Zu viel landet im Bezirk Zwettl im Müll. Tonnen an Essbarem landen täglich im Eimer, Tendenz steigend. Wo liegt die Lösung des Problems?

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:21)
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Mary Stöger, Ingrid Brandweiner, Daniela Strengberger und Elfriede Honeder setzen im Verein „Flotte Lotte“ ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung.  
Flotte Lotte

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Eine traurige Erkenntnis, die auch nicht wirklich neu ist. Statistiken des Landes Niederösterreich zeigen, dass allein in unserem Bundesland täglich 166 Tonnen Lebensmittel im Abfall landen. Das entspricht einer Menge von rund 40 Kilogramm pro Einwohner im Jahr. Im Ministerrat wurde deshalb sogar für eine neue Koordinierungsstelle unter der Leitung des Umweltministeriums entschieden. Es ist ein Thema, das jeden betrifft. Gerade im Zwettler Bezirk etablierten sich in den letzten Jahren gleich mehrere Initiativen, um der Verschwendung den Kampf anzusagen.

Aussortiertes Gemüse findet seinen Platz

Der Verein „Flotte Lotte“ bewahrt seit mehreren Jahren Lebensmittel vor dem Schicksal, in der Mülltonne zu verrotten. Am ehemaligen Molkerei-Areal in der Zwettler Pater-Werner-Deibl-Straße wird jede Woche gekocht. So entstehen Currys, Chutneys, eingelegtes Gemüse, Frucht- und Gemüseaufstriche, Suppen und Sugos, die auch gleich im Laden verkauft werden. Der Großteil der Nahrungsmittel kommt dabei von Großhändler Kastner, der mit dem Verein eine Kooperation eingegangen ist. Auch mehrere Produzenten und Landwirte sind Partner. „Wenn man noch gute Lebensmittel einfach wegwirft, werden wichtige Ressourcen verschwendet, die man anderweitig brauchen kann“, erzählt Vereins-Organisator Daniel Ruttinger.

„Für die Herstellung der nicht verzehrten Lebensmittel werden unnötig Energie, Wasser und Flächen eingesetzt sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittel verwendet.“ Beate Stinauer, Caritas Zwettl

So werden Überschüsse aus der Landwirtschaft und jegliche Lebensmittel, die aus der Norm fallen, in der Küche von „Flotte Lotte“ verwertet. „Es ist oftmals Obst und Gemüse, das aus verschiedensten Gründen nicht in den Handel kommt. Qualität ist kein Thema. Da passen ganz einfach mal die Form, Farbe oder Größe nicht“, erklärt Ruttinger. Auch dass im Großhandel zu viel bestellt wird, kommt vor. Wenn dann Obst und Gemüse etwas länger lagern, würde es alsbald aussortiert werden. Auch Bauern würden öfter Überschüsse liefern. Rund 100 Tonnen Obst und Gemüse wurden vom Verein „Flotte Lotte“ bisher gerettet.

Aktuell beschäftigt der Verein sieben Teilzeitkräfte plus jede Menge ehrenamtlicher Helfer. Vor Kurzem plante man zudem einen Standortwechsel in die Innenstadt. Diese Pläne wurden laut Ruttinger aber verworfen. Stattdessen wolle man sich auf eine Erweiterung des bestehenden Standortes konzentrieren. „Wir haben hier bereits genug Fläche und auch Dinge wie eine Laderampe“, meint er. Noch Ende des Jahres will man mit der Erweiterung starten.

Natürlich kann der Verein auch nur seinen Beitrag leisten. Die Verantwortung liege am Ende bei jedem selbst. „Jeder sollte bewusst auf seine Ernährung achten und überlegen, was man wirklich braucht. Man muss nicht die Großpackungen kaufen, nur weil sie gerade im Angebot sind, und Informationen, wie man Lebensmittel länger haltbar macht, gibt es reichlich“, meint Ruttinger.

In eine ähnliche Kerbe schlägt der von der Caritas betriebene Sozialmarkt in Zwettl. Er wurde Ende 2019 eröffnet. Die Lebensmittel kommen direkt von Zwettler Märkte wie Kastner, Holzinger, Lidl oder Penny. „Der SOMA Zwettl ist mehr als nur ein Geschäft. Er ist Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderungen, Einkaufsmöglichkeit für Menschen mit geringem Einkommen und zugleich ein Begegnungsort“, schildert Leiterin Beate Stinauer.

Daneben wird natürlich auch der Lebensmittelverschwendung der Kampf angesagt. „Für die Herstellung und den Transport der nicht verzehrten Lebensmittel werden unnötig Energie, Wasser und Flächen eingesetzt sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittel verwendet“, erzählt Stinauer. Verschwendung würde also auch Klima und Umwelt erheblich belasten. „Schätzungen gehen davon aus, dass acht bis zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit Lebensmittelverlusten und -abfällen stehen“, betont sie.

Den eigenen Erfahrungen nach gehören Gebäck sowie Obst und Gemüse zu den meist weggeworfenen Lebensmitteln. Seinen eigenen Beitrag zur Lösung des Problems könne jeder leisten. Wege gäbe es im Überfluss. „Man kann den Einkauf besser planen und nicht hungrig einkaufen gehen. Auch Mut zu ,hässlichem‘ Obst und Gemüse gilt es zu zeigen“, schildert Stinauer.

Auch alten Resten eine Chance geben

Daneben gehören natürlich auch Reste verwertet und Lebensmittel richtig gelagert oder eingefroren. Selbst wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten oder das Lebensmittel schon etwas älter ist, gibt es Wege zur Verwertung. „Ein schrumpliger Apfel schmeckt hervorragend als Apfelmus verkocht“, erklärt Stinauer.

Beim Zwettler Abfallverband ist die übermäßige Lebensmittelverschwendung ebenfalls schon lange ein großes Thema. „Ich denke, dass viele Menschen falsch einkaufen und sich mehr Gedanken in der Planung machen müssten“, meint Verbands-Geschäftsführer Albrecht Mayerhofer. Große Veränderungen hätte es in den letzten Jahren bei der reinen Müllmenge aber nicht gegeben. Erfahrungsgemäß würde die weggeworfene Menge an Lebensmitteln rund um Feiertage steigen.

Problematisch sei auch oftmals die Mülltrennung, die mit der Entsorgung von Lebensmitteln einhergeht. So würden zu viele Lebensmittel im Restmüll landen und umgekehrt. „In Zwettl gab es 2019 eine Analyse des Restmülls, die ergab, dass pro Einwohner im Durchschnitt 11,5 Kilogramm an vermeidbaren Lebensmittelabfällen im Restmüll landen“, erzählt Mayerhofer. Verbesserungspotenzial gibt es also reichlich.

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