Arbeitskräftemangel: Ende für Tischlerei

Erstellt am 17. Juni 2022 | 04:11
Lesezeit: 3 Min
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Hermann und Dagmar Ledermüller schließen die Familientischlerei und eröffnen bald einen Würstelstand.
Foto: Sebastian Dangl
Aus Mangel an Mitarbeitern schließt Tischler Hermann O. Ledermüller Ende Juli den Familienbetrieb in Moidrams. Sein neues Business wird ein Würstelstand in der Zwettler Innenstadt sein.
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Die Tischlerei Ledermüller in Moidrams besteht seit 1947 und wird in dritter Generation von Hermann O. Ledermüller geführt. Ende Juli ist aber Schluss. Der Betrieb wird eingestellt. Für Ledermüller heißt es deswegen allerdings keinesfalls Trübsal blasen, denn mit einem gewagten Wechsel in die Gastronomie erfüllt er sich nun einen lang gehegten Lebenstraum.

Hauptgrund für diesen Schritt: „Ich finde einfach keine Fachkräfte mehr. Seit drei, vier Jahren bin ich auf der Suche, ergebnislos“, erzählt der Tischlermeister. Da sich daran wohl in naher Zukunft nichts ändern wird, fiel die Entscheidung.

Zuletzt waren nur mehr drei Personen im Betrieb, zwei Mitarbeiter und ein Hilfsarbeiter. Einer von ihnen verabschiedete sich bereits in den letzten Zügen vor der Schließung. „Mit so wenig Leuten lässt sich ein Betrieb dieser Größe nicht mehr aufrechterhalten“, betont Ledermüller. Nur mehr bestehende Aufträge werden noch abgeschlossen.

Das 75. Betriebsjahr wird damit zum Letzten. Hermann O. Ledermüllers Großvater, ebenfalls mit Namen Hermann, eröffnete die eigene Tischlerei 1947, damals noch in der Propsteigasse. 1990 übersiedelte das Unternehmen an den jetzigen Standort in Moidrams, den Vater Johann von Grund auf neu baute. Hermann O. Ledermüller übernahm den Betrieb wiederum 2006. „Zu Spitzenzeiten hatten wir 14 Gesellen“, erinnert er sich zurück. Damals hätte man noch die Wahl gehabt und konnte sich die Lehrbuben aussuchen. Heute fast schon ein utopischer Gedanke.

„Das wir jetzt nach so langer Zeit zusperren, ist natürlich schade“, meint er. Er selbst will darüber aber gar nicht traurig sein, denn nun bietet sich die optimale Gelegenheit für einen Berufswechsel und die Erfüllung eines Traums.

Würstelstand schon lange ein Traum

„Ich wollte eigentlich immer schon in die Gastronomie“, offenbart er. Der Plan: die Eröffnung eines Würstelstandes in der Innenstadt gegenüber dem Alten Rathaus. Schon im August soll es soweit sein. Mit einem Sortiment ausschließlich regionaler Produkte und besonderen Schmankerln, wie beispielsweise Wildwurst, sollen Alleinstellungsmerkmale geschaffen werden. Auch vegane und vegetarische Speisen sind geplant.

Die ersten Ideen für den Würstelstand hätte es schon vor rund zehn Jahren gegeben. Damals wollte Ledermüller diesen noch bei der Tischlerei eröffnen. Das hätte sich aber nicht mit dem Tischlereibetrieb vereinbaren lassen und wäre zu viel auf einmal gewesen.

Zur Schließung der Tischlerei Ende Juli wird es noch einen großen Flohmarkt geben. Der Start im neuen Metier soll danach möglichst rasch vonstattengehen. Das neue Geschäft wird er dann, wie aktuell die Tischlerei auch, gemeinsam mit Ehefrau Dagmar führen. „Mal schauen, wie der Würstelstand ankommen wird, ich bin aber zuversichtlich.“

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