Unfall zwischen Etzen und Merzenstein: „Unfassbares Szenario!“

Nach Unfall zwischen Etzen und Merzenstein übt Feuerwehrkommandant Kritik an Passanten und Rettungskette.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 04:31
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Nachdem die Feuerwehr erst auf Umwegen von einem Verkehrsunfall bei Ober Neustift erfahren hat, übt Kommandant Bernhard Prock Kritik an der Rettungskette: „Keiner leistete Erste Hilfe. Das ist ein unfassbares Szenario.“ Notruf 144 und Polizei verweisen auf richtiges Vorgehen.
Foto: Feuerwehr Oberneustift

Der Unfall auf der B 38 am Abend des 19. Oktober zwischen Etzen und Merzenstein mit vier Verletzten, die NÖN hat online berichtet, hat ein emotionales Nachspiel – vor allem der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ober Neustift, Bernhard Prock, übt heftige Kritik am Ablauf der Rettungskette.

„Die Feuerwehr erfuhr erst nach knapp einer Viertelstunde und auf Umwegen von diesem Unfall, bei dem eine Ortsbewohnerin in ihrem Auto eingeklemmt war. Außerdem leistete offensichtlich keiner der vielen Verkehrsteilnehmer, die zum Unfall dazugekommen sind, Erste Hilfe. Das ist ein unfassbares Szenario, das aufgezeigt gehört“, betont Prock.

Wissen müssen wir halt, dass jemand Hilfe braucht...“ Bernhard Prock Feuerwehrkommandant

Procks Recherchen hätten bestätigt, dass eine nachkommende Verkehrsteilnehmerin die Rettung verständigt, aber niemand bei der Feuerwehr einen Notruf abgesetzt hat. „Die Unfallmeldung bei Notruf Niederösterreich dürfte vermutlich nicht beinhaltet haben, dass eine Person in einem Auto eingeklemmt ist. Es ist also ‚nur‘ die Rettung zum Unfallort gefahren“, sagt Prock.

Wie die Feuerwehr zur Alarmierung gekommen ist, ist für den Kommandanten „ein Irrsinn“: Ein Kind, das sich im Umfallauto der eingeklemmten Lenkerin befunden hat, habe mit einem Handy eines nachkommenden Fahrzeuglenkers den Vater über den Unfall informiert. „Dieser fuhr natürlich sofort zur Unfallstelle, entdeckte seine eingeklemmte Gattin und verständigte wieder über Umwege telefonisch die Feuerwehr. Das war eben rund 15 Minuten nach dem Crash“, ist Prock fassungslos über die „vergeudete Zeit, die die schwer verletzte Frau im Fahrzeug verbringen musste.“

Auch Notruf Niederösterreich habe, so der Feuerwehrkommandant, nicht optimal funktioniert. „Ich verstehe nicht, warum nicht gleich bei einer Unfallmeldung auf einer stark frequentierten Bundesstraße von der Einsatzzentrale auch die Feuerwehr alarmiert wird. Ruft jemand die Feuerwehr um Hilfe, dann wird ja auch gleich die Rettung verständigt“, erklärt Prock, der auf ein Umdenken in der Notruf-Einsatzzentrale hofft.

Notruf: Keine Info, ob und wie viele Verletzte es gab

Mit dieser Kritik konfrontierte die NÖN Notruf 144. „In diesem Fall erhielten wir die Info von der Polizei, dass ein Fahrzeug ins Schleudern gekommen sei“, erklärt Pressesprecher Stefan Spielbichler. Daher sei nur eine Rettung zum Unfallort geschickt worden. „Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, ob und wie viele Verletzte es gibt. Es war also eine Alarmierung der Feuerwehr nicht notwendig. Das passiert natürlich sofort, wenn bei der Unfallmeldung klar ist, dass eine technische Rettung benötigt wird“, erklärt Spielbichler.

Wichtig sei bei jedem Unfall, dass bei einem Notruf, egal ob dieser bei der Polizei, der Feuerwehr oder der Rettung eingeht, die richtigen Fragen von den Mitarbeitern der Blaulichtorganisationen gestellt werden. Nur so können die richtigen Rückschlüsse auf den Einsatz gezogen werden. „Wir können nicht zu jedem Blechschaden Rettung, Hubschrauber, Feuerwehr und Polizei ausschicken, da wären alle Ressourcen bald verbraucht“, meint der Pressesprecher.

Bei diesem Unfall sei nach nicht einmal zehn Minuten ein Rettungsteam vor Ort gewesen. Die Feuerwehr sei sofort verständigt worden, ebenso der Rettungshubschrauber.

Die eingeklemmte Lenkerin konnte aus dem Unfallwagen geborgen werden. Sie wurde ins Universitätsklinikum St. Pölten geflogen. Ihre beiden Kinder und der Lenker des zweiten Unfallautos kamen ins Krankenhaus nach Zwettl. „Bei diesem Einsatz hat man gesehen, dass wir Floriani rasch und effizient helfen können, Wissen müssen wir halt, dass jemand Hilfe braucht“, betont der Feuerwehrkommandant, der einen Appell an die Bevölkerung richtet: „Passiert ein Unfall mit verletzten Personen, dann bitte Erste Hilfe leisten und sofort die Rettung und die Feuerwehr verständigen. Da geht es oft um Minuten, die ein Menschenleben retten können.“

Polizei: „Stellten sehr wohl wichtige Fragen bei Notruf“

Seitens der Polizei weist man Kritik über eine fehlerhafte Alarmierungskette zurück. „Nach Rücksprache mit der Landesleitzentrale der Polizei NÖ wurden bei der Anzeigeerstattung sehr wohl die Fragen gestellt. Dabei wurde bekannt gegeben, dass es einen Verkehrsunfall zwischen zwei Fahrzeugen gegeben hat und eine vermutlich verletzte Person in einem Pkw sitzen soll. Nach dem Eintreffen der Polizeistreife wurde festgestellt, dass die Person in dem Fahrzeug eingeklemmt ist und sofort die Feuerwehr verständigt“, betont Pressesprecher Raimund Schwaigerlehner.