Neue Pläne für historische Greißlerei in Kirchbach. Elfriede Prichenfried führte 72 Jahre lang die Greißlerei in Kirchbach. Daraus könnte bald ein „Lebendes Museum“ werden.

Von Karin Pollak. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:27)
72 Jahre lang führte Elfriede Prichenfried die Greißlerei in Kirchbach. Das war ihr Leben, fixe Öffnungszeiten gab es keine. Wer etwas gebraucht hat, klopfte.
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Seit ihrem 16. Lebensjahr war Elfriede Prichenfried Greißlerin in Kirchbach. Mit ihrem Tod am 2. Februar verliert der Ort eine Legende und eine Geschäftsfrau mit Herz. Elfriede Prichenfried wurde 88 Jahre alt. Die einzigartige Greißlerei führte sie die letzten Jahre gemeinsam mit ihrer Schwester Grete Freissl. Die Greißlerei mit einer 200 Jahre langen Geschichte könnte als lebendes Museum weiter bestehen bleiben.

Der Tod der Greißlerin Prichenfried macht viele betroffen. „Sie war eine beliebte Frau, ihr alt eingesessenes Kaufhaus eine Institution, so etwas gibt es nicht mehr“, meint etwa Bürgermeister Josef Wagner.

Wurzeln der Kastner Gruppe in Greißlerei

Christof Kastner von der Zwettler Kastner-Gruppe ist mit dieser Greißlerei eng verbunden. „Hier sind die Wurzeln unseres Unternehmens. Daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, dass die Greißlerei weiter bestehen bleibt“, betont Christof Kastner. Die Kastner-Gruppe habe deshalb auch dieses einzigartige Geschäft als Filiale geführt, nachdem Elfriede Prichenfried 2007 in Pension gegangen ist. Aus der damals in einem Flugblatt angekündigten Schließung wurde daher nichts, sie stand bis zu ihrem Schlaganfall 2019 im Geschäft, unterstützt von ihrer Schwester Grete.

Die Übernahme der geschichtsträchtigen Greißlerei als Kastner-Filiale sei gar nicht so einfach gewesen: „Bei diesem Geschäft gibt es nämlich eine Besonderheit. Hier gilt noch immer die Maria Theresianische Konzession, die aus der Monarchie stammt und erlaubt, alles Erdenkliche zu verkaufen. Das ist so alt, dass es bei der Bezirkshauptmannschaft gar keinen Akt mehr gibt“, berichtet Kastner, und: „Diese Greißlerei ist eher ein Museum als ein Geschäft, daher ist es mein Bestreben, ein lebendes Handelsmuseum aus diesem Unikat zu machen, ähnlich wie die bekannte Brettersäge.“

Gespräche über die Zukunft der Greißlerei

Dieser Plan sei auch schon mit Elfriede Prichenfried abgesprochen gewesen. Jetzt müsse einmal die Abwicklung der Verlassenschaft abgewartet werden. Das bestätigt auch die Schwester der Verstorbenen, Grete Freissl. „Seit es meiner Schwester gesundheitlich nicht mehr möglich war, ins Geschäft zu kommen, habe ich es alleine geführt. Aber das alles kann ich in Zukunft nicht mehr alleine leisten. Wichtig ist mir, dass die Zukunft der Greißlerei im Sinne meiner Schwester gestaltet wird.“ In einigen Wochen werde es dazu ein Gespräch mit Christof Kastner geben, der mit der Verstorbenen über „einige Ecken“ verwandt war. Das bestätigen sowohl Kastner als auch Freissl.

Elfriede Prichenfried wurde am 9. Februar beerdigt.