Martinsberg: Saaldiener tritt ab

Fritz Hofbauer war 38 Jahre lang für die Ordnung bei den Landtagssitzungen zuständig. Der NÖN schildert er seinen Beruf.

Erstellt am 10. Januar 2022 | 05:03
Lesezeit: 2 Min
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Landtagspräsident Karl Wilfing (links) verabschiedete Fritz Hofbauer, der in Begleitung seiner Frau Helga kam. Im Hintergrund sind mit Edmund Freibauer und Hans Penz zwei weitere Präsidenten zu sehen, unter denen Hofbauer für den Landtag tätig war.
Foto: NÖ Landtag/Stadlmaier

Den ganz seltenen Beruf des „Saaldieners“ führte Fritz Hofbauer beim NÖ Landtag aus, jetzt wurde er nach 38 Jahren und 484 Landtagssitzungen in den Ruhestand verabschiedet.

Seit 1983 gehörte das „Landtags-Urgestein“ zu jenen guten Geistern, die im Hintergrund zum ordentlichen Ablauf der Landtagssitzung beitragen. „Unter anderem überprüfte ich, wer in den Sitzungssaal durfte und wer nicht, und holte auch Unterlagen, die benötigt worden sind“, sagt Hofbauer, der im Dezember 1982 in den Landesdienst gekommen war.

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„Ich war immer für die SPÖ-Landeshauptmann- oder -frau-Stellvertreter zuständig. Begonnen habe ich beim damaligen Stellvertreter Leopold Grünzweig“, blickt der Martinsberger zurück. „Durch die verschiedenen Parteien, die im Landtag vertreten sind, war es nicht immer angenehm, aber ich habe immer gerne gearbeitet.“

Hofbauer hatte auch immer engen Kontakt zu den Mandataren, auch zum Langzeit-Landeshauptmann Erwin Pröll. „Dem bin ich oft über den Weg gelaufen, und dabei haben wir auch hin und wieder geplaudert. Aber der Landeshauptmann war immer im Stress“, erzählt der langjährige Saaldiener, der in den 38 Jahren mit fünf Landtagspräsidenten zusammengearbeitet und 1997 die Übersiedelung der Landesregierung von Wien nach St. Pölten hautnah miterlebt hat. „Ich bin wirklich froh und dankbar, dass sich keine tragischen Vorfälle bei den Sitzungen ereignet haben und niemandem etwas passiert ist.“

Jetzt will er sich dem Haus und dem Reisen widmen

Gemeinsam mit seiner Gattin Helga, die im SPÖ-Club arbeitet und in einigen Monaten in den Ruhestand treten wird, pendelte Fritz Hofbauer täglich von Martinsberg zuerst nach Wien und dann nach St. Pölten. Diese Strapaze ist jetzt für ihn vorbei. Der gelernte Maurer, der vor seinem Eintritt in den NÖ Landesdienst bei den Donaukraftwerken in Melk und in Greifenstein als Betonierer tätig war, wird sich jetzt vermehrt seinem Haus in Martinsberg widmen: „Da gibt es immer etwas zu tun.“

Einen langjährigen Traum will er sich mit einer Reise in den Norden zu den Polarlichtern erfüllen. Außerdem fungiert er seit Jänner 2021 als SPÖ-Gemeinderat im Heimatort. „Für Vereine oder die Feuerwehr hatte ich ja nie Zeit.“

In den Ruhestand wurde der 62-Jährige von Landtagspräsident Karl Wilfing, den Hofbauer übrigens als ganz netten und sehr zugängigen Menschen beschreibt, verabschiedet. „Ohne die Kollegen wie Fritz Hofbauer würde unser Landtag nicht so gut funktionieren. Wer 38 Jahre lang unser Landesparlament und zig Landtagsabgeordnete betreute, hat sich seinen Ruhestand wahrlich verdient.“