Zeitzeugen erinnern. "Langsam ist es besser geworden" arbeitet die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei auf.

Von Maria Moll. Erstellt am 14. Mai 2015 (06:05)
NOEN, Maria Moll
Viel Prominenz in Neupölla bei der Eröffnung der Ausstellung über das Schicksal vertriebener Sudetendeutscher (v. l.): Vizebürgermeister Johann Müllner, Willibald Rosner, Direktor des NÖ Landesarchivs, Elisabeth Loinig, Leiterin des Instituts für Landeskunde, Justizminister Wolfgang Brandstetter, Museumsleiter Friedrich Polleroß, die Zeitzeugin Johanna Pascher, Ausstellungskurator Niklas Perzi, Bürgermeister Günther Kröpfl gemeinsam mit Ausstellungsgestalter Sascha Windholz.

Großes Publikumsinteresse erregte am 9. Mai eine Veranstaltung im Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla.

Im Kulturhof begrüßte Bürgermeister Günther Kröpfl zur Eröffnung der Ausstellung „Langsam ist es besser geworden - Vertriebene erzählen vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben“. Das Erinnern zahlreicher Zeitzeugen, die 1945 als „Deutsche“ aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden, wird - fast 70 Jahre danach - in Bildern, Dokumenten und mit Hörstationen veranschaulicht.

Museumsleiter Friedrich Polleroß, der sich in seinen zahlreichen geschichtlichen Nachforschungen, Publikationen und Aktivitäten immer wieder mit heiklen Themen wie der Judenverfolgung oder der Errichtung des TÜPl Allentsteig auseinandersetzte, warf die Frage auf „Warum passt die Ausstellung gut zu uns?“. Er erinnerte an die große Schau im Jahre 1988: „1938. Davor - Danach“. Damals entstand die Idee, ein Aussiedlermuseum einzurichten. Aber: „Die Allentsteiger kamen uns zuvor.“ Erst 1997 entstand das Museum für Alltagsgeschichte, das in seinen Sonderausstellungen Schwerpunkte setzt zu Aspekten wie Krieg, Verfolgung und Einwanderung.

„Wir sollten uns die Geschichte genau anschauen, denn wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß selten, wo er hingeht.“
Willibald Rosner

Die Begleitumstände für die aktuelle Ausstellung präsentierte Willibald Rosner, der Direktor des NÖ Landesarchivs. Vor fünf Jahren entstand das Zentrum für Migrationsforschung. Aus einem Projekt, „etwas für die Sudetendeutschen zu tun“, erwuchs die kleine, sehr kompakte Ausstellung, die in Neupölla zu sehen ist und vorher bereits an sieben Orten in Österreich und drei in Tschechien gezeigt wurde. Rosner empfahl: „Wir sollten uns die Geschichte genau anschauen, denn wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß selten, wo er hingeht.“

Justizminister Wolfgang Brandstetter wandte sich in launiger Art, aber mit viel Wertschätzung an seinen ehemaligen Schulfreund „Fritz“, zu dessen umfangreicher Publikation anlässlich der Ausstellung 1988 auch er einen Beitrag geleistet hatte. „Friedrich Polleroß ist ein ganz starker kultureller Muskel im Waldviertel, der die besten Tugenden der Waldviertler verkörpert.“

Johanna Pascher, die anwesende Zeitzeugin, lobte der Justizminister für ihre außergewöhnliche Bescheidenheit. Er hob Österreichs Einsatz für den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen, besonders in den Staaten auf dem Balkan, hervor. Der Minister verwies schließlich auf das Grab eines Heimatvertriebenen, dessen letzter Wunsch es war, am Friedhof in Döllersheim bestattet zu werden. Sein Wille konnte erfüllt werden. „Das Grabmal ist wie ein Mahnmal gegen Faschismus und Vertreibung“, sagte der Justizminister und überreichte Polleroß eine Kopie jenes Beitrags, denn er damals darüber für das Fernsehen gestaltete.

Die Ausstellung ist jeden Samstag und Feiertag von 14 bis 17 Uhr und auf Anfrage zu besichtigen.