Christina Martin: „Anders als gedacht“. Kirchschlags Bürgermeisterin Christina Martin im Gespräch mit der NÖN über Herausforderungen in ihrem ersten Jahr in dem Amt und zukünftige Projekte der Gemeinde.

Von Angelika Koll. Erstellt am 21. Februar 2021 (05:11)
Für Christina Martin war es das erste Jahr als Bürgermeisterin von Kirchschlag.
Archiv/Holzer

NÖN: Können Sie 2020 mit einem Satz zusammenfassen?

Christina Martin: Anders als gedacht aber trotzdem schön. Denn ich bin ein Mensch, der immer versucht, das Positive an einer Situation zu sehen.

„Regionaler zu denken ist etwas, das alle aus der Krise lernen können.“ Christina Martin

Was waren Ihre Gedanken, als der erste Lockdown verkündet wurde?

Martin: Wir waren am 13. März bei der Bürgermeisterangelobung und beim Heimfahren wusste ich bereits, dass es meine erste Amtshandlung sein wird, einen Bürgermeisterbrief zu schreiben, um die Bevölkerung zu informieren, was ab 16. März gilt und ihnen zu sagen: „Bitte, bleibt zu Hause!“ . Es war komisch und mir war klar, der Start in mein Amt als Bürgermeisterin wird anders als gedacht.

Für Sie war es ja das erste Jahr als Bürgermeisterin. War das durch Corona besonders schwierig?

Martin: Jein. Mir fehlte der persönliche Kontakt, zu den Bürgern, zu (Amts-)Kollegen und Menschen, die für die Arbeit in der Gemeinde von großer Bedeutung sind. Vieles gestaltete sich anders. Handy, Laptop und Videokonferenzen wurden die wichtigsten Arbeitsmittel. Die ganze Situation hat wieder klar verdeutlicht, wie wichtig eine gute Internetverbindung ist/wäre. Die finanzielle Planbarkeit stellte sich als große Schwierigkeit heraus. Wir sind zwar nicht so sehr von den Kommunalsteuern betroffen, aber die Ertragsanteile sind stark zurückgegangen. Besonders schwierig war der Kontakt zu der älteren Bevölkerung, einige sind zwar schon per Handy und in diversen soziale Medien erreichbar, viele aber nicht. Wir haben so oft als nötig auch eine Gemeindeinfo ausgeteilt und seit Oktober nutzen wir unsere neue GemeindeApp „ZuZu“. Die Bürger können damit sofort aktuelle Neuigkeiten der Gemeinde am Handy erfahren.

Was konnten Sie 2020 dennoch umsetzen?

Martin: Wir konnten wichtige Straßen- und Güterwegsanierungen durchführen und unsere Volksschule wurde mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Außerdem haben wir beim Kindergarten und Turnsaal eine klimafitte Parkplatzerweiterung umgesetzt, dabei haben wir dort auch eine Müllinsel und einen Fahrradparkplatz geschaffen. Seit Herbst können E-Biker bei einem Besuch der Whisky-Destillerie Haider ihre Bikes bei der neuen e-Tankstelle aufladen. Ganz wichtig war auch, dass wir Roggenreith zum Teil mit einem Glasfaseranschluss versorgen konnten. Die Whisky-Erlebniswelt und der Naturkost Großhandel Bersta sowie einige Haushalte können nun schon die Vorteile der unbegrenzten Datenautobahn nutzen. 2021 soll der Ausbau weitergehen.

Gibt es auch Positives, das Sie aus dem vergangenen Jahr mitnehmen?

Martin: Ich denke, durch die Coronakrise hat man gelernt, wieder mehr aufeinander zu schauen. Man schaut mehr auf die, die alleine sind und ich hoffe, dass sich die Leute das merken. Und es wird wieder mehr regional gekauft. Regionaler zu denken ist etwas, das alle aus der Krise lernen können.

Wie ist die Gemeinde durchs Jahr gekommen? Gab es viele Infektionen?

Martin: Die Infektionen waren Gott sei Dank überschaubar. Wir hatten zweimal eine Zeit, in der wir knapp über 10 Infektionen gleichzeitig hatten, aber das waren zum Glück hauptsächlich leichte Verläufe. Seitens der Gemeinde boten wir einen Einkaufsdienst an, durch das gute Nachbarschaftsnetz war das aber gar nicht nötig. Das Einzige, an dem alle leiden, sind die fehlenden Veranstaltungen und persönliche Kontakte. Voriges Jahr hätten wir eigentlich ein großes Fest gehabt: Die 70-Jahr-Feier der Landjugend mit dem Waldviertler Volkstanzfest. Das musste leider auf heuer verschoben werden, ob es heuer stattfinden darf, steht noch in den Sternen. Aber um gut aus dieser Krise zu kommen heißt es nun mal, auf soziale Kontakte zu verzichten. Nur durch das Mittragen der von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen können wir möglichst schnell wieder in Richtung „Normalität“ kommen.

Auch wenn die Pandemie weitergeht, was ist für 2021 geplant?

Martin: Wir haben einiges vor. Wenn das Wetter mitspielt, starten wir Ende März mit der neuen Wasserversorgungsanlage für Kirchschlag inklusive Erweiterung nach Merkengerst und Eck. Dazu kommt eine Kläranlage für die Katastralgemeinde Merkengerst. Sobald die kalte Zeit vorbei ist, wird auch endlich der langersehnte Spatenstich für das neue Feuerwehrhaus stattfinden. Wir haben dafür jetzt grünes Licht von allen Seiten und warten mit dem Baubeginn nur mehr auf das richtige Wetter. Es wird also trotz allem, ein spannendes und sicher herausforderndes Jahr.

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr?

Martin: Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung die Maßnahmen mitträgt und wir weiterhin aufeinander schauen. Ich hoffe, dass das öffentliche und private Leben in Kirchschlag halbwegs normal weiterlaufen kann, auch wenn wir heuer noch mit Verzicht leben müssen.