Lebenstraum für kranken Freund erfüllt. Nach einer Tumor-Diagnose konnte Martin Wagner seinen alten Traktor nicht mehr selbst reparieren. Seine Freunde halfen aus.

Von Markus Füxl. Erstellt am 07. August 2019 (05:23)
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Gemeinsam erfüllten Freunde von Martin Wagner (vorne rechts) seinen größten Wunsch: Sie reparierten seinen Traktor. Im Bild: Ehefrau Brigitte (vorne links) sowie Andreas Völker, Christian Vorlaufer, Andreas Hörhan, Dieter Ableitinger, Leopold Neuninger, Karl Vorlaufer, Leopoldine Fürst und Manfred Leitner (hinten, von links).

Seinen alten Traktor wieder herzurichten – das war Martin Wagners großer Traum. Doch dann kam die Krankheit. Die Diagnose: Lungentumor. Jetzt erfüllten ihm seine Freunde seinen Wunsch.

„Ich wollte noch einmal auf dem Traktor meines Vaters sitzen“, erzählt Wagner im Gespräch mit der NÖN. Knapp 30 Jahre lang stand der Traktor unbenutzt in der Garage. Das Getriebe war kaputt, der Lack war abgeblättert. Zum Restaurieren kam der Ottenschläger aber nicht. Vergangenes Jahr wurde bei ihm ein Lungentumor festgestellt.

Große Überraschung geplant

Wagner versuchte noch selbst, den Traktor auf Vordermann zu bringen und brach sich dabei eine Rippe. Ein Krankenstand und seine gesundheitliche Situation bedeuteten das endgültige Aus für die geplante Restaurierung. „Martin hatte in der Arbeit immer davon gesprochen, den Traktor herzurichten“, sagt sein bester Freund und Arbeitskollege bei der Straßenmeisterei, Andreas Hörhan.

Martins Sohn Sascha bestellte aus Deutschland die Ersatzteile für das Getriebe - ein Tellerrad und einen Triebling. So entstand dann auch die weiterführende Idee: „Wir haben schließlich gesagt: Richten wir ihm gleich den ganzen Traktor her, von vorne bis hinten“, schildert Hörhan.

Gemeinsam mit Wagners Freunden holten sie den Traktor aus der Garage und begannen zu arbeiten. Kurz darauf kam ein Rückschlag: Die Teile aus Deutschland passten nicht zusammen. Ein Arbeitskollege von Hörhan kannte einen Maschinenbauer in Weiten, Bezirk Melk. Ihm erzählten die Freunde die Geschichte. „Er hat alles stehen und liegen gelassen und uns die Teile passend geschweißt. Und das gratis. Das war ein toller Bursch“, erzählt Hörhan.

Vier Wochen lang werkten Wagners Freunde am Traktor und bereiteten alles für die große Überraschung vor. Sie reparierten das Getriebe, schliffen und lackierten den Traktor. Währenddessen hatte Wagner wegen einer Chemotherapie immer wieder Arzttermine in Krems. Im Krankenhaus machte die geplante Überraschung für ihn schnell die Runde, erzählt seine Frau Brigitte: „Die Krankenschwestern haben mich immer wieder gefragt, ob er denn den Traktor schon wieder hat.“

„So etwas Bewegendes ist unbeschreiblich“

Vor Kurzem war es schließlich so weit. Wagners Freunde fuhren mit dem fertig restaurierten Traktor zu ihm nach Hause und überraschten ihn damit. Wenn sich Martin Wagner daran erinnert, kommen ihm noch heute die Tränen: „Als ich den Klang aus meiner Kindheit gehört habe, war es ganz aus. So etwas Bewegendes kann man nicht beschreiben. Das war ein Wahnsinn.“

Auch seine Ehefrau Brigitte freute sich mit ihm: „Der Tag hat ihm so viel Kraft gegeben. Es blieb kein Auge trocken.“ Gemeinsam drehten die Freunde mit dem Traktor eine Runde durch Ottenschlag. In einem VW-Bus hatten sie einen Hendl-Griller vorbereitet. „Die hatten für den Abend einen eigenen Cateringservice für mich“, sagt Wagner lachend.

Am 4. August machte er noch eine Ausfahrt nach Martinsberg zum Treffen „20 Jahre Oldtimerclub Martinsberg“. Dort gab es wieder eine Überraschung, diesmal aber zufällig: „Fast alle seine Freunde, die am Traktor mitgearbeitet haben, waren auch dort“, erzählt Brigitte Wagner.

In Martinsberg ließ Martin Wagner seinen Traktor weihen. Zurück in die Garage soll das Gefährt nicht verschwinden: „Ich möchte ihn noch ausnützen, so lange es geht“, sagt Wagner zur Erfüllung seines großen Traumes, die ihm bis heute Kraft gibt. Therapien gibt es für Wagner keine mehr, sagt Ehefrau Brigitte: „Wir versuchen, jeden Tag so gut zu verbringen, wie es geht.“