Pleßberger macht auch mit 91 neue Musik. Der Komponist Horst Ebenhoe feiert Geburtstag – und kennt keine Ruhepause.

Von Reinhard Hofbauer. Erstellt am 16. Mai 2021 (04:30)

Der Komponist Horst Ebenhoe aus Pleßberg (Gemeinde Kirchschlag) feiert am 16. Mai seinen 91. Geburtstag. Aus diesem Anlass bringt die NÖN ein ausführliches Portrait über sein Leben und sein umfangreiches Schaffen.

Ebenhoes Eltern kamen nach dem Ersten Weltkrieg aus dem böhmischen Egerland nach Wien, wo Horst 1930 geboren wurde. Seine Eltern erkannten sehr früh die musikalische Begabung ihres Sohnes, als er anfing, zur Musik aus dem Radio im Rhythmus zu dirigieren. Sie schafften ein Klavier an, und Horst begann mit sechs Jahren mit dem Klavierspiel, das er am Konservatorium der Stadt Wien perfektionierte.

Bereits im Alter von zwölf Jahren versuchte er sich erstmals mit dem Komponieren. Noch vor der Matura studierte Horst Ebenhoe an der Musikakademie Klavier. Danach folgte das Studium der Musikpädagogik und Geografie für Lehramt.

Mangels eines freien Postens in Wien begann seine Berufsausübung am Piaristengymnasium in Krems. Nach neun Jahren in Krems folgten vier Jahre in Baden. Er heiratete seine Frau Edda und erhielt letztendlich doch noch eine Lehrstelle in Wien. Horst Ebenhoe schrieb etwa 400 meist mehrstimmige Werke: hauptsächlich Kammermusik, aber auch viel Orchestermusik – darunter drei Sinfonien – und Vokalmusik. Er vertonte gerne Lyrik, z. B. von der Schriftstellerin Christine Lavant. Seine Kompositionen, deren zentrale Merkmale Klang und Rhythmus sind, wurden hauptsächlich vom Verlag Doblinger und daneben vom deutschen VHE-Verlag veröffentlicht.

Kompositionen

gingen um die Welt

Ab der Matura 1948 wurden Ebenhoes Kompositionen weltweit aufgeführt. Den ersten Preis erhielt er 1952 von der Wiener Musikakademie für seine Violinsonate Opus 1, ohne dafür eingereicht zu haben. Er wurde nach Russland, Amerika, Norwegen und Italien eingeladen. Für die Aufführung seiner ersten Sinfonie in Triest wurde er mit dem Preis der Stadt belohnt.

Ein Höhepunkt in Horst Ebenhoes Karriere war ein Artikel in der New York Times als „Ereignis des Tages“ für sein Posaunenkonzert. Auf ein weiteres Highlight blickt er mit Freude zurück: Als 1991 die russische Stadt Leningrad in den früheren Namen St. Petersburg umbenannt wurde, erlebte er dort die Uraufführung seines Schlagzeugkonzerts, wofür er einen Preis erhielt. Es folgten mehrere Konzert-Aufenthalte in New York und St. Petersburg. Ab 1959 reiste Horst Ebenhoe viermal in verschiedene Länder des Orients. In Baku in Aserbaidschan gab es ein Konzert nur mit seinen Werken.

Horst Ebenhoe komponiert noch immer, spielt jedoch nur mehr wenig Klavier, was für seine Kompositionstätigkeit auch nicht notwendig ist, da er sich die Musik im Kopf vorstellen kann. Derzeit arbeitet er an einer Oper mit dem Titel „Virata“ nach einem Text von Stefan Zweig „Die Augen des ewigen Bruders“. Seine Sorge: „Ich hoffe, dass ich noch einige Jahre Zeit habe, um dieses Werk fertigzustellen.“ Die Notenschrift mit dem PC hat er mittlerweile wegen seiner Fehleranfälligkeit aufgegeben. Doch seine handgeschriebenen Notenblätter sehen aus wie gedruckt – ohne irgendwelche Anzeichen einer zittrigen Hand. Sensationell in diesem fortgeschrittenen Alter.

Auch Horst Ebenhoes Kinder traten in seine Fußstapfen: Sohn Peter spielt Violine, Tochter Ulrike Cello.