Die Jagd wird immer weiblicher

Erstellt am 19. März 2021 | 03:53
Lesezeit: 4 Min
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Kann man die Jagd aus ethischen Gründen verbieten?
Symbolbild
Foto: APA
Meist ist es das intensive Naturerlebnis, das viele Frauen an der Jagd interessiert. Verena Rosenkranz ist eine davon.
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Den Internationalen Frauentag am 8. März nahm der Landes- und auch der Bezirksjagdverband zum Anlass, den aktuellen Frauenanteil in der Jägerschaft zu erheben.

Mittlerweile sind rund zehn Prozent der Mitglieder auf Landes- und Bezirksebene Frauen und nimmt kontinuierlich zu. „Bei der Jungjägerausbildung liegen wir im Bezirk Zwettl bei 27 Prozent, also über den Landesdurchschnitt“, betont Bezirksjägermeister Manfred Jäger.

Natur in den Großstädten vermisst

Diesen Kurs mit der abschließenden Jagdprüfung legte Verena Rosenkranz aus Rappotten-stein vor drei Jahren ab. Sie ist eine Jägerin aus vollster Überzeugung. „Es ist generell die Naturverbundenheit, die mich zur Jagd gebracht hat. Wie sehr mir die Natur gefehlt hat, ist mir bei meiner Arbeit in Wien und in Berlin so richtig bewusst geworden“, erzählt die ehemalige Journalistin einer Berliner Tageszeitung und Pressesprecherin im Parlament in Wien. Mit ihrem Gatten, der einen Job als Bauleiter bekommen hat, sei sie sehr gerne nach Rappottenstein gezogen. Die zweifache Mutter, die im April ihr drittes Kind erwartet, arbeitet jetzt als Geschäftsführerin der NÖ Kinderbetreuung. In ihrer neuen Heimat schloss sie die Jagdausbildung ab. „Die Jagd ist ein sehr guter Ausgleich und ich kann diese Auszeiten zum Runterkommen nutzen.“

Flintenschießen war am Schwersten

Der Entschluss, Jägerin zu werden, sei lange gereift: „Man muss ja Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Mein Gatte, der schon länger Jäger ist, hat mich voll unterstützt und drei Monate lang zweimal die Woche den Kinderdienst am Abend übernommen, während ich den Jungjägerkurs in Zwettl absolviert habe.“

Diese Ausbildung sei für die Rappottensteinerin eine gewisse Herausforderung gewesen. „In meiner Familie gibt es keine Jäger, also musste ich auch alle Begriffe, die die Jäger verwenden, lernen. Der Umgang mit der Waffe, mit dem Wildbret, alles war Neuland für mich. Am Schwersten habe ich mir beim Flintenschießen getan. Ich musste dabei erst lernen, auf mein Gefühl zu vertrauen und beim Schießen nicht zuviel nachzudenken“, betont Rosenkranz.

Ihr erster Reviergang als Jägerin werde Rosenkranz ewig in Erinnerung bleiben. „Wenn man als 27-Jährige ganz bewusst auf einen Hochstand steigt und dabei von einem erfahrenen Jäger begleitet wird, spürst du mit allen Sinnen die Natur. Man hört sich selber atmen, jeden Vogel. Wenn dann auch noch Wild kommt, ist das Herzklopfen enorm.“

Rosenkranz erstes erlegtes Wild war eine „Schmalgeiß“. Der erste Schuss habe gepasst, vom Jagdleiter gab es den „Bruch“ und ein Waidmannsheil. Das Reh hat Verena Rosenkranz natürlich selbst aufgebrochen und zerlegt. „Die Rehleber haben wir noch am selben Abend gebraten. Geschmeckt hat das wunderbar.“

„Will wissen, was ich esse“

Überhaupt stehe bei ihrem Hobby der Genuss im Vordergrund. „Mit ist wichtig, dass ich weiß, woher das Fleisch kommt, das wir essen. Mittlerweile gibt es bei uns oft zweimal in der Woche Wild. Den Kindern schmeckt es auch. Für sie ist das Zerlegen des Wildbrets ganz normal“, erklärt die Jägerin, die auch gerne mit den Jägern in den Revieren Pfaffendorf bei der Burg Rappottenstein und Zwettl mitarbeitet. „Ich wurde sehr gut aufgenommen und akzeptiert. Es hat ja in den letzten Jahren ein gewisses Umdenken in der männlichen Jägerschaft gegeben.“

Im Waldviertel haben Freunde und Verwandte mit ihrer Jagdleidenschaft kein Problem, im Gegenteil: „Viele finden es toll.“ In Wien gebe es jedoch schon gewissen Erklärungsbedarf. „Da reagieren viele zurückhaltend. Aber wenn ich erkläre, dass es mir um die Herkunft des Fleisches geht, dann zeigen sie doch Interesse.“

Hund Skadi ist ein treuer Begleiter

Jägerin zu sein, bedeute Verena Rosenkranz sehr viel. Sie genießt die Reviergänge, die Natur, den Genuss am Wildfleisch und auch das Gesellschaftliche, das zur Jagd gehört. Und seit zwei Jahren hat sie dabei einen treuen Begleiter, den Vorstehhund „Skadi“, der nach der nordischen Göttin der Jagd benannt wurde und mit dem sie schon mehrere Prüfungen absolviert hat.

Bis zur Geburt ihres dritten Kindes will sie ihr Hobby noch richtig auskosten, dann werde für eine Weile nicht viel Zeit dafür bleiben: „Am 16. April beginnt die Jagdsaison und ich habe mir fix vorgenommen, noch vor der Geburt das erste Reh in diesem Jahr zu schießen. Das müsste sich ausgehen.“

Und noch ein Vorhaben will die Jägerin in den nächsten Monaten umsetzen: „Bis zum Sommer will ich mein Wirtschaftspsychologie-Studium abschließen. Meine Abschlussarbeit wird gerade bewertet. Diese hat auch die Jagd zum Thema.“

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