PBZ-Chef: Step by step in die Pension

Erstellt am 16. Januar 2022 | 05:27
Lesezeit: 5 Min
440_0008_8263893_zwe02bezirk_glaser_andreas_wandern.jpg
Andreas Glaser plant eine Wanderung von zu Hause nach Assisi in Italien und freut sich schon auf dieses große Projekt.
Foto: privat
Direktor Andreas Glaser verabschiedet sich vom Pflege- und Betreuungszentrum Zwettl. Seine Pläne: Bildung und Natur.
Werbung

NÖN: Sie haben von Gründung an das „Haus Frohsinn“ geleitet. Was war Ihr Grund für diese Berufswahl?

Andreas Glaser: Ich habe 1980 meine berufliche Laufbahn auf der Bezirkshauptmannschaft Gmünd in der Sozialabteilung begonnen. Relativ bald engagierte ich mich auch in der Personalvertretung und durfte dort neben den Kollegen der BH auch die Kolleginnen der Pflegeheime in Schrems und Weitra vertreten. Dadurch kam ich das erste Mal in Kontakt mit den Pflegeheimen.

Da nahm ich dann die große Chance wahr, ein neues Pflegeheim in Zwettl zu leiten. 1995 kam ich zur Einschulung in das Pflegeheim Weitra und machte berufsbegleitend in Wien die Ausbildung zum Heimleiter. Mit 1. März 1996 wurde ich dann zum Direktor des Pflegeheims in Zwettl bestellt, das im Juli 1996 eröffnet wurde.

NÖN: Was hat Ihnen so gefallen, dass Sie dort arbeiten wollten?

Glaser: Nach 14 Jahren Tätigkeit in der BH habe ich gemerkt, dass ich mich verändern wollte. Ich wollte gestalten. Auch im Basketballverein, in der Personalvertretung und in der Politik, ich war in der Jungen ÖVP und im Gemeinderat, habe ich viel bewegen können, und das wollte ich auch beruflich. Bei meiner neuen Tätigkeit im PBZ wusste ich, dass mich spannende Aufgaben erwarten würden.

NÖN: Welche waren die größten Herausforderungen?

Glaser: Die erste große Herausforderung bestand darin, geeignetes und ausreichend Personal zu finden. Vor allem im Bereich des diplomierten Pflegepersonals wusste ich aus anderen Heimen, dass es schwierig ist, Mitarbeiter zu rekrutieren. Ich widmete mich diesem Thema in meiner Diplomarbeit zum Heimleiter und konnte sehr bald sowohl diplomiertes Pflegepersonal als auch ausreichend Personal in allen Bereichen finden.

Als nächste Herausforderung stellte sich die zunehmende Demenz bei den aufzunehmenden Bewohnern heraus. Demenz war zu dieser Zeit noch kein so großes Thema wie heute, und wir versuchten, uns darauf einzustellen. Ich absolvierte eine einwöchige Studienreise nach Holland, das uns im Demenzbereich damals um einige Jahre voraus war, und nahm von dort viele Ideen mit. Ein Beispiel: Wir errichteten danach einen Snoezelen-Raum in unserem Haus Frohsinn, der zur Entspannung dient und die Sinne der Menschen anregt.

Nach einiger Zeit wurde mir bewusst, dass meine Mitarbeiter sehr engagiert arbeiten und das Beste für die ihnen anvertrauten Menschen geben, dabei aber selbst zu wenig auf die eigene Gesundheit achten.

Ich implementierte daher bereits 2002 eine betriebliche Gesundheitsförderung bei uns im Haus, die es bis heute mit großem Erfolg gibt und für die wir bereits das 5. Mal das Gütesiegel des Netzwerkes BGF Österreich erhalten haben.

NÖN: Gab es ein berufliches Ereignis, von dem Sie sagen: „Das werde ich nie vergessen“?

Glaser: Es gab sehr viele schöne Erlebnisse mit Bewohnern und Mitarbeitern, von denen ich jedoch keines besonders hervorheben möchte. Besonders schön fand ich es immer wieder, wenn die Bewohner unser Haus als ihr neues Daheim bezeichneten, zum Beispiel, wenn sie bei einem Krankenhausaufenthalt äußerten „Jetzt möchte ich aber bald wieder heim“, und dabei unser Haus meinten.

NÖN: Sie hatten am 7. Jänner Ihren letzten offiziellen Arbeitstag. Was hätten Sie noch gerne mitverbessert?

Glaser: Ein großer Wunsch von mir wäre, dass sich nun ein geeigneter Nachfolger als Direktor findet, der mit dem bestehenden Team die begonnene, für mich erfolgreiche Arbeit fortsetzt. Ich denke auch, dass das Ansehen der alten Menschen in unserer Gesellschaft gehoben werden muss. Dann würde unsere Arbeit in der Öffentlichkeit mehr wertgeschätzt werden.

Ich sehe in der nächsten Zeit die großen Herausforderungen in der stationären Altenpflege in der Ausbildung von ausreichendem, gut qualifizierten Personal und in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, etwa im Nachtdienst. Ich hoffe, dass in der bundesweiten Pflegereform und durch die Installierung der NÖ Landesgesundheitsagentur die notwendigen Schritte gesetzt werden.

Ein mittelfristiger Wunsch wäre noch die Umsetzung des bereits seit Jahren geplanten Zubaus im Garten auf der Seite zum Landesklinikum. Dieser könnte durch Spezialisierung auf Demenz und Übergangs- und Kurzzeitpflege eine weitere Steigerung der pflegerischen Qualität bringen. Gleichzeitig könnte der Altbau modernisiert werden, dadurch wären etwa mehr Einzelzimmer vorhanden, und durch die direkte Anbindung mittels Verbindungsganges an das Landesklinikum könnten viele Synergien zum Wohle der Bewohner entstehen.

Ein großes Anliegen ist mir jedoch, mich bei allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre großartige Arbeit zu bedanken. Sie sind durch ihre fachlichen, persönlichen und empathischen Fähigkeiten der Garant für eine qualitativ hochstehende Dienstleistung für die uns anvertrauten Menschen.

NÖN: Ein paar Monate sind es aber noch, bis Sie letztendlich die Pension antreten werden. Verraten Sie uns Ihre Pläne ?

Glaser: Durch die zusätzliche Arbeit in den letzten zwei Corona-Jahren hat sich leider einiger Urlaub aufgestaut, den ich bis Ende April verbrauchen werde. Danach gehe ich in ein Sabbatical-Jahr, bevor ich am 1. Mai 2023 in den Ruhestand gehe. Ich möchte die nächsten Monate daher wirklich als Urlaub für mich nutzen und auch mehr Zeit für meine Familie haben. Enkerl Simon wird bald drei Jahre alt und ein zweites Enkelkind ist unterwegs.

Ab März habe ich mich in Oberösterreich zu einem Zertifikatslehrgang zum Thema Waldbaden angemeldet und möchte in dieser Richtung auch später weiterarbeiten. Zusätzlich plane ich eine Wanderung von zu Hause nach Assisi in Italien und befinde mich bereits in der Vorbereitungsphase für dieses große Projekt.

Werbung