Klassik und Modernes im Stift Zwettl. Auch am zweiten Wochenende des Festivals „Zusammenspiel“ begeisterten international anerkannte Musiker mit abwechslungsreichen Stücken ihr Publikum im Stift.

Von Maria Moll. Erstellt am 13. Juli 2021 (13:26)

Auch das zweite Wochenende des Konzertfestivals „Zusammenspiel“ im Stift Zwettl war von Erfolg gekrönt.

Nach der Einladung der Mönche, bei der Vesper, dem feierlichen Abendgebet, am Samstag in der Stiftskirche dabei zu sein, führte der Weg der zahlreichen Gäste in die Stiftsbibliothek. Dort wartete das Sonus Brass Ensemble mit seinem Programm „Abbrassionata!“.

Publikum forderte drei Zugaben

Festivalleiter Marco Paolacci begrüßte zum speziellen Konzert der fünf Blechbläser vier Musiklehrer und einen Profimusiker. Das 1994 gegründete Ensemble ist in ganz Europa unterwegs, aber auch in den USA und in Asien. Trompeter Stefan Dünser und Harald Schele an der Tuba moderieren ihr Programm mit Witz und Humor. Seit 20 Jahren ziehen sie auch als Musikvermittler durch die Lande.

Ihre Gäste in Stift Zwettl begrüßten sie mit dem 400 Jahre alten Stück „Primo Imperiale“ von Girolamo Fantini, wo sich in den hellen, ermunternden Ton der beiden Trompeten bald die sanften, dunklen Töne des tiefen Blechs einfügten – Horn, Posaune und Tuba. Die Musiker verstanden es gut, die Zuhörer mit ihrer abwechslungsreichen Auswahl an Stücken zu amüsieren. Das Präludium aus der „Holberg Suite“ von Edvard Grieg, „ein Lichtblick in der dunklen Zeit der Pandemie“, Werke des Tiroler Revoluzzers Werner Pirchner, eher Exotisches wie der Walzer „Valse Peruano“ aus Peru oder Pop und Jazz von Duke Ellington waren zu hören. Dazu Zeitgenössisches wie vom Vorarlberger Johannes Bär – „Luag, wia d´ Sunna pfüati seyt“. Für nicht enden wollenden Applaus erhielten die Zuhörer noch drei Zugaben.

„Nach einem Jahr Verschiebung kann das Ensemble ,Prisma Wien‘ heute endlich sein Konzert geben“, freute sich Marco Paolacci am Sonntagnachmittag im Künstlergespräch mit Thomas Fheodoroff, dem Leiter des Ensembles. In der Einstimmung auf das Nachmittagskonzert „Höhepunkte des österreichischen Hochbarock“ erfuhren die Gäste interessante Details über die Egedacher Orgel, der aus Spargründen in der Zeit ihrer Entstehung heute verschiedene hohe und tiefe Töne fehlen, sodass Bachs Werke kaum zu spielen sind. Sie hörten von Besonderheiten des Konzertprogramms und zweckdienlichen Veränderungen der Saitenbespannung von Geigen.

Werke des Hochbarock erklangen in Stiftskirche

Thomas Fheodoroff, der mehr als 25 Jahre Mitglied des Concentus Musicus Wien unter Nicolaus Harnoncourt war, ist international gefragter Künstler seiner Generation. In der Orangerie erzählte er, wie sein Ensemble die Pandemiezeiten für Ausnahmeprojekte nutzte – für die Einspielung von Beethovens neun Symphonien oder die Arbeit beim Carinthischen Sommer.

Zu Beginn der Veranstaltung in der Stiftskirche dankte Marco Paolacci den Herrn des Hauses und allen Helfern während des Festivals, allen voran Manfred Bretterbauer. Als Konzerthöhepunkte kündigte Paolacci Werke des österreichischen Hochbarock an, die genau für die verwendeten Instrumente und die Orgel geschrieben wurden. So zwei Toccaten von Georg Muffat und Alessandro Poglietti, die die Kirche mit vollem Klang erfüllten. Oder eine kapriziöse Melodie über die Ernsthaftigkeit, vom Stuttgarter Zeitgenossen Jürgen Essl, drei der von Jeremy Joseph an der Egedacher Orgel gespielten Stücke. Das Ensemble der Streicher mit Laute und Cembalo wirkte in verschiedenen Formationen. Das gesamte Ensemble beeindruckte mit einem gefühlvollen „Lamento“, das Schmelzer nach dem Tod des kulturbeflissenen Kaisers Ferdinand III. geschrieben hat.

Krönender Abschluss: „Sonata V in G“ von Muffat. Doch großen Applaus und Zugaben, das gab es auch noch.