David Bröderbauer: Recherche in der Tiefe

David Bröderbauer beschäftigte sich für neues Buch mit Walen und dem Tauchen.

Erstellt am 06. November 2020 | 05:07
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Kopie von 440_0008_7967301_zwe45zwettl_buch_cover.jpg
„Waltauchen“ von David Bröderbauer.
Foto: privat

Mit seinem neuen Roman „Waltauchen“ legte der gebürtige Zwettler ein spannendes Werk mit autobiografischen Anklängen vor. Im Gespräch mit der NÖN erzählt er vom Altern, Apnoetauchen und Wolfsgeheul im Waldviertel.

NÖN: Wieviel Autobiografisches liegt dem Roman zugrunde?

David Bröderbauer: Der Roman ist nicht autobiografisch, aber stellenweise autofiktional: Ich griff für manche Passagen auf eigene Erlebnisse zurück, veränderte diese aber ohne Rücksicht auf biografische Richtigkeit so, dass sie sich in die Romanhandlung einfügten. Zum Beispiel studierte ich wie der Erzähler im Roman Biologie, war dabei aber zum Glück erfolgreicher als dieser. Was die Walbegeisterung des Erzählers anbelangt, kann ich mich nicht erinnern, ob ich als Kind auch dermaßen von Walen fasziniert war. Mittlerweile teile ich die Liebe des Erzählers für Wale jedenfalls. Die Personen im Roman sind frei erfunden. Ich würde mir nicht anmaßen, Menschen aus meinem Umfeld als Figuren in meinen Romanen einzubauen. Konflikte zwischen Eltern und Kindern, wie sie im Roman dargestellt werden, sind meiner Meinung nach ein Thema in vielen Familien der Nachkriegsgenerationen bis heute. Ich kann mir vorstellen, dass sich manche Leserinnen und Leser in bestimmten Situationen wiederfinden.

440_0008_7967301_zwe45zwettl_buch_cover.jpg
„Waltauchen“ von David Bröderbauer.
privat

Wie erwarben Sie die fundierten Kenntnisse über Wale und deren Entwicklungsgeschichte, wie über das Apnoetauchen?

Bröderbauer: Der Fantasie freien Lauf zu lassen, ist beim Schreiben meiner Ansicht nach wichtiger als penible Recherche. Für die Walbeschreibungen las ich aber tatsächlich einiges an biologischer Literatur über die Evolution der Wale und über diverse Wal-Spezies. Um mich in einen Apnoetaucher hineinversetzen zu können, der ohne zusätzlichen Sauerstoff in die Tiefe taucht, begann ich selbst mit dem Tauchen und versuchte, unter Wasser möglichst lang den Atem anzuhalten, tauchte auf den Grund diverser Gewässer. Am Ende gefiel mir das Apnoetauchen so gut, dass es mehr als nur Recherche bedeutete. Die Bezeichnung „Freitauchen“ vermittelt ein Stück weit, was man bei einem Tauchgang mit angehaltenem Atem empfindet.

„Jede Phase hat ihre begrenzte Zeit.“ – In welcher Phase des Lebens sehen Sie sich derzeit?

Bröderbauer: Mit Ende Dreißig sehe ich die mittleren Jahre auf mich zukommen. Die Jugendlichkeit und das Haupthaar treten in den Hintergrund und machen Platz für einen weniger selbstbezogenen Blick auf das Leben.

Was ist Ihr großer Lebenstraum?

Bröderbauer: Schreiben. Und mit einem Wolf heulen, hoffentlich im Waldviertel.