Kurse im Bezirk Zwettl endlich online. In den Fahrschulen gibt es einiges nachzuholen nach drei Monaten im „Teillockdown“.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 11. Februar 2021 (04:04)
Zwei Lehrer in einer Klasse: Fahrschul-Chef Tobias Purkarth unterrichtet online gemeinsam mit Kollege Ewald Gintner..
Fahrschule Dolejschi

Aufatmen bei den Fahrschulen. Das Verkehrsministerium entschied sich, die Theoriekurse mit dieser Woche wieder zu erlauben – zumindest in digitaler Form. Damit dürfen jetzt auch die Fahrschulen nachziehen, nachdem Schulen und Unis schon seit dem ersten Lockdown auf Distanzunterricht setzen.

„Sieg der Vernunft“ 

Für den Geschäftsführer der „Easy Drivers“-Fahrschulen, Werner Fichtinger, ist die Entscheidung ein „Sieg der Vernunft“. „Es ist ein Befreiungsschlag für die vielen Fahrschüler, die auf ihre Kurse warten, sowie für die gesamte Fahrschulbranche, deren Mitarbeiter schon länger sorgenvoll in die Zukunft blicken“, betont er. Vor allem für die Fahrschüler zog sich die Wartezeit lange hin. Seit Mitte November waren die Theoriekurse untersagt.

Nachholbedarf nach Kursabsagen 

Genau in diese Zeit fielen auch noch die normalerweise stark frequentierten Weihnachts- und Semesterkurse. „Schon im letzten Sommer gab es großen Nachholbedarf. Jetzt gerade warten auch gar nicht wenige darauf, endlich starten zu können“, erzählt der Fahrschul-Chef. Im Hintergrund brachte der Lockdown noch weitere Probleme mit sich. „Viele haben vorher mit der Ausbildung begonnen und wurden dann mittendrin unterbrochen. Nach drei Monaten Wartezeit müssen die jetzt effektiv wieder von vorne anfangen“, meint Fichtinger.

Raus aus dem „Teillockdown“

Höchste Zeit also, dass die Fahrschulen zumindest mit dem Online-Unterricht wieder Fahrt aufnehmen können. Für alle Beteiligten war die Zeit im „Teillockdown“ keine leichte. Die Fahrschulen an sich waren ja bis dato nicht komplett zu. Praktische Fahrstunden waren und sind erlaubt. Ein Dilemma, da ohne den einhergehenden Theoriekurs nicht viel damit anzufangen ist. Das wirkte sich laut Fichtinger natürlich auf das generelle Interesse an Fahrstunden aus. Auch für L17-Anwärter ging viel Zeit mit Warten verloren, da ohne den Theoriekurs nicht privat gefahren werden darf.

Sogar komfortabler als früher?

Seit Montag hat das Warten ein Ende. Die Online-Kurse der „Easy Drivers“ sind seitdem in vollem Gange. „Der Vortrag wird live im Internet übertragen, die Schüler loggen sich von zu Hause passwortgeschützt ein. Dank einer speziellen Software können die Schüler mit den Vortragenden online interagieren und Fragen stellen“, so Fichtinger.

Nach langer Wartepause dürfen die Fahrschulen wieder mit dem Theorieunterricht starten – komplett digital.
Easy Drivers

An einen Qualitätsverlust glaubt er bei der neuen Unterrichtsform nicht. „Es ist höchstens anstrengender für den Lehrer. Für die Kursteilnehmer ist es meiner Meinung nach sogar angenehmer. Man kann entspannt daheim sitzen und spart sich die Anreise, die am Land oft nicht so leicht ist.“ Sonst würde sich am Unterricht nicht viel ändern, schließlich finden die Prüfungen dann auch am PC statt. Diese sind übrigens, mit dem Einverständnis der Bezirkshauptmannschaft, bereits seit Jänner wieder erlaubt. Praktische Fahrprüfungen sind mit Anfang Februar wieder möglich.

Die Diskussion anregen 

Dass der Distanz- den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann, davon ist Tobias Purkarth von der Fahrschule Dolejschi überzeugt: „Der Unterricht lebt einfach von der Diskussion, die über den PC nicht so möglich ist.“ Trotzdem begrüßt er es natürlich, überhaupt etwas machen zu dürfen. Der Grund, warum die Entscheidung so lange auf sich warten ließ, finde sich laut ihm im Gesetzbuch. „Bis jetzt war es gesetzlich vorgeschrieben, dass Fahrschulkurse in Person abgehalten werden müssen“, erklärt Purkarth. Einzige Ausnahme wären dringende berufliche Aus- und Weiterbildungen gewesen.

Doppelt hält besser

Für die Umsetzung der neuen Unterrichtsform bringt Purkarth jetzt auch einen etwas anderen Ansatz mit ein. In der Fahrschule Dolejschi werden für die Online-Kurse zwei Lehrer gleichzeitig im Einsatz sein. „Damit können wir hoffentlich etwas Leben hineinbringen und wir als Lehrer haben auch einen Diskussionspartner“, meint er. Ansonsten geht die Fahrschule mit dem gewohnten Unterrichtsstoff an den Start. Auch ein Vorteil des Distanzunterrichts: Im Vergleich zum von Corona eingeschränkten „echten“ Klassenzimmer, würden mehr Schüler in das „virtuelle“ passen.

Fahrschulen ziehen endlich nach

Auch für Heinz Hörth, den Geschäftsführer der Fahrschule „Startup“ wurde es höchste Zeit für den Schritt zum Online-Unterricht. „Es ist seltsam, dass ausgerechnet wir nichts in diese Richtung machen durften, während die Schulen schon von Beginn an auf dieses System setzen“, meint er. Auch wenn das generelle Interesse in Coronazeiten etwas gesunken sei, würden immer noch zahlreiche angehende Fahrschüler auf den Kurs warten. Die Planung der praktischen Fahrstunden würde nun auch leichter werden. „Man kann die Stunden ja nur schwer machen, wenn man nicht weiß, wann der begleitende Theoriekurs ist“, betont Hörth.

Entscheidung kam wie immer kurzfristig 

Wie bei den Kollegen startete auch „Startup“ pünktlich am Montag mit den neuen Kursen. Während Hörth die Entscheidung natürlich begrüßt, bleibt er aber kritisch gegenüber der Kommunikationspolitik von oben. „Diese Ankündigungen kommen immer sehr kurzfristig. Ich habe schon Verständnis für die Entscheidungsträger, aber wir brauchen auch eine gewisse Vorlaufzeit für die Planung und Organisation.“

Ins Blaue hinein planen

Auch Tobias Purkarth ist von der Handhabung nicht begeistert. „Am Mittwoch kam die Meldung, dass der Unterricht ab Donnerstag erlaubt ist, aber kein offizieller Erlass oder irgendwelche Richtlinien. Wir mussten quasi ins Blaue hinein alles einrichten“, erklärt er. In dieser Hinsicht waren die Fahrschulen doch recht rasch wieder auf den Beinen. Bereits am Montag fanden sich die vielen angehenden Fahrer vor ihrem PC ein.