei Kolleginnen, die ständig im Dienst sind. Insgesamt betreuen wir 40 Kinder. Wir haben einige freie Plätze, sind aber gut gebucht – und das schon seit Jahren.

Wie sind Sie vor fünf Jahren auf die Idee zum Apfelbäumchen gekommen?

In meiner selbstständigen Tätigkeit als Mama-Coach hat sich in den zahlreichen Gesprächen herausgestellt, dass Familien speziell im Waldviertel bedürfnisorientierte und flexible Unterstützung brauchen. 2014 entwickelten Anne Blauensteiner und ich eine ganzheitliche Idee, bei der Frauen beim Netzwerken, unternehmerisch tätig sein und bei ihrer persönlichen Weiterentwicklung von anderen Frauen unterstützt werden. Ein wesentliche Grundbedingung ist dabei eine Kinderbetreuung, die mit ihren Rahmenbedingungen die Familien entlastet und eine bedürfnisorientierte Pädagogik bietet. Das war die Geburtsstunde der Kindergruppe Apfelbäumchen.

„Es war nicht ganz so einfach wie ich anfangs dachte, eine neue Idee im Waldviertel zu etablieren.“

Mit welchen Gedanken blicken Sie heute auf die Vorbereitungsarbeiten vor über fünf Jahren zurück?

Die Idee ist lange gereift. Von einer anfangs großen Euphorie getrieben, habe ich schnell gemerkt, dass die Projektumsetzung - vor allem in dem enormen Tempo – eine große Herausforderung ist, die mich ab und zu an meine Grenzen gebracht hat. Aber eine Vision kann man nur umsetzen, wenn man innovativ ist und durchhält. Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen und meinem Mann war das möglich, und dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.

Wie war das erste Feedback aus der Bevölkerung?

Es war nicht ganz so einfach wie ich anfangs dachte, eine neue Idee im Waldviertel zu etablieren. Durch unsere zahlreichen Aktivitäten haben mittlerweile sehr viele Menschen das Apfelbäumchen und unsere Philosophie kennengelernt und wir sind weit über das Waldviertel hinaus bekannt. Am meisten freut mich, dass viele Eltern schon ihr zweites Kind bei uns betreuen lassen.

Was hat sich in den fünf Jahren verändert?

Wir haben mit sieben Kindern gestartet. In den ersten zwei Jahren hatten wir eine Gruppe, später ist eine zweite dazugekommen. Es hat sich die Akzeptanz bei den Eltern und in der Bevölkerung geändert: Am Anfang gab es eine gewisse Skepsis, ob wir eine Konkurrenz zum Kindergarten sind. Ich habe schon damals gesagt: Nein, wir sind eine Ergänzung zum bestehenden Betreuungsangebot. Das hat sich bewahrheitet. Unser Schwerpunkt liegt bei der Betreuung der unter Zweieinhalbjährigen.

Sie arbeiten auch in der Kastner Gruppe, sind mit dem Projekt Frau Ida beschäftigt: Wie geht sich das alles aus?

Meine Stärken sind mein Durchhaltevermögen und dass ich mir meine Zeit gut einteilen kann. Es war aber an der Zeit, ein bisschen an Tempo zurückzufahren. Diesen Schritt habe ich vor einigen Monaten gesetzt, indem ich mir mit einer Kollegin die Leitung im Apfelbäumchen teile. Elisabeth Herbeck hat die pädagogische Leitung übernommen, ich bin für die kaufmännische Leitung zuständig. Das erleichtert mir meinen Tagesablauf enorm.

Apropos Tagesablauf: Wie sieht ein typischer Tag im Apfelbäumchen aus?

Die Kinder können zwischen 7 und 8.30 Uhr gebracht werden. Mit einer Kollegin bereiten sie selbst das Frühstück vor. Wir legen viel Wert auf Selbstständigkeit. Jeden Mittwoch verbringt eine Gruppe den Vormittag an unserem Waldplatz in Uttissenbach. Es gibt eine Feuerstelle, ein Tipi, Werkzeug, einen Bachlauf, es ist wirklich sehr idyllisch.

Wie haben Sie die erste Phase und den ersten Lockdown erlebt?

Wir haben natürlich alle Kinder, deren Eltern in der kritischen Infrastruktur arbeiteten, weiter betreut. Im März und April waren viele Eltern vorsichtig und ließen ihre Kinder daheim. Ab Mitte Mai waren fast alle Kinder wieder da. Wir haben den ersten Lockdown gut gemeistert. Ich habe alle Eltern persönlich angerufen und mich erkundigt, was sie brauchen. Natürlich haben wir die Hygieniemaßnahmen von Beginn an kindgerecht aufgearbeitet und vermittelt.

Welche Maßnahmen mussten Sie treffen?

Wir haben etwa ein „Schleusensystem“ eingeführt: Die Kinder wurden vorne gebracht und im Garten abgeholt. Bis September waren wir fast ausschließlich im Garten und haben dort ein kleines „Restaurant“ aufgebaut, in dem die Kinder auch essen konnten. Meine Kolleginnen waren extrem erfinderisch, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren und uns auch selbst zu schützen.

Wie sieht die Situation bei euch aktuell aus?

Bei unseren Eltern ist ein großer Betreuungsbedarf vorhanden, es gibt nur drei Familien, die in den nächsten Wochen keine Betreuung benötigen. Einige Eltern arbeiten in der Pflege oder im medizinischen Bereich. Wir haben daher angeboten, dass wir diese selbstverständlich auch bei einem kurzfristigem oder einem längeren Betreuungsbedarf unterstützen. Unsere Eltern wissen, dass sie mit uns rechnen können, wenn sie länger Dienst haben oder spontan einspringen müssen. Wir sehen uns als starker Partner der Familien.

Ein Blick in die Zukunft: Was hat das Apfelbäumchen in den nächsten Jahren geplant?

Ein Highlight, das immer gut angenommen wird, ist unser Angebot im Wald. Die naturverbundene Kinderbetreuung sehen wir als zukunftsträchtig. Wir haben alle Maßnahmen getroffen, damit diese ganzjährig durchführbar ist. In den letzten fünf Jahren haben wir viel ausprobiert, es hat sich das pädagogische Team gut eingespielt. Das freut mich sehr und wir werden auch weiterhin mit vielen Teambuilding-Maßnahmen eine Stabilität im Haus garantieren.