Projekt in der Mittelschule: Unterricht in Indien

Größte Schule der Welt und Straßenkinder: Zwei Lehrer über ihre Erfahrungen in einem Land voller Gegensätze beim Projekt der Mittelschule Ottenschlag.

Erstellt am 23. Oktober 2021 | 05:42

Was haben Indien und Ottenschlag gemeinsam? Auf den ersten Blick mag das überschaubar sein. Aber was Ottenschlag mit Indien verbindet, ist ein aktuelles Projekt der Mittelschule – und zwei Lehrer, die hier unterrichten und zuvor für einen Auslandsaufenthalt in Indien tätig waren. Innerhalb der Schule haben Philipp Rampetsreiter und Miriam Sommer bereits von ihren Erfahrungen erzählt, nun sprachen die beiden auch mit der NÖN darüber: Unterrichten in der größten Schule der Welt, Straßenkindern eine Zukunft schaffen und der Vergleich zur Schule in Österreich.

Obwohl sie sich schon länger für Indien interessiert habe, sei die Entscheidung doch spontan gekommen, erzählt Miriam Sommer: „Ich bin über die Uni auf das Angebot eines viermonatigen Auslandsaufenthalts aufmerksam geworden.“ Sie hat sich beworben, es folgten ein Online-Gespräch und schließlich die Zusage. Als sie sich 2017 nach Indien aufmachte, unterrichtete Miriam Sommer nicht irgendwo. Es ging direkt an die „City Montessori School“ in Lucknow, die mit rund 50.000 Schülern als weltweit größte Schule gilt. Dementsprechend groß sind auch die Klassen – mit jeweils 50 bis 60 Schülern. „Die Kinder sind dort sehr diszipliniert, kennen die Regeln und halten sich daran“, sagt Sommer im NÖN-Gespräch.

„Manche hatten sich schon so ans Straßenleben gewöhnt, dass man sie überreden musste, mitzukommen.“ Philipp Rampetsreiter

Manchmal wurde ihr Spontanität abverlangt: „Stunden wurden kurzfristig abgesagt. Es ist zum Beispiel wetterabhängig. Wenn der Nebel zu dicht war, durften die Kinder nicht zur Schule gehen, weil es aufgrund des Straßenverkehrs zu gefährlich war.“ Trotz Unterschieden wie diesen: Der vorausgesagte Kulturschock sei ausgeblieben. Ein Jahr später ist Miriam Sommer privat noch einmal nach Indien gereist. Der Kontakt zur Schule in Lucknow ist bis heute geblieben. Auch wenn sie ihr Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte inzwischen abgeschlossen hat und seit diesem Schuljahr in Ottenschlag unterrichtet.

Während Miriam Sommer an der renommierten City Montessori School vor allem Kinder wohlhabender Eltern unterrichtete, hat ihr nunmehriger Kollege Philipp Rampetsreiter eine ganz andere Seite Indiens kennengelernt – nicht nur, weil sein Aufenthaltsort Vijayawada knappe fünf Flugstunden entfernt lag. Er war 2012 im Rahmen eines Auslandszivildienstes für ein Jahr in Indien und hat den heurigen Projekt-Schwerpunkt angeregt.

Sein Einblick in die indische Gesellschaft war ein gänzlich anderer: In einem großen Straßenkinderprojekt hat er sich um Weisenkinder oder Kinder, die schlichtweg nicht mehr zuhause leben konnten, gekümmert. Seine Arbeitsorte: Kleinkindbetreuungseinrichtungen, Brückenschulen, Heime. Seine Aufgaben: unterrichten, betreuen, die Freizeit gestalten, Kinder von der Straße holen. „Manche hatten sich schon so ans Straßenleben gewöhnt, dass man sie überreden musste, mitzukommen“, erzählt er. Dass nicht jedem Kind geholfen werden kann, musste er erst lernen. „Die meisten finden aber wieder Anschluss, wenn sie älter sind“, sagt er: „Ich habe es immer bewundert, wie viel diese Kinder in so schwierigen Situationen gelernt haben.“

Einblick in unterschiedliche Welten der Schulbildung

Beeindruckt habe ihn auch, wie selbstständig die Straßenkinder waren. Dass einem die Unterschiede an Schule und Schülern nach einem Auslandsaufenthalt noch mehr auffallen, sagt auch Miriam Sommer. Was ihr besonders in Erinnerung bleibt, ist der hohe Stellenwert von Schule und Leistung in Indien.

Wer noch mehr über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Indien und Österreich wissen möchte: Am 26. November lädt die Mittelschule Ottenschlag zum Benefizabend zugunsten der Finanzierung einer Patenschaft.