Wer wird uns einmal pflegen? Rundblick im Bezirk Zwettl. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk Zwettl.

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. Juli 2019 (05:51)
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Symbolbild

Im Bezirk Zwettl gab es im Vorjahr 2.947 Personen, die älter als 80 Jahre alt waren. Dieser Personenkreis wird sich bis 2035 auf 3.566 Personen erhöhen, obwohl sich die Gesamtbevölkerung von 42.294 (2018) auf 39.790 (2035) verringern wird. Das sich daraus ein erhöhter Pflegebedarf ergeben wird, ist klar.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Schon jetzt ist die Auslastung in den beiden Pflege- und Betreuungszentren im Bezirk Zwettl sehr gut. „Die Nachfrage war aber schon vor der Abschaffung des Pflege-Regresses im Jänner des Vorjahres groß“, betont Andreas Glaser, Direktor des Pflege- und Betreuungszentrums Zwettl.

Seither darf nicht mehr zur Deckung der Kosten im Heim auf das Privatvermögen der Heimbewohner zugegriffen werden. Der „große Run“ auf die Heime blieb aus – in diesen Zentren dürfen nur Personen mit Pflegestufe 4 oder jene, die durch eine Demenzerkrankung einen hohen Pflegeaufwand haben, leben.

„Die Politik muss Lösungen bieten, und da ist Kreativität gefordert, damit man weiterhin in Würde alt werden kann.“Franz Oels, Seniorenheim St. Martin, Zwettl

Dass bis 2025 in den zwei Heimen 48 Pflegebetten fehlen würden, ist seit der Veröffentlichung des Altersalmanach Niederösterreich Tatsache.

„Es müssen Maßnahmen gesetzt werden, um die Pflege weiterhin gewährleisten zu können. Wir können das jetzige System nur mit Mitarbeitern aus dem Ausland aufrecht halten“, zeigt Glaser auf. Ein Zubau zum Pflege- und Betreuungszentrum Zwettl werde seit 15 Jahren gewünscht, ob und wann dieser Wunsch realisiert werden wird, ist nicht bekannt.

Wenn „Pflege“ in Familien Thema wird, gibt es seitens des Hilfswerkes, der Volkshilfe oder der Caritas mobile Betreuung. Im Vorjahr nahmen das 867 Personen im Bezirk Zwettl in Anspruch, 2035 werden das um 207 Personen mehr sein (+23,9 Prozent). „Die Förderung des betreuten oder betreubaren Wohnens ist notwendig“, betont Geschäftsführer der Volkshilfe-NÖ Gregor Tomschizek.

Das Hilfswerk ist mit knapp 9.000 Kunden pro Monat und über 2.000 Mitarbeitern größter Anbieter mobiler Pflege in Niederösterreich. Auch hier ist man sich bewusst, dass der Bedarf an Pflege steigen wird. „2050 werden wir 3,5 Mal so viel Pflegepersonal brauchen. Der Personalmangel wird sich in Zukunft noch weiter zuspitzen“, erklärt die Präsidentin Hilfswerk Niederösterreich, Michaela Hinterholzer. Das Hilfswerk sucht in allen Bezirken Verstärkung.

„Pflege 24 GmbH“: „Sind ausgelastet aber ausbaufähig“

25 Mitarbeiter sucht man auch in den neun Sozialstationen der Caritas, die in allen Waldviertler Bezirken, außer Horn, mit 236 Mitarbeitern im Einsatz ist. „Das allgemeine Problem ist, dass jetzt geburtenschwache Jahrgänge in Ausbildung sind und geburtenstarke Jahrgänge in Pension gehen“, zeigt Erwin Silberbauer, Regionalleiter der Caritas-Sozialstationen, auf: „Es gibt viele Arbeitssuchende oder Personen, die sich beruflich verändern wollen. Vielleicht wäre ja eine Umschulung eine ideale Lösung.“

Direktor Franz Oels vom Seniorenheim St. Martin in Zwettl hat derzeit alle Stellen besetzt: „Wir haben das Glück, dass wir hier Pflegeschulen haben. Viele Schüler kommen als Praktikanten in unser Haus, somit haben wir einen Pool an Interessierten.“ Jedoch: „Viele Ausbildungsplätze bleiben leer. Die Politik muss Lösungen bieten, und da ist Kreativität gefordert, damit man weiterhin in Würde alt werden kann.“

Das Personalproblem ist derzeit bei der „Pflege 24 GmbH“ kein Thema. Diese im Waldviertel führende Agentur vermittelt 24-Stunden-Betreuung. „Wir sind mit unseren Mitarbeitern aus Rumänien gut aufgestellt. Wir sind ausgelastet aber ausbaufähig“, erklärt Heinz Bieringer.

Die 24-Stunden-Betreuung, die 2018 238 Personen in Anspruch genommen haben und die 2035 286 Personen brauchen werden, ist oftmals eine Alternative zum Heim: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, so Bieringer. „Auf welche Länder wir in zehn Jahren zurückgreifen, ist nicht absehbar. Wenn sich die Gesetze nicht ändern, geht es weiter.“

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