Wirbel um Pferdehof im Bezirk Zwettl. Besitzerin schießt gegen Mutter und Amtstierärztin: „War Racheaktion“.

Von Markus Füxl. Erstellt am 01. April 2020 (06:03)
Von diesem Hof wurden fünf Pferde wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz abgeholt. „Zu Unrecht“, sagt die Besitzerin.
privat

Ein Pferdehof beschäftigt die Bezirkshauptmannschaft Zwettl. Die Angelegenheit dürfte auch bald ein Fall für das Gericht werden.

Zur Sache: Im Jänner wurden von einem Hof von Tanja Wohlgemuth fünf Pferde wegen Verdacht auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und einer drohenden Versorgungslücke von Behörden abgeholt und zu Privaten gebracht. 60 Tage hatte Wohlgemuth Zeit, den Hof entsprechend auf Vordermann zu bringen.

Verfall der Tiere erklärt

Jetzt, nach Ablauf der Frist, wurden die Pferde aber nicht herausgegeben. Tanja Wohlgemuth sagt zur NÖN: „Es wurde ohne weitere Angabe von Gründen der Verfall der Tiere erklärt. In den Auflagen der Amtstierärztin steht eine ordnungsgemäße Fütterung vorgeschrieben. Wie soll ich das nachweisen, wenn ich die Pferde gerade nicht bei mir habe?“

„Amtstierärztin ist voreingenommen."

So sei laut Wohlgemuth die Amtstierärtzin Iris Geppl „voreingenommen“. Geppl sagt auf Nachfrage der NÖN dazu: „Ich kann mir nichts vorwerfen. Die Tiere waren nicht entsprechend versorgt, es gab Handlungsbedarf. Ich habe nach dem Tierschutzgesetz gehandelt.“

Familienstreit war Auslöser

Außerdem dürfte hinter der Sache ein Familienstreit stehen. So sagt Wohlgemuth: „Die ganze Angelegenheit ist eine Racheaktion meiner Mutter. Sie hat die Sache mit den Behörden provoziert.“ Zuvor hatte sich Wohlgemuths Mutter um die Tiere gekümmert, sagt die 36-Jährige: „Ich war eine Zeit lang in Wien, weil ich einen psychischen Zusammenbruch hatte. Ich musste mich um mein Leben kümmern. Meine Mutter hat in dieser Zeit die Pferde betreut.“ Zum Jahreswechsel 2020 sei vereinbart gewesen, dass die Tochter wieder zurück auf den Hof kommt. „Meine Mutter war beleidigt, dann ist der Streit eskaliert“, sagt die Pferdebesitzerin.

Die Pferde waren laut Ärztin schlecht versorgt.
NOEN

Mutter verteidigt sich

Auf Nachfrage der NÖN sagt die Mutter dazu: „Sie möchte jetzt die ganze Sache auf mich abwälzen.“ So habe die Mutter 2019 immer wieder auf dem Hof ausgeholfen. „Wasser wird mit Strom zum Hof hinauf gepumpt. Seitdem sie den Strom nicht mehr bezahlt, haben die Pferde keine entsprechende Versorgung. Ich habe die Tiere nicht beschlagnahmen lassen, sondern die Ärztin ersucht, die Tiere mitzunehmen, damit sie nicht verdursten!“

So habe die Tochter auch seit Dezember eine Stallhilfe nicht mehr bezahlt. „Ich bin von Wien oft auf den Hof gefahren und habe mich, so gut es geht, gekümmert. Ich muss aber auch an meine Gesundheit denken“, sagt die Mutter. Auf Anrufe hätte ihre Tochter nicht reagiert.

Bezirkshauptmann verteidigt Amtstierärztin

Bezirkshauptmann Michael Widermann darf aus Verschwiegenheitsgründen nichts zum Fall sagen. Die Tierärztin habe aber „100-prozentig nach dem Tierschutzgesetz gehandelt.“

Die Causa dürfte auch bald das Gericht beschäftigen. So kündigte Tanja Wohlgemuth rechtliche Schritte auf Eigentumsherausgabe an: „Ich warte nur mehr auf die Verhandlung.“