Uni-Professor: „Die Kacke ist am Dampfen“. Über die Zukunft des Waldes diskutierten Experten in Zwettl – das mit teils innovativen Forderungen.

Von Markus Füxl. Erstellt am 16. November 2019 (11:12)
Moderiert von NÖN-Waldviertel-Chef Markus Lohninger (5. von links) stellten sich hochkarätige Experten den wichtigsten Zukunftsfragen der Waldwirtschaft. Im Bild die Podiumsteilnehmer mit Zwettler Bezirksbauernkammer-Obmann Dietmar Hipp (2. von links) und Bundesrätin Andrea Wagner (2. von rechts): Markus Hoyos von der Hoyos Guts- und Forstverwaltung Horn, Stora Enso Rundholz-Einkaufsleiter Norbert Hüttler, Managerin der Klimaanpassungsregion Waldviertler Kernland Doris Maurer, Obmann des Waldverbandes NÖ Franz Fischer und Institutsleiter für Waldbau Manfred Lexer.
Markus Füxl

Der Klimawandel fordert den Wald heraus: Die Trockenheit schwächt die Fichte und der Borkenkäfer hat ein leichtes Spiel. Waldbauern kommen kaum mit den Schlägerungen nach. Wie sieht die Zukunft des Waldes im Waldviertel aus? Ist der Kampf um die Wälder bereits verloren?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Diskussionsrunde der „Hat unser Wald noch Zukunft?“ der NÖN und der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Ein Grund für das Borkenkäfer-Problem ist laut Manfred Lexer, Leiter des Instituts für Waldbau an der Universität für Bodenkultur in Wien, der Klimawandel: „Die Kacke ist am Dampfen. Wenn es noch wärmer wird, finden die Käfer auch auf 700 bis 800 Metern Seehöhe günstige Möglichkeiten.“ Ein Ende der steigenden Temperaturen sei laut Markus Hoyos von der Hoyos Guts- und Forstverwaltung Horn nicht in Sicht: „Bis zum Ende des Jahrhunderts wird Zwettl zu Athen. Wir kommen auf Plus vier Grad.“

„Aufforstung alleine wird das Klimaproblem nicht stoppen“, meinte Lexer. Franz Fischer, Obmann des Waldverbandes Niederösterreich, der von 4.000 Hektar Waldfläche in Raabs bereits die Hälfte verloren hat, pflichtete ihm bei: „Die Gesellschaft muss sich an die eigene Nase fassen und positiv mitgestalten: Regional einkaufen und nicht alles gleich wegschmeißen.“

Windpark statt Fichtenwald?

Von Problemen mit Holzausfall berichteten auch etliche Besucher, so etwa auch Rainer Pfeiffer. Er musste heuer 40 Hektar Fichte schlagen: „Das geht nicht mehr Bäumeweise, sondern Hektarweise. Teilweise sind 15-jährige Bestände darunter, das ist ein Kindergarten!“

Dann muss das Totholz rasch aus dem Wald geschafft werden. Ein Problem sei oft, dass die Wälder in Besitz von Hoffernen ist, meinte Doris Maurer, Managerin der Klimaanpassungsregion Waldviertler Kernland . „30 Prozent der Waldfläche gehört dort Hoffernen, die über 30 Kilometer entfernt wohnen. Sie wissen oft nicht, wo die Grenzen ihres Waldes verlaufen.“

In den „toten Zonen“ im Wald sei laut Hoyos erst in drei Menschengenerationen wieder Ertrag mit der Forstwirtschaft zu gewinnen. Er forderte: „Es muss politisch eine Möglichkeit geschaffen werden, dass jeder auf seiner Fläche kurzfristig Energienutzung betreiben kann.“ Mit diesem Einkommen soll dann wieder ein Wald „in die Höhe gezogen werden.“ Kritik an der Idee kam von Lexer: „Wir sollten nicht gleich einen Windpark daraus machen, nur weil ich in einer Waldparzelle keine Fichten mehr habe.“

Die Sägeindustrie habe bereits 28 Millionen Euro in die Forschung gesteckt, um etwa Nadel- und Laubholz kombiniert für Platten zu verarbeiten, erklärte Norbert Hüttler, Rundholz-Einkaufsleiter von Stora Enso. Er betonte: „Wir kreieren den Holzpreis nicht alleine, sondern sind auch von Deutschland und Tschechien von riesigen Käferholz umgeben.“

Das Fazit der Runde lautete: Das Waldviertel wird auch in Zukunft Wälder haben. „Sie werden nur anders aussehen, vielleicht mit Baumarten, die wir jetzt noch nicht kennen“, meinte Hoyos.