Revolution 1971: Als der Rock erwachsen wurde

Erstellt am 24. Februar 2022 | 11:47
Lesezeit: 4 Min
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Andreas Leitner, Martin Schuster und Erwin Schierhuber im Schallplattenhimmel.
Foto: Sebastian Dangl
Martin Schuster präsentierte mit dem Kulturverein Syrnau sein Buch „Rock im Jahr 1971“ mit spannenden Anekdoten.
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Gibt es etwas Schöneres als in der Nostalgie zu schwelgen? Martin Schusters Buch „Rock im Jahr 1971“ ist eine Liebeserklärung an den „Soundtrack“ seiner Jugend. Wie die Protagonisten des Buches macht auch er eine kleine Tour zur Präsentation seines im Herbst erschienenen Werkes. Die führte ihn bereits nach Gmünd, Waidhofen, Wien und natürlich seinen Heimatort Heidenreichstein. Nun ging die Reise auch nach Zwettl, wo Schuster in Eventraum des Kulturvereins Syrnau aus dem Buch las.

Aber was sind schon Worte, wenn man auch die Musik sprechen lassen kann? Ganz authentisch erklangen Songs von Black Sabbath, Joni Mitchell, Led Zeppelin oder Yes direkt vom Plattenspieler. Die „DJs“ machten die Syrnau-Mitglieder Andreas Leitner und Erwin Schierhuber. Das „Knistern der Nadel wie ein Kaminfeuer“ gehört einfach dazu.

Daneben gab es jede Menge Anekdoten und Hintergrundwissen zur Musik besagten Jahres und warum gerade 1971 so besonders war. „Die Rockmusik wurde damals zur Kunstform erhoben und ging völlig neue Wege“, meinte Martin Schuster. Für einen damals Jugendlichen auch wichtig: Sie gefiel den Eltern nicht.

Gleichzeitig wurde die Langspielplatte zur „Königsdisziplin“. Wo vorher Alben um zwei bis drei Hits herumgeschustert wurden, bekam jeder Song Bedeutung und ein tieferes Gesamtkonzept. Die „Post-Hippie-Era“ manifestierte sich auch in der Kleidung und langen Haaren. Nichts mehr mit dem gepflegten Auftreten mit Anzug und Krawatte, wie es vorher noch üblich war. Die wilden 70er waren gerade erst angebrochen.

Das zeigte Schuster gleich anhand der Heavy-Metal-Pioniere „Black Sabbath“ und wie der schwere Sound, wie ein „Schlag in die Magengrube“, eigentlich entstand. Hauptakteur Gitarrist Tony Iommi: „Er verlor bei einem Arbeitsunfall im Stahlwerk zwei Fingerkuppen seiner Greifhand“, erzählte Schuster. Eine Katastrophe für einen Gitarristen. Doch anstatt die Musikkarriere an den Nagel zu hängen, baute er sich selbst Prothesen aus Plastik und Leder und stimmte die Gitarrensaiten zur leichteren Spielbarkeit einfach tiefer: Ein unkonventioneller, aber innovativer Sound war geboren.

Großes Thema zudem: die Frauen in der Rockmusik, oder eher ihre Abwesenheit. Je nachdem. „Man muss schon ein bisschen suchen“, erklärte Schuster. Die größte Rockröhre der damaligen Zeit, Janis Joplin, verstarb bereits 1970. Darüber hinaus war die Musik eher Männersache. Superstar Aretha Franklin fühlte sich im Soul-Bereich wohler, und Tina Turner war noch ein kleiner Name. Fündig wurde Schuster eher bei den Singer/Songwriterinnen wie Carol King und Joni Mitchell.

Ein anderes Kapitel widmet sich dem Aufstieg der Keyboards, Orgeln und Synthesizern. Namen wie Keith Emerson oder Ricke Wakeman (Yes) brachten als „studierte Musiker“ mehr Ansprüche in die Musik. Mir orchestralerem Denken, wo jedes Bandmitglied seinen Platz sucht, fand der progressive Rock seine Geburtsstunde. So kamen Songs auch schon mal auf eine Länge von 20 Minuten, wie am Beispiel „Tarkus“ von Emerson, Lake & Palmer gezeigt.

Streit zwischen zwei Musiklegenden

Aber was trieben eigentlich die Beatles im ersten Jahr nach der Trennung 1970? „Der Konflikt zwischen John Lennon und Paul McCartney war damals am Höhepunkt“, erklärte Schuster. Anhand des Songs „How Do You Sleep?“ unterstellte John Lennon seinem ehemaligen Bandkollegen den künstlerischen Bankrott. „Später haben sie sich aber wieder vertragen.“

Es gibt also viel zu erzählen. „Rock im Jahr 1971“ ist ein Herzensprojekt des Autors: „Diese Musik begleitet mich jetzt seit 50 Jahren. Rockmusik war nie wieder so interessant.“ Ein Hoch also auf die kreativen Geister der damaligen Zeit und die schwarzen Scheiben in den mittlerweile zerschlissenen Hüllen.

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