Musikalische Ode an Hendrix und Piaf. Jacques Stotzem, vielseitiger belgischer Fingerstyle-Guitarist, machte am Freitagabend für ein beeindruckendes Konzert in der Blaugelben in Zwettl Halt.

Von Maria Moll. Erstellt am 19. September 2020 (11:50)
Jacques Stotzem, belgischer acoustic Fingerstyle-Guitarist, gab in der Blaugelben in Zwettl ein vom Publikum mit Begeisterung aufgenommenes Konzert.
Maria Moll

Martin Anibas begrüßte zu dem stimmigen Anlass. „Musiker sind es gewöhnt, lange im Voraus zu planen, jetzt planen wir kurzfristig“, sagte der Künstler. „Meine Tournee durch Ungarn und nach Wien ist abgesagt, Graz und Klagenfurt sind die nächsten Ziele.“ Seine Frau Gabriela, treue Begleiterin auf all seinen Reisen seit 30 Jahren, ergänzte: „Das ganze Leben waren wir ständig unterwegs, seit März stehen alle Räder still.“ So haben die beiden das Konzert in Zwettl mindestens genauso genossen wie die Zuhörer.

Jacques Stotzem ist Autodidakt. Eine Sendung im belgischen Fernsehen über den amerikanischen Gitarristen Stefan Grossmann war es, die ihn mit 16 zum Erlernen der Gitarre bewog. Mit 19 beschloss er, professioneller Musiker zu werden. Auch wenn ihn Blues, Jazz, Ragtime und Folk beeinflusst haben, hat er seinen unverkennbaren eigenen Sound entwickelt.

Dynamisch rockig war der Konzertbeginn mit „Twenty-One“. Manchmal wiederum kamen sehr ruhige Töne, weil der Komponist Melodie und Atmosphäre entwickeln wollte. So standen geheimnisvolle arabische Gitarrenlaute am Beginn von „Oasis“, abgelöst durch rhythmische Töne, am Gitarrenkorpus geschlagen. Stimmungsvolle Balladen, rein instrumental und sehr romantisch, sind typische Kompositionen des Künstlers, wie jene in der er ein Bild seiner Heimatstadt Verviers an der Weser bot.

Mit Maske, aber, Gott sei Dank, ganz ohne Oropax (v. l.) Jacques und Gabriela Stotzem sowie Galerieleiter Martin Anibas.
Maria Moll

Stotzem, ein erklärter Fan von Jimmy Hendrix, widmete dem vor genau 50 Jahren verstorbenen amerikanischen Gitarristen eine wilde akustische Version von „Hey, Joe“ und erinnerte mit „Musette Pour Edith“ an Edith Piaf. In Verehrung des belgischen Schriftstellers George Simenon komponierte er „Middle of Nowhere“. Exotische Einflüsse, die in „Dschungel“ die Fauna des tropischen Regenwalds in der Phantasie der Zuhörer aufleben ließen, waren als Abschluss gedacht. Doch es gab noch zwei Zugaben!
Der Künstler lud im Geiste in seine Küche daheim, wo er gerne übt, und spielte nach Kompositionen von George Gershwin die „belgische Version“ von „Summertime“ und das swingende „I´ve Got Rhythm“. Krönender Abschluss: ein Stück ohne Titel für seine Frau Gabriela.