Mausklicks statt Tafelkreide in Zwettl. Direktoren von Zwettler Schulen berichten von den ersten Tagen des Unterrichts per Computer. Das Fazit: Es funktioniert.

Von Angelika Koll. Erstellt am 22. März 2020 (15:19)
Ein (fast) leerer Parkplatz auch beim Zwettler Gymnasium: Für die Schüler im Bezirk Zwettl ist seit einer Woche lernen "im Homeoffice" angesagt.
Markus Füxl

Die Schüler haben die ersten Schultage hinter sich, bei denen sie zuhause vorm Computer saßen anstatt im Klassenzimmer. Die Rückmeldungen gestalten sich bisher durchaus positiv. „Soweit ich gehört habe, läuft es sehr gut. Die meisten Kollegen geben Arbeitsaufträge, die sie dann kontrollieren“, meint der Direktor der Handelsakademie Manfred Schnabl.

Von vielen Lehrern werde für die Kommunikation mit ihren Schülern Microsoft Teams verwendet. Dabei können Gruppen gebildet werden, es wird miteinander gechattet und man kann unterschiedliche Dateien hochladen. Schnabl selbst hatte etwa kurz vor dem Telefonat mit der NÖN gerade eine Unterrichtseinheit über Discord abgehalten. Das Programm wird eigentlich für Onlinespiele verwendet. „Es ist ein Sprachchat, wo ich den Schülern auch etwas auf meinem Bildschirm zeigen konnte“, erklärt der Schulleiter.

Einzig leichte Probleme bei Scannen und Drucken

Auch der Direktor des Zwettler Gymnasiums bestätigt, dass das digitale Lernen tadellos funktioniert. Über eduflow können auch mit einem Knopfdruck alle Eltern der Schule benachrichtigt werden. „Ein wenig Probleme gibt es nur, wenn die Schüler etwas drucken oder scannen sollen. Nicht jeder hat einen Drucker zuhause“, erwähnt er. Vergangene Woche sei nur noch am Montag ein Schüler im Gymnasium gewesen, danach niemand mehr. „Es kommen aber laufend welche, die sich ihre Sachen abholen“, sagt Steinbauer.

Ein wenig nervös seien die Maturanten des Gymnasiums. Für sie gehe es auch um Aufnahmeprüfungen an Universitäten oder Fachhochschulen. Die schriftliche Matura soll derzeit am 19. Mai starten, aber Steinbauer ist sich dessen noch nicht sicher: „Die nächsten zwei Wochen werden das wohl entscheiden. Ich glaub‘s erst, wenn wir wirklich Matura haben.“ Er sei aber überzeugt, dass das Ministerium alles tun werde, damit den Maturanten kein Nachteil entsteht.

Präsentation von Abschlussarbeiten nach Ostern

In der HLW kommunizieren die Lehrer vor allem über Mail mit den Schülern, wie Direktor Gerhard Schenk erklärt: „Die Schüler bekommen Arbeitsanweisungen und schicken dann ihre Antworten zurück.“ Außerdem wird LMS, eine Lernplattform verwendet. Damit habe es am ersten Tag noch Probleme gegeben. Wie in den anderen Schulen auch, müssen von den Maturanten auch noch die Abschlussarbeiten präsentiert werden. „Wir hatten die Präsentationen sowieso erst nach Ostern angesetzt und hoffen, dass wir sie nicht verschieben müssen“, sagt Schenk.

Schulsprecher: "Programm ist ein bisschen tricky"

Trotz allem hofft man natürlich, in den Schulen nach Ostern wieder zum normalen Betrieb übergehen zu können. Immerhin wird die Zeit momentan hauptsächlich zur Wiederholung genutzt und weniger neue Inhalte gelernt. Auch der Schulsprecher der HLW, Sebastian Lugmayr meint: „In der Schule lernt man den Stoff immer besser.“ Natürlich entfallen aktuell auch Schularbeiten und Tests. Es sei wahrscheinlich vom Lehrer abhängig, ob die nachgeholt werden und auch davon, ob es die einzige Überprüfung wäre.

Als Vorteil des elearnings sehe Lugmayr, ,dass man sich selbst vermehrt einteilen könne, wann man welche Aufgaben erledigt. Lediglich manche Schüler würden von ihren Lehrern so viele Aufgaben bekommen, dass die freie Einteilung eingeschränkt sei. Der Schulsprecher erwähnt außerdem: „Die Mailverbindung funktioniert eigentlich immer. LMS ist ein bisschen tricky, da sind die Server zu manchen Zeiten überlastet.“ Der Schulsprecher schließt nicht aus, dass so manches auch nach Ende der Quarantänemaßnahmen weiterhin im Unterricht eingebaut wird: „Es ist sicher ein Vorteil, dass jetzt alle Lehrer gezwungen sind, das zu machen.“

Volksschuldirektorin Gaishofer: "Struktur ist weiter wichtig"

Etwas anders, als in den höheren Schulen gestaltet sich die Situation in der Volksschule. Die Lehrer sind hier auch viel mit den Eltern in Kontakt, wie die Direktorin der Volksschule Schwarzenau, Daniela Gaishofer erklärt. „Die Kinder bekommen Tages- und Wochenpläne. Es gibt auch nicht nur Aufgaben, die am Papier zu erledigen sind, sondern zum Beispiel, dass sie draußen etwas fotografieren sollen“, sagt Gaishofer. In dieser Woche möchte man eventuell auch versuchen, die Schüler über zoom mit ihren Lehrern zu verbinden. Auch den Volksschülern werde in der Zeit aber kein schwieriges Unterrichtsmaterial unterbreitet.

In Betreuung sei vergangene Woche niemand gewesen, trotzdem ist der Standort immer besetzt. „Es gibt Kinder von Ärzten, oder anderen Berufsgruppen, die spontan Betreuung brauchen“, erklärt die Direktorin. Man habe dafür die Hygienemaßnahmen hochgeschraubt. In einer Gruppe dürften nur etwa vier Kinder sein, damit der Abstand eingehalten werden kann.

Gaishofer ist es auch ein Anliegen, den Eltern einige Tipps zu geben, wie mit dem Lernen von Zuhause umgegangen werden soll: „Es ist wichtig, eine Struktur aufrecht zu erhalten. Die Kinder sollten trotzdem nicht den ganzen Vormittag im Pyjama verbringen.“ Auch sollten Lernzeiten und Freizeit zeitlich und örtlich getrennt werden und in den Pausen immer wieder Bewegung gemacht werden. Außerdem meint die Schulleiterin: „Man sollte offen ansprechen, dass man diese besondere Situation nur gemeinsam meistern kann.“