Erstellt am 12. August 2014, 10:53

von René Denk

Dorf in Angst versetzt. Jäger schießt im Ortsgebiet | Ein „Gastjäger“ soll ein Reh direkt vor einem Haus geschossen haben. Jagdpächter weiß von Beschwerden.

Von dieser Straße aus soll der Jäger in Richtung Mitterschläger Wohnhäuser geschossen haben. Das Reh soll sich dabei auf zirca zwei Drittel des Abstandes zu den Häusern befunden haben, weit nach dem Graben.  |  NOEN, René Denk
MITTERSCHLAG | Über Aufruhr im Ort Mitterschlag berichtet eine besorgte Mutter, die sich an die NÖN gewandt hat. Der Grund: Ein „Gastjäger“, der dem Vernehmen nach auch einen Wohnsitz im Bezirk Gmünd hat, schießt in Siedlungsgebieten auf Rehe!

Über Pferdeweide auf Reh geschossen

„Der Jäger schießt von der öffentlichen Straße aus seinem Geländewagen auf einen Rehbock, der sich nur wenige Meter vor einem Wohngebäude befindet“, erzählt die Mutter. Angeblich wäre beim Schuss in Richtung Haus sogar ein Bewohner vor Schreck aus dem Bett gefallen. Dies wäre nicht der erste Vorfall gewesen. Einige Wochen zuvor dürfte derselbe Mann zirca 15 Meter von zwei nebeneinander stehenden Häusern direkt an einer Pferdeweide vorbei auf ein anderes Reh geschossen haben.

„Es gab auch schon zahlreiche Beschwerden, weil er immer wieder Flurschäden in Getreidefeldern und Wiesen verursacht hat, denn er fährt nach dem Abschuss in Felder. In der Dämmerung und nachts ist er auf öffentlichen Straßen und sogar auf der Hauptstraße ohne Licht unterwegs“, schildert sie.

Bisherige Gespräche ohne Wirkung

Einige Dorfbewohner sprachen bereits mit dem Jäger und forderten ihn auf, dies zu unterlassen. Auch mit Anzeigen wurde gedroht“, schildert der Vater. Den „Gastjäger“ dürfte das bisher nicht beeindruckt haben. „Alle anderen Jäger verhalten sich zivilisiert und sind total in Ordnung. Da gibt es keine Probleme, wir haben da ein sehr gutes Einvernehmen. Nur der eine Gastjäger führt sich auf, wie wenn er auf Safari in Afrika wäre. Hoffentlich gibt es von der Jägerschaft Konsequenzen für so ein unverschämtes, rücksichtsloses und bedrohliches Verhalten, bevor jemand zu Schaden kommt“, meint die Mutter.

Bisher keine Anzeigen

Bezirkshauptmann Michael Widermann erklärt im NÖN-Gespräch, dass es bisher keine Anzeigen gab. Anonyme Anzeigen wären in so einem Fall auch nicht zielführend, da man konkrete Zeugenaussagen brauche, um effektiv einschreiten zu können. „Grundsätzlich dürfen Jäger in der Nähe von Siedlungsgebieten schon jagen. Aber die Sicherheit muss gewährleistet sein und die Schussrichtung muss weg vom Siedlungsgebiet erfolgen. Wenn der Sachverhalt so ist, wie die Dame ihn beschreibt, dann darf er das natürlich nicht“, sagt Widermann.

Leopold Besenbeck ist Jagdausschuss-Obmann von Mitterschlag. Zwei Tage bevor, ihn die NÖN mit den Beschwerden konfrontierte, hätte er das erste Mal so ein Gerücht gehört. „Eine konkrete Beschwerde wurde bisher nicht an mich herangetragen. Ich bin mir aber sicher, dass es sich hierbei um einen Gastjäger handeln muss. Von den einheimischen Jägern ist das hundertprozentig keiner - da lege ich für jeden die Hand ins Feuer. Ein ordentlicher Jäger macht so etwas nicht und würde das auch nie machen“, äußert sich Besenbeck zu dem Fall.

Dem Obmann ist der Vorfall ein Dorn im Auge, wenn ein schwarzes Schaf den Ruf der Jägerschaft ruiniere. Er ist um Aufklärung bemüht.

Jagdpächter zögern Jagdrecht zu entziehen

Einer von drei Jagdpächtern des Gebietes ist Hermann Weiß. „Von den Beschwerden weiß ich schon länger. Ich habe dem Betreffenden schon oft gesagt, dass er das unterlassen soll. Dass man ganz nahe bei Häusern schießt, ist natürlich verboten“, sagt Weiß. Ihm stünde auch zu, dem Jäger das Jagdrecht in diesem Revier zu entziehen. „Das ist keine Entscheidung, die ich alleine treffen kann, die müssen wir zu dritt treffen“, so der Jagdpächter. Er will den „Gastjäger“ nochmals „eindringlich ermahnen“.