Instrumente ruhten: Ein leises Fest zum 160. Geburtstag. Großer Umzug zum Jubiläum des Musikvereins Groß Gerungs fiel wegen Corona ins Wasser. Nach Pause brennen Musiker schon auf Proben.

Von Markus Füxl. Erstellt am 12. September 2020 (05:52)
Noch ist der Probenraum leer: Die Kapellmeister Alexander Reisinger (links) und Georg Zwettler (rechts) sowie Obmann Paul Traxler feiern heuer 160 Jahre Blasmusik in Groß Gerungs – ohne großem Fest.
Füxl

Es hätte ein großes Musikfest am 13. September werden sollen: Der Musikverein feiert heuer 160 Jahre Blasmusik und 50 Jahre Musikverein. Doch statt Musik am Hauptplatz kam Corona und damit die Absage des Festes. Mit der NÖN blickt die Vereinsspitze zurück, aber auch nach vorn.

Anfänge als „Höbarth-Kapelle“

Die ersten Aufzeichnungen über musikalische Tätigkeiten in Groß Gerungs reichen ins Jahr 1860 zurück. Entstanden ist der Musikverein aus der Burschenvereinskapelle, die 1927/28 gegründet worden war. Eine Unterbrechung gab es im Zweiten Weltkrieg, als sämtliche Musikinstrumente und Noten beschlagnahmt wurden. Erst 1946 gelang es Ludwig Höbarth, die Blasmusik wieder zum Leben zu erwecken. Der Blumauer war fast 50 Jahre lang Obmann. Das brachte dem Verein auch den Namen „Höbarth-Kapelle“ ein, erzählt Obmann Paul Traxler.

70 Jahre später zählt der Verein aktuell rund 60 Mitglieder. Jährlich absolvieren die Musiker etwa 50 Ausrückungen, dazu kommen Frühschoppen und Einsätze im Herz-Kreislauf-Zentrum. Kapellmeister Georg Zwettler sagt: „Es wird uns nicht fad.“ Obwohl die coronabedingte Pause auch Möglichkeiten zum Durchschnaufen bietet, vermissen bereits viele Kollegen das gemeinsame Musizieren: „Am Land ist ein Musikverein die einzige Möglichkeit, in einer Gruppe zu spielen, sich zu präsentieren und weiterzuentwickeln“, sagt Zwettler.

Zwettler wird einfaches Mitglied

Er plant, die musikalische Leitung Anfang 2021 in die Hände von Kapellmeister Alexander Reisinger zu legen: „Nach 22 Jahren als Kapellmeister fehlen einem die Ideen, man brennt nicht mehr so wie früher“, erklärt Zwettler. Was das Schöne am Musikverein in Groß Gerungs sei? „Die Zwölfjährige ist gleichgestellt mit einem 70-Jährigen. Es ist eine Gemeinschaft“, antwortet Obmann Traxler.

Verdi mit Abendrobe war ein Höhepunkt

In den 160 Jahren sammelten sich viele Highlights an. „2013 spielten wir zum 200. Geburtstag von Verdi ein Konzert mit der Chorgemeinschaft Groß Gerungs und den Voices Arbesbach – mit Abendrobe! Das war besonders“, erzählt Georg Zwettler. Auch Höchstleistungen bei Wertungen, etwa beim Marsch in der höchsten Klasse E mit 98,5 Punkten seien außergewöhnlich gewesen. 2018 wurde schließlich das umgebaute Musikerheim eröffnet, das nach Platzproblemen aufgrund der steigenden Mitgliederzahl vergrößert wurde. Beim Nachwuchs könne man nicht klagen, sagt Traxler. So startete 2015 eine Bläserklasse in der Volksschule, aus der im vergangenen Jahr fünf Jungmusiker zum Verein stießen.

Lob hat das musikalische Trio auch für Bürgermeister und Ehrenobmann Maximilian Igelsböck sowie die heimischen Firmen übrig: „Die haben uns immer unterstützt. Ohne sie würde es nicht gehen“, sagen alle drei einstimmig. 2021 ist geplant, die Jubiläumsfeier nachzuholen.