TÜPI-Sprecher: „Das muss es uns wert sein“. TÜPl-Sprecher Dietmar Butschell über neue Einsätze im Coronajahr und Millionenprojekte in Allentsteig.

Von NÖN Redaktion und Friedrich Schiller. Erstellt am 09. April 2021 (05:21)
TÜPl-Sprecher Dietmar Butschell sprach mit der NÖN über neue Aufgaben, die das Coronavirus mit sich brachte, und: „Im Herbst 2021 wird mit der Sanierung von einem Unterkunftsgebäude begonnen.“
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NÖN: Ein Jahr Corona: Was hat sich beim Bundesheer allgemein, und speziell beim Truppenübungsplatz (TÜPl) Allentsteig, beziehungsweise beim Schieß- und Übungsbetrieb seit März 2020 geändert?

Dietmar Butschell: Höhepunkte des Bundesheeres im vergangenen Jahr waren die erstmalige Teilaufbietung der Miliz und der verlängerte Präsenzdienst für etwa 2.300 Grundwehrdiener. In Spitzenzeiten halfen bis zu 8.600 Soldaten, beispielsweise beim Contact Tracing, bei der Durchführung und Unterstützung der Covid-Massentestungen, bei Grenzkontrollen und bei der Auslieferung von über fünf Millionen Test-Kits. Dabei wurden vom Bundesheer etwa Kindergärten und Polizeidienststellen desinfiziert und fünf strategische CoV-Notlager errichtet. Im Burgenland, der Steiermark, in Tirol und Kärnten unterstützten pro Tag durchschnittlich mehr als 800 Soldaten die Sicherheitsbehörden im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz. In allen Bundesländern, mit Ausnahme von Wien, versahen außerdem täglich knapp 290 Soldaten ihren Dienst an der Grenze zur Unterstützung der Gesundheitsbehörden im Kampf gegen das Coronavirus. Neben der Unterstützung in der Corona-Krise leistete das Heer auch vergangenes Jahr Hilfe etwa bei Naturkatastrophen: Unter anderem wurden Unwetterschäden beseitigt, Dächer von Schneelasten befreit und Waldbrände aus der Luft bekämpft.

Welche neuen Aufgaben kamen speziell auf den TÜPl zu?

Butschell: Auch der TÜPl Allentsteig war und ist beim Contact Tracing, den Covid- Massentestungen im Bezirk Zwettl aktiv beteiligt. Von 28. Dezember bis 12. März führte der TÜPl zusätzlich den Covid-Einsatz an der Staatsgrenze zu Tschechien und der Slowakei. Die Einhaltung der Verhaltens- und Hygienemaßnahmen betrifft die Soldaten des TÜPl genauso wie jeden anderen Bürger Österreichs. Das hat sich bestens eingespielt, und ist zu einer Art Routine geworden. Das Engagement des Bundesheeres bei den Einsätzen stellt auch einen enormen Imagegewinn dar. Umfragen zeigten, dass der Bundesheereinsatz von nahezu allen Befragten voll und ganz (90 Prozent) oder zumindest eher (8 Prozent) befürwortet wird. Auch die Organisation durch das Bundesheer wird extrem positiv beurteilt.

Wie hat sich Covid-19 bei der Auslastung, beziehungsweise beim sicherheitspolizeilichen Einsatz der TÜPl-Bediensteten und Grundwehrdiener ausgewirkt?

Butschell: Die Assistenzeinsätze stellen für den TÜPl A eine zusätzliche Herausforderung und Belastung dar. Der „normale“ Dienstbetrieb geht ja unverändert weiter und muss weiterhin aufrechterhalten werden. Hier muss man allen Beteiligten Soldaten und Zivilbediensteten ein großes Lob aussprechen. Sie haben große Flexibilität und Einsatzbereitschaft gezeigt. Die Freude darüber, sich als zuverlässlicher Partner der Zivilbevölkerung zu beweisen, hat die Belastung überwogen. Durch die strikt eingehaltenen Verhaltens- und Hygienemaßnahmen ist es auch zu keinen Ansteckungen im Einsatz gekommen.

Wie viele Soldaten und Bedienstete waren, beziehungsweise sind im Einsatz, etwa bei der Drive-in Teststraße, den Teststationen, oder beim Contact Tracing?

Butschell: Bei den Lehrer- und Massentestungen im Bezirk Zwettl war der TÜPl A jeweils mit bis zu 25 Bediensteten im Einsatz. Bei den Drive-In-Teststationen unterstützen derzeit noch zehn ausgebildete Rekruten die Gesundheitsbehörde. Bei der Kontaktverfolgung sind es vier Unteroffiziere. Beim Einsatz an der Staatsgrenze wurde der TÜPl A durch Soldaten des Aufklärungs- und Artilleriebataillons 4, sowie der Garnison Weitra personell verstärkt.

Welche Regelungen waren, beziehungsweise sind dazu erforderlich?

Butschell: Intern mussten Arbeitsabläufe angepasst werden. Aufgaben wurden kurzfristig umverteilt. Die Durchführung der Assistenzeinsätze selbst erfolgte, beziehungsweise erfolgt in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der zuständigen Gesundheitsbehörde.

Wann wird mit der Sanierung der Mannschaftsblöcke in der Höhe von vier Millionen Euro im Lager Kaufholz begonnen?

Butschell: Im Herbst 2021 wird mit der Sanierung von einem Unterkunftsgebäude begonnen. Eine Fortsetzung der Sanierung eines zweiten Gebäudes ist für 2022 geplant. Die Gesamtkosten für beide Unterkunftsgebäude belaufen sich auf etwa fünf Millionen Euro. Insgesamt werden 1,5 Millionen Euro 2021 verbaut werden.

Gibt es weitere Bauprojekte, wie den Ausbau der Urbane Trainingsanlage in Steinbach? Wann wird dieser geplante Ausbau abgeschlossen sein?

Butschell: Im Jahr 2021 soll der Ausbau der Vorstadt „Ost“ mit etwa zwei Kilometer Wegenetz, 31 Hausattrappen mit selbst gefertigten Holzriegelwänden, einem Retentionsbecken, Drainagierung einzelner Wege, Verlegung von Stromverkabelung und Leerverrohrung für Lichtwellenleiter abgeschlossen werden. Eine Gesamtfertigstellung der UTA Steinbach (Vorstadt Ost und West) ist für 2025 geplant.

Wie viele Planstellen wurden dem TÜPl-Kommando im Jahr 2020 zugewiesen, beziehungsweise wie viele natürliche Abgänge gab es im Jahr 2020 und wie viele Abgänge sind 2021 altersbedingt möglich?

Butschell: Im Jahr 2020 hatte der TÜPl A 25 Zugänge durch Versetzungen von anderen Dienststellen und Neuaufnahmen zu verzeichnen. Gleichzeitig gab es acht Abgänge. Durch die Zuweisung von zwölf Planstellen konnte also der Personalstand 2020 um 17 Bedienstete erhöht werden. Derzeit ist der TÜPl A personell zu 94 Prozent befüllt. Heuer könnten insgesamt neun Mitarbeiter altersbedingt in Pension gehen. Diese Abgänge gilt es wieder abzufedern.

Was sind die Schlagworte und Möglichkeiten für ein attraktives, innovatives, modernes und schlagkräftiges Bundesheer in den nächsten Jahren?

Butschell: Das zentrale Thema ist „Schutz“. Die Welt wird gefährlicher, die Bedrohungen nehmen zu und werden unkalkulierbarer. Der Schutzbedarf für Österreichs Bevölkerung erhöht sich. Das Bundesheer leistet umfassenden Schutz für die Bevölkerung. Das beginnt bei Naturkatastrophen und geht über Cyberangriffe bis zum Schutz kritischer Infrastruktur. Ein gesteigertes Budget ab 2020 erlaubt auch für 2021 die Fortführung des Erneuerungskurses des Bundesheeres. Es wird der jahrzehntelange Investitionsstau sukzessive abgebaut und das Heer zur Bewältigung der sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts „zukunftsfit“ gemacht. Mit dem erhöhten Budget und den so dringend benötigten Investitionen in Miliz, Infrastruktur, Ausrüstung und Gerät, ist es auf dem besten Weg. Unsere Sicherheit muss uns das wert sein. Es geht darum, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher in kritischen Situationen auf den Schutz durch ihr Bundesheer verlassen können. Der TÜPl A als größter Übungsplatz für Österreichs Sicherheit spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Hier bereiten sich die Soldaten auf ihre Einsätze im In- und Ausland vor.