Langschlag: Zeitreise zu Kehrbach-Fabrik

Mühle, Papierfabrik und Verbindung zu einer Königin: Geschichte zum Nachlesen.

Erstellt am 29. November 2021 | 05:20
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Besichtigten die Infotafel zur einstigen Fabrik Kehrbach: Alois Gallistl, Gemeinderätin Doris Wiesmayer und Viktor Stockinger, Besitzer des Geländes.
Foto: Adelheid Kamin

Franz Schübl und Alois Gallistl haben sich mit der Geschichte der ehemaligen Fabrik Kehrbach auseinandergesetzt. Den historischen Rückblick gibt es nun auf einer Infotafel zum Nachlesen. Sie wurde von der Gemeinde Langschlag auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik mit Einverständnis des Besitzers errichtet.

Vor inzwischen 30 Jahren wurde das Betriebsgelände versteigert und das Gebäude weitgehend abgebrochen. „Immer wieder fragten die Leute: ‚Was war da früher?‘, und da auch viele Junge nichts über Kehrbach wissen, beschloss die Gemeinde, eine Tafel mit den geschichtlichen Daten der Fabrik zu errichten“, erklärt Bürgermeister Andreas Maringer.

Eine Mühle wurde an dieser Stelle erstmals 1449 nachgewiesen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dort schließlich eine Tuch- und Leinwanderzeugung eingerichtet, die schon elf Jahre nach dem Start mangels Rentabilität eingestellt wurde. Gründe dafür waren die stark schwankenden Devisenkurse und unglückliche Rohstoffeinkäufe. Die Folge: Die vorhandenen 16 Webstühle wurden verkauft – und später diente das Gebäude kurze Zeit zur Opiumerzeugung.

1829 erfolgte die Einrichtung einer Papierfabrik durch Balthasar Wurz, sie bestand 60 Jahre und war Vorgängerin einer Holzdrechslerei: Von 1890 bis 1934 führte Familie Krätschmer das Unternehmen und beschäftigte um die Jahrhundertwende bis zu 120 Mitarbeiter. Der Betrieb lieferte nach London, Belgien, Holland – Königin Wilhelmine bezog zum Beispiel 25 Stück Elfenbeintaster – und andere Länder. Die Unternehmerfamilie scheint auch als Gründer der Bobbin Holzwarenfabrik (später Bobbin Möbelfabrik) in Gmünd auf.

Ab Anfang der 1940er-Jahre änderten sich die Produktionswaren wieder: Bis 1953 wurden von Nikolaus Seewann Elektrowaren wie Bügeleisen, Elektroherde, Durchlauferhitzer, Lötkolben und ähnliche Elektrogeräte erzeugt. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden zudem Kleinteile für die Rüstungsindustrie hergestellt. 1953 wurde der Betrieb stillgelegt. Die Wohnvilla gegenüber der Fabrik diente der Familie des Fabrikinhabers als Wohnhaus und wechselte mit den Jahren mehrmals den Besitzer.