Tanner: „Stehe für regionale Versorgung“. Joachim Brand sprach mit Klaudia Tanner über die Zukunft des TÜPl Allentsteig und die Möglichkeit, dort wieder selbst zu kochen.

Von Joachim Brand. Erstellt am 30. Juli 2021 (05:28)
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„Alle Kasernen haben bis 2024 autarke Stromversorgung“: Ministerin Klaudia Tanner im NÖN-Interview.
Bundesheer/Peter Lechner, Bundesheer/Peter Lechner

NÖN: Anfang Juli erwähnten Sie in der NÖN, dass alle Garnisonen in Niederösterreich in Bezug auf Energie und Versorgungssicherheit autark aufgestellt werden sollen. Trifft das auch auf den TÜPl Allentsteig zu?

Klaudia Tanner: Es gibt einen Zeitplan bis zum Jahr 2024 für alle Kasernen, nach Überprüfung der Situation, eine unabhängige, autarke Stromversorgung zu gewährleisten. Dazu bedarf es einer Abwägung und Bewertung der örtlichen Möglichkeiten. Im Bereich der Verpflegung ist mir der Ankauf von regionalen Lebensmitteln von großer Wichtigkeit. Was das Lager Kaufholz am Truppenübungsplatz betrifft, so ist es möglich, dass wieder selbst gekocht werden kann. Das System der „cook and chill“-Küche war ein gutes Konzept, aber ich stehe für eine regionale Versorgung.

Ist der TÜPl als zukünftige Sicherheitsinsel wie Langenlebarn eingeplant?

Je nach Bewertung sollen der Truppenübungsplatz Allentsteig und viele weitere Kasernen zuerst als „Schutz und Hilfe“-Zone ausgebaut und als solche benutzt werden können.

Welchen Einfluss hat die geplante Windkraftanlage in Göpfritz an der Wild auf den Übungsbetrieb?

Die genauen Standorte für die einzelnen Windräder wurden mit dem Militärkommando Niederösterreich und dem Ministerium koordiniert. Es wurde ein Konsens erzielt, bei dem die Betreiber auf einzelne Standorte verzichteten.

Bleibt der TÜPl auch weiterhin im Ministerium für Landesverteidigung angesiedelt oder ist eine Auslagerung an die Bundesforste weiterhin möglich?

Allentsteig ist und bleibt ein Truppenübungsplatz und gehört ohne Wenn und Aber weiterhin zum Bereich des Ministeriums für Landesverteidigung.

Welche Natura 2000-Richtlinien werden am TÜPl umgesetzt?

Es werden laufend ausgleichende Maßnahmen zur Biotopverbesserung durchgeführt. Momentan ist das Thema Wiederaufforstung auf Grund der Borkenkäferschäden von Bedeutung. Neben der Suche nach trockenresistenten Fichten werden auf Kulturland wieder alte Obstsorten gepflanzt. Der Vogelschutz ist sowieso immer ein Thema. Es ist schon beachtlich, dass die größte Population des Wachtelkönigs gerade in diesem militärischen Sperrgebiet sein Hauptverbreitungsgebiet hat. Die schützenswerten Tierbestände werden laufend beobachtet und wissenschaftlich bearbeitet. Ich denke an den Wolf und die Rotwildbestände.

Ist an die Aufnahme eines Ökooffiziers mit ausschließlich Naturschutz -und Umweltaufgaben für den TÜPl angedacht?

Dazu besteht momentan kein Bedarf. Wir haben mit Andreas Berger einen Fachoffizier mit einer dualen Ausbildung. Er ist ein an der Militärakademie ausgebildeter Offizier und hat gleichzeitig einen Studienabschluss an der Universität für Bodenkultur.

Es gibt seit zwei Jahren nur einen geschäftsführenden TÜPl-Kommandanten. Wann wird der nächste hauptamtliche TÜPl-Kommandant bestellt?

Ich habe Herbert Gaugusch als besten Bewerber mit der Funktion des TÜPl-Kommandanten betraut. Momentan sind die gesetzlichen Verwaltungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Es wird in geraumer Zeit zu einer offiziellen Bestellung kommen. -jb-