Endstation für Serieneinbrecher in Großhaselbach. Kriminalbeamte sahen und verfolgten verdächtigen Mann, der sich als albanischer Serieneinbrecher entpuppte.

Von René Denk. Erstellt am 14. November 2018 (05:01)
René Denk
Die Kriminalbeamten des Ermittlungsbereiches Diebstahl und Einbruch Michael Hartner, Helmut Anderst und Karl Geist (von links) bei der Stelle gegenüber des Friedhofes in Großhaselbach, wo sie den albanischen Serieneinbrecher letztlich ergreifen konnten. Die „Fleißaufgabe“ erledigte das Trio um 5.50 Uhr früh beim Weg in die Arbeit nach St. Pölten.

Drei Kriminalbeamten des Ermittlungsbereiches Diebstahl und Einbruch ging ein „dicker Fisch“ ins Netz. Und das nur deshalb, weil sie auf dem Weg zur Arbeit nach St. Pölten eine besonders hohe Aufmerksamkeit an den Tag legten.

Die beiden Schwarzenauer Michael Hartner und Helmut Anderst waren mit ihrem Kollegen aus Hoheneich, Karl Geist, gerade erst weggefahren, als sie in Großhaselbach gegen 5.50 Uhr in der Früh einen Mann mit Rucksack ein Fahrrad beim Gasthaus Döller vorbeischieben sahen. „Der gehört nicht zu dieser Ortschaft“, waren sich Hartner und seine Kollegen sofort einig, obwohl noch Dunkelheit herrschte. Sie wendeten das Fahrzeug beim Feuerwehrhaus und fuhren zurück, um sich den Mann nochmals genauer ansehen zu können.

„Er hatte großes Pech, dass wir gerade unterwegs waren, auch wenn es außerhalb der Dienstzeit war“Die Kriminalbeamten Michael Hartner und Karl Geist erzählen schmunzelnd von der erfolgreichen Ergreifung des Serieneinbrechers.

„Das ist der Albaner, den wir per europäischen Haftbefehl suchen. Ich hab ihn selbst zur Fahndung Anfang des Jahres ausgeschrieben“, war sich dann Karl Geist sicher. Er war in Deutschland Ende 2016 nach viereinhalbjähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden — ihm waren damals mit drei weiteren Einbrechern über 200 Delikte zur Last gelegt worden.

Nach der Entlassung „tobte“ er sich von Anfang Juli bis Ende August 2017 in Niederösterreich aus. 13 Einbruchsserien können ihm bereits wasserdicht nachgewiesen werden, wahrscheinlich ist er zumindest für 16 oder 18 Serien verantwortlich. Diese Einbrüche wurden in den Bezirken Waidhofen, Horn, Zwettl, Krems, Tulln, St. Pölten-Land und Neunkirchen verübt. Neben dem unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen stahl er vor allem Bargeld und Elektrogeräte in Höhe von 50.000 Euro. Der Sachschaden, den er dabei verursachte, beläuft sich auf 120.000 Euro.

LPD NÖ
Dieses Fahrrad wurde vom 43-jährigen Serieneinbrecher in Großhaselbach geschoben, als ihn die Kriminalbeamten das erste Mal sahen.

Im Frühjahr dürfte er dann für mehrere Eigentumsdelikte in verschiedenen Kantonen der Schweiz verantwortlich gewesen sein. Dann fuhr der Albaner kurz wieder heim, um seinen Nachnamen zu ändern, was die Fahndung sehr erschwert hätte. Sein neuer Reisepass wurde erst am 27. Oktober ausgestellt. Mit ihm wollte der Albaner wieder das Waldviertel heimsuchen. Er reiste dazu, wie ein Jahr zuvor, mit der Franz Josephs-Bahn an.

Zurück nach Großhaselbach: Die Kriminalbeamten stoppten den Albaner auf Höhe Friedhof, woraufhin der Einbrecher sofort das Rad fallen ließ und die Flucht in die finstere Nacht über die Wiese antrat. Obwohl sich Hartner in der Dunkelheit nicht sicher sein konnte, ob der Mann eine Waffe dabei hatte und diese womöglich sogar zog, verfolgte er ihn. Nach knapp 50 Metern holte ihn der Kriminalbeamte ein und stoppte ihn. Der Mann ließ sich ohne Gegenwehr abführen.

Der Albaner wurde zuerst auf die Polizeiinspektion Schwarzenau gebracht und durchsucht. Der Großteil seiner mitgeführten Sachen deutet darauf hin, dass er für den Einbruch in die Kantine des Sportplatzes Windigsteig und in das Stockschützenvereinshaus in Windigsteig, den Einbruch in ein altes Bauernhaus in Kleinreichenbach und den Einbruch in das Tennisvereinshaus in Schwarzenau verantwortlich ist. Dann nahmen ihn die Kriminalbeamten gleich „in die Arbeit“ nach St. Pölten mit.

53 Einbruchsdiebstähle und 18 Einbruchsversuche

„Es war ein Megazufall. Wenn wir da fünf Minuten früher vorbeifahren, sehen wir ihn nicht einmal. Er hatte großes Pech, dass wir gerade unterwegs waren, auch wenn es außerhalb der Dienstzeit war“, lachen Geist und Hartner im NÖN-Gespräch.

Ist es bei den Dreien normal, dass sie um 5.50 Uhr schon so hellwach und aufmerksam sind? „Mit der gesammelten Erfahrung bekommt man auch das nötige Gespür dafür. Das kann man dann gar nicht mehr abschalten.“

Dem 43-Jährigen werden bisher 53 Einbruchsdiebstähle und 18 Einbruchsversuche zur Last gelegt. Er ist nicht geständig und wurde in die Justizanstalt St. Pölten eingeliefert.