Musik tönt wieder im Stift Zwettl. Es laufen die Vorbereitungen für das Konzertfestival und weitere Veranstaltungen. Aufgrund von Corona mit Plan B und C.

Von Maria Moll. Erstellt am 08. April 2021 (03:21)
Abt Johannes Maria Szypulski und Stiftskapellmeister Marco Paolacci freuen sich auf Konzerte 2021..
Dieter Schewig, Dieter Schewig

Stiftskapellmeister Marco Paolacci lässt sich in seiner Arbeit durch Corona nicht beirren und will bald neu durchstarten. Zwar hat das Virus „die Stiftsmusik drastisch eingeschränkt, weil ab einem gewissen Zeitpunkt Chorproben nicht mehr möglich waren“. Dadurch wurde die Arbeit mit Stiftskirchenchor und Mädchenchor vorübergehend eingestellt, das ist den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geschuldet. „Aber es ist sehr bedauerlich, weil es den Menschen – Sängern und Kirchenbesuchern gleichermaßen – richtig abgeht“, stellt Marco fest.

„Im Jahr 2020 konnten wir im Juli und im September gerade noch zwei großartige Konzerte unterbringen und einige kleinere Veranstaltungen wie die Orgelmessen“, erinnert sich der musikalische Leiter. Trotz allem kann er den Einschränkungen durch Covid-19 auch einige positive Aspekte abgewinnen. Nun werden die Aktivitäten sehr bewusst wahrgenommen und mehr geschätzt. Und Marco selbst findet mehr Zeit, sich auf Neues zu konzentrieren.

Mit Ostern hat die Saison 2021 begonnen. Am Gründonnerstag übernahmen die beiden Wiener Flötisten Florian Huber und Elisabeth Tomani die musikalische Gestaltung der Abendmahlfeier. Mehrere Männer aus der Region trugen am Karfreitag Gregorianischen Choral vor und sangen die Passion. Die Feier der Osternacht umrahmte das Ensemble anima mea – Sängerinnen aus der Pfarre – und Marco Paolacci an der Orgel. Am Ostersonntag fehlte zwar der große Chor, dessen gemeinsames Singen aufgrund von Corona noch immer verboten war, aber die beiden Freunde Alexander Kastner und Marco Paolacci musizierten zur Freude der Kirchenbesucher auf Trompete und Orgel.

Im April dieses Jahres beginnen wieder die international besetzten Orgelmessen. Junge Künstler bringen in den Sonntags-Spätmessen ihr Können auf der Egedacher Orgel zu Gehör. Zur Gartenführung mit Orgelkonzert lädt das Stift am 19. Juni. Bei freiem Eintritt kann man an dem Tag das Spiel mehrerer junger Waldviertler Talente, darunter Theresa Allinger und David Göls, genießen.

Und dann das Konzertfestival „Zusammenspiel“ an den beiden Wochenenden Anfang Juli. „Der Name ist Programm“, sagt Paolacci, künstlerischer Leiter des Festivals. Weil die Veranstaltungen im Vorjahr abgesagt werden mussten, konnte das Programm für heuer eins zu eins übernommen werden.

Von Darbietung zu Darbietung wandern

Derzeit laufen noch Vorbereitungen für „Plan B und C“, sollte Corona wieder stören. Ludwig Güttler mit seinem Blechbläserensemble und Elisabeth Ullmann an der Egedacher Orgel eröffnen das Festival am 3. Juli. Vor dem abendlichen Wanderkonzert können sich die Gäste an einem festlichen Buffet stärken. Als Besonderheit des Wanderkonzerts werden die Zuhörer in Gruppen bis zu etwa 20 Personen zu den Aufführungspunkten in schönen, selten gezeigten Räumen geleitet. Start und Ziel ist die Bibliothek. Der feierliche Eröffnungsgottesdienst und das Highlight des Festivals stehen am Sonntag auf dem Programm – „La Resurrezione“ (Die Auferstehung) – ein Oratorium von Georg Friedrich Händel, dargeboten durch das La Folia Barockorchester und Gesangssolisten.

Erstmals an einem Freitag beginnen die Darbietungen des zweiten Konzertwochenendes. Brett Leighton, in Australien geboren und seit mehr als 30 Jahren in Europa, spielt am Cembalo die „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach. Anschließend bittet Familie Moosbrugger zur Verkostung der Weine aus dem Weingut Schloss Gobelsburg in den Kreuzgang. Am Samstag laden die Mönche und Stiftsarchivar Andreas Gamerith besonders ein. Die liturgisch spirituelle Seite des Klosters sprechen die Patres in der Vesper an. Davor bietet Kunsthistoriker Gamerith eine Spezialführung in der barocken Bibliothek. Nach der Vesper trägt das Sonus Brass Ensemble aus Vorarlberg mit „Abbrassionata!“ imposante Klänge vor.

Video-Leinwände helfen beim Abstand halten

Feierlich abgeschlossen werden die Festivitäten am Sonntag mit Festgottesdienst und Matinee. An der Egedacher Orgel der in Südafrika geborene, in Wien frisch zum Universitätsprofessor erkorene Jeremy Joseph. Am Nachmittag leitet ein Künstlergespräch in der Orangerie das Konzert des Ensembles Prisma ein, das hernach in der Stiftskirche Musik des Hochbarock bietet. Zur Einhaltung von eventuellen Abstandsregeln sollen Video-Leinwände eingesetzt werden.

Kartenbestellungen können in gewohnter Weise bei Manfred Bretterbauer getätigt werden. Online Kartenkauf ist unter www.zusammenspiel.at möglich. Für Infos steht eine Website zu Verfügung. Die Gartensommer-Vollmondnacht Ende Juli mit der hochkarätigen Choralschola der Wiener Hofburgkapelle und das Herbstkonzert Anfang September, das im barocken Refektorium des Stiftes stattfinden wird, runden den Veranstaltungsreigen ab.