Rowdy-Suche auf Facebook. Nach einem Verkehrsunfall sucht Urs Hengstberger einen Fahrerflüchtigen mittels Social Media.

Von Markus Füxl. Erstellt am 17. Juli 2019 (04:34)
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Totalschaden nach einem Verkehrsunfall: Pkw-Besitzer Urs Hengstberger sucht jetzt auf Facebook nach flüchtigem Beteiligten.

„Es ging alles sehr schnell. Ich weiß nicht einmal mehr, auf welcher Seite er an mir vorbeigefahren ist“, sagt der 36-jährige Urs Hengstberger aus Kottes.

Er war am 28. Juni um 14.45 Uhr auf der B37 von Krems kommend in Richtung Gföhler Berg unterwegs. In der Linkskurve vor der Section Control kam ihm plötzlich ein weißer Audi auf seinem Fahrstreifen entgegen. Hengstberger konnte gerade noch ausweichen, fuhr in Folge aber einem Pkw vor ihm auf. Die Folge: Ein Totalschaden an seinem Auto, verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Nach dem Unfall stiegen Hengstberger sowie eine Frau und ihre Tochter, die im Fahrzeug vor ihm unterwegs waren, aus. „Wir haben nur mehr gesagt: Habt ihr den Wahnsinnigen gesehen“, sagt Hengstberger und ergänzt: „Der Lenker des weißen Audi flüchtete sofort vom Unfallort.“ Der 36-Jährige griff zu drastischen Mitteln und bat in einem Facebook-Posting einige Tage nach dem Unfall um Hinweise. Außerdem richtete er sich darin direkt an den Lenker des weißen Audis:

„Melde dich, bevor du ausgeforscht wirst“, schrieb Hengstberger. „Auf Facebook erreichst du die breite Masse. Dort können sich dann viele in meine Lage hinein versetzen“, erklärt der 36-Jährige. Er hoffte, mit dem Posting zu emotionalisieren: „Vielleicht teilt der eine oder andere User meinen Ärger. Es geht nur um einen Sachschaden, den die Versicherung des Audi-Lenkers bezahlen würde“, sagt Hengstberger.

Posting 270 mal geteilt

Die Maßnahme hat gefruchtet. So wurde das Posting mittlerweile fast 270 mal geteilt. Es meldeten sich mehrere Zeugen, darunter eine Frau, die ein Gmünder Kennzeichen am Audi ausmachen konnte. „Sie fuhr zur Unfallzeit vom Gföhlerberg in Richtung Krems. Das passt zusammen“, sagt Hengstberger. Hundertprozentig sicher könne er sich natürlich nicht sein, ob es sich bei dem Audi um den Unfalllenker handelt. Die Zeugin habe einen jungen Mann als Lenker erkannt. Bei dem Fahrzeug dürfte es sich um eine weiße Audi A4-Limousine mit Baujahr zwischen 2008 und 2015 handeln. „Davon gibt es nicht so viele“, sagt Hengstberger. Er hofft jetzt, dass sich der Lenker bei ihm meldet.

„Mein Auto hatte einen Totalschaden. Es war nicht mehr das neueste Modell, aber um 5.000 Euro hätte man es noch verkaufen können. So musste ich mir jetzt ein neues Auto kaufen“, sagt der 36-Jährige frustriert.

Auch weil sich Hengstberger wenig Hoffnung machte, dass die Kremser Polizei den Audi-Lenker rasch ausfindig macht, habe er selbst per Facebook agiert. „Ich würde es wieder machen, aber schon früher posten“, sagt der 36-Jährige.

Sachdienliche Hinweise auch an NÖN möglich

Laut dem Zwettler Bezirkspolizeikommandant Rudolf Mader spreche nichts gegen diese Art der „Selbstjustiz“: „Dafür braucht niemand die Erlaubnis der Polizei. Es ist eine Möglichkeit, sich selber zu helfen.“ Beamten würden solche Postings im Normalfall nicht mitbekommen. Das sei aber auch „nichts anderes, als würde man im Freundes- und Bekanntenkreis um Hilfe und Hinweise bitten“, sagt Mader.