Hopfenernte für Zwettler Bier: Reine Frauensache?. Bier – ein typisch männliches Getränk. Dass dieses Klischee langsam aus der Mode kommt, beweist die 25-jährige Karin Thaller: Sie absolvierte in der Privatbrauerei Zwettl die Lehre zur Braugesellin und arbeitet aktuell auf die Meisterprüfung hin. Der NÖN erzählte sie im Rahmen der Hopfenernte so manches Geheimnis rund um die weibliche Seite des Bieres.

Von Markus Füxl. Erstellt am 10. September 2021 (15:18)

„Ich bin über das Wirtshaus meines Papas dazu gekommen. Ich habe dort früher immer Bierschaum zur heißen Schoki gelöffelt“, erklärt Karin Thaller lachend. Bald steht die gebürtige Tullnerin selbst hinter dem Braukessel, 2022 will sie Braumeisterin sein – eine von zehn Frauen in ganz Österreich.

Dass Bierbrauen urweiblich ist, beweist ein Blick zurück: Bis ins 15. Jahrhundert waren es größtenteils Frauen, die für das Bierbrauen verantwortlich waren: „Man bekam sogar oft einen Braukessel als Mitgift“, erklärt Thaller. Ob daher auch das Wort „Braut“ stammt, gelte als Legende, die nicht restlos geklärt ist. Fakt ist, dass damalige Bierkränzchen Vorläufer der heutigen Kaffee-Kränzchen waren.

Die erste wissenschaftliche Abhandlung über das Bierbrauen stammt übrigens aus den Federn einer Frau: Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb im 12. Jahrhundert als erste darüber, was der Hopfen im Bier bewirkt. Dieser war beim „Zufallsprodukt Bier“ anfänglich noch gar keine Zutat: Die Legende besagt, dass eine achtlos stehengelassene Getreidesuppe zu gären begann. Erst später haben Mönche entdeckt, dass der Gerstensaft, wenn er mit Hopfen versetzt wird, aromatischer und auch haltbarer wird.

Fünf Familien ernten für Zwettler Bier

Aktuell läuft die Hopfenernte für die Privatbrauerei Zwettl: Die fünf Partner-Landwirtefamilien ernten in elf Hopfengärten auf rund 14 Hektar die Hanfgewächse. Dabei werden die Hopfenranken von den knapp acht Meter hohen Klettergerüsten gezogen. Später werden sie in eine Spezialmaschine eingespannt, wo die Dolden von den Ranken abgezupft und getrocknet werden. Danach lagert der Hopfen einige Wochen auf den speziellen Dachböden der Hopfendarren, bevor er zu Ballen gepresst und zu Pellets verarbeitet wird.

Die Hopfenernte ist eine Arbeit für die ganze Familie: „Da müssen dann alle zusammengreifen. Wenn unsere Frauen nicht Spaß bei der Arbeit hätten, könnten wir das nicht machen“, erklärt Sepp Fröschl lachend. Seit 27 Jahren erntet er für die Privatbrauerei Zwettl Hopfen. Im Waldviertel werden jährlich knapp 23.000 Kilogramm Hopfen geerntet. Weltweit gibt es über 100 Züchtungen, für das Zwettler Bier kommen vorwiegend vier zum Einsatz. Die beiden wichtigsten sind dabei „Perle“ und „Aurora“. Die Ranken wachsen vorwiegend während der Nacht – bis zu 20 Zentimeter weit können sie innerhalb von 24 Stunden in die Höhe schießen.

Todesstrafe für männlichen Hopfen

Eine Dolde ergibt in der Verarbeitung übrigens ein Seidel Bier. Auch der Hopfen ist weiblich: Geerntet und verarbeitet werden die weiblichen Hopfenteile. Nur sie haben die gelben Drüsen mit dem begehrten Bitterstoff Lupulin. „Eine Legende besagt, dass in Bayern auf das Anpflanzen männlicher Hopfenstöcke nahe eines Hopfengartens die Todesstrafe stand, da die weiblichen Blüten nach der Bestäubung für das Brauen ungeeignet werden“, erklärt Karin Thaller.

13 verschiedene Biere hat die Privatbrauerei Zwettl aktuell im Angebot. Was Thallers Lieblingsbier sei? „Eindeutig Saphir“, sagt sie wie aus der Pistole geschossen. Laut einer Studie des Market Institutes3 greifen immer mehr Frauen gerne zu Bier: 30 Prozent der befragten Frauen sagten, dass sie mehrmals pro Woche Bier trinken.Karin Thaller sagt dazu: "Frauen und Bier, das harmoniert einfach. Ich bin überzeugt davon, dass bei der gebotenen Biervielfalt für Jede das richtige Bier dabei ist."