Andreas Maringer: „Wird es sich am Ende ausgehen?“. Seit einem Jahr verändert Corona das Gemeindeleben. Bürgermeister Andreas Maringer aus Langschlag über die Situation.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 19. Februar 2021 (05:26)
Für Andreas Maringer brachte die Pandemie auch Positives, wie ein erstärktes Bewusstsein für Regionalität, mit sich.
Gemeinde Langschlag

NÖN: Was waren Ihre ersten Gedanken, als im März 2020 der erste Lockdown verkündet wurde?

Andreas Maringer: Es war eine völlig neue Situation. Wir haben so etwas ja noch nie erlebt. Die Auswirkungen der Krankheit, was da genau auf uns zu kommt und wie lange es dauern würde, waren alles Fragen, die aufkamen. Sagen wir es mal so. Es war eine spannende Zeit.

Spannend ist es aber immer noch, oder?

Maringer: Allerdings (lacht). Vor allem glaubte ich damals nicht, dass es so lange dauern würde. Gerade zu Beginn waren aber auch so viele neue Probleme zu bewältigen. Zum Beispiel die Versorgung der älteren Menschen, von denen bei uns viele sicherheitshalber daheim blieben oder wo man überhaupt Schutzmasken herbekommt waren wichtige Themen.

Wie wirkte sich die Pandemie auf die Umsetzung der geplanten Projekte aus?

Maringer: Wir hatten 2020 einige Projekte, die fertiggemacht werden mussten. Bei der Finanzierung waren die Sorgen natürlich groß. Die Frage war, ob sich das alles am Ende ausgehen kann. Am Ende haben wir aber alles durchgebracht. Unter anderem haben wir mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses in Kainrathschlag begonnen. Der Großteil ist da schon 2020 passiert. Vom Sportverein haben wir das Klubgebäude fertiggemacht und die Tennisplätze saniert. Ein großes Thema ist bei uns auch immer der Wegebau und die Instandhaltung von Straßen. Alles bereits Geplante wurde also weitergeführt und fertiggemacht. Für heuer haben wir dafür sparsam budgetiert.

Haben Sie in Pandemiezeiten auch positive Entwicklungen bemerkt?

Maringer: Ich glaube, das Bewusstsein für unsere eigenen Angebote in der Gemeinde ist bei den Menschen gestiegen. Wir haben viele Direktvermarkter und einen Bauernladen. Das wurde schon sehr geschätzt, gerade wenn man nicht mehr so weit wegfahren kann und soll. Was mir auch gut gefallen hat, war der Zusammenhalt. Gerade wenn ganze Familien in Quarantäne waren oder auch für ältere Menschen haben sich meist Leute gefunden, die aushalfen und Besorgungen erledigten.

Seit Sonntag gibt es auch in Langschlag Teststraßen. Warum haben Sie sich für diesen Schritt entschlossen?

Maringer: Ich habe schon beobachtet, wie die Teststraßen in Groß Gerungs und Zwettl laufen. Die sind sehr gut besucht. Zuvor sind auch schon viele Leute an mich herangetreten und haben gefragt, ob wir nicht auch wieder etwas machen können. Mittlerweile braucht man die Tests ja schon in Firmen, Schulen oder beim Friseur. Am Edelhof, wo ich als Lehrer arbeite, sollen wir uns auch einmal die Woche testen lassen. Da war die Entscheidung, auch für unsere Leute diesen Service zu bieten, keine schwere.

War die Organisation schwierig?

Maringer: Überhaupt nicht. Ich bin wirklich dankbar für das Rote Kreuz und etliche Damen, die sich da einschulen haben lassen. Die haben sofort ihre Hilfe angeboten. Auch die Feuerwehr ist wie bei den Massentests wieder dabei. Ich habe letzte Woche spontan bei allen durchgerufen. Jeder hat sofort zugesagt. Der Termin am Sonntag-Vormittag ist nicht selbstverständlich.

Wie steht es um neue Projekte 2021?

Maringer: Da die finanzielle Lage momentan höchst unsicher ist, haben wir fürs Erste sparsam budgetiert. Fix beschlossen ist, dass wir unseren Gemeindetraktor auswechseln. Bis zur Jahresmitte soll der geliefert werden. Bereits seit Längerem geplant ist die Sanierung der Aufbahrungshalle. Gesetzt sind natürlich auch Straßenbau und -instandhaltung. Fertiggestellt werden muss dann noch das neue Feuerwehrhaus in Kainrathschlag. Da fehlt jetzt nur mehr der letzte Schliff. Innen wird noch gefliest und Einrichtung gekauft. Dann steht nur mehr die Außengestaltung an. Was noch angedacht ist, ist eine Umrüstung in der Mittelschule. Da wollen wir elektronische Tafeln oder Smart-Boards in einigen Klassen einrichten. Spätestens nächstes Jahr soll dann in allen Klassen umgerüstet werden.

Was wünschen Sie sich für 2021?Maringer: Dass zumindest wieder ein bisschen Normalität einkehrt und dass ich wieder ins Wirtshaus gehen kann. Mir geht das wirklich ab, mit den Leuten zu reden. Es geht ja auch darum, Feedback für meine Gemeindearbeit zu bekommen. Wenn man niemanden trifft, erfährt man nichts von den Wünschen und Anregungen seiner Bürger.