Schönbach: Wirt fehlt, nun Notmaßnahmen. Gäste kommen nun nach Führungen in Schönbach im Bezirk Zwettl nicht mehr zurück, daher gibt es starke Umsatzeinbußen.

Von René Denk. Erstellt am 10. Juli 2019 (00:02)
Als erste Maßnahme, um die Touristen wieder in Schönbach zu halten, wird im „Korb.Garten“, eine Selbstbedienungsküche installiert. Die Auswahl ist dabei ziemlich groß, wissen Franz Höfer und Ewald Fröschl.
René Denk

Notmaßnahmen ergreift nun Schönbachs Erlebnismuseumsvereins-Obmann Franz Höfer: Um zumindest die Mittagsgäste auffangen zu können, wird im „Korb.Garten“ der Kloster-Schul-Werkstätten die „Rex.Kuchl“ installiert.

Warum Höfer die Notmaßnahmen ergreift: Vor drei Jahren hatte man im Hauptort Schönbach noch drei klassische Wirtshäuser. Jetzt keines mehr.

„Unsere Gäste besuchen uns, machen Führungen, gehen etwas Essen und dann noch gemütlich in unseren Shop. Nun müssen sie weiter wegfahren und kommen nicht mehr zurück. Dadurch haben wir Umsatzeinbußen zwischen 200 und 500 Euro pro Tag“, schildert Höfer die dramatische Situation. Denn pro Monat bis zu 15.000 Euro weniger einzunehmen — „damit muss man erst einmal umgehen können“, so Höfer.

„Wir haben Einbußen zwischen 200 und 500 Euro pro Tag“Erlebnismuseumsvereins-Obmann Franz Höfer.

In der „Rex.Kuchl“ können sich seit 8. Juli die Tagesgäste zwischen 11.30 und 13.30 Uhr ein Mittagsmenü von der „Rexerei“ aus Schönbach aussuchen. Die Mitarbeiter geben Hilfestellung beim Aufwärmen der Einmachgläser, wobei aus 19 verschiedenen Hauptspeisen (vom Schweinsbraten bis zur Pute süß-sauer oder der veganen Krautroulade) ausgewählt werden kann. Zusätzlich werden fünf Suppen und auch Beilagen-Knödel der Knödelmanufaktur Klang aus Allentsteig geboten. Kaffee gibt es zu Mohnzelten und Eis als Nachspeise. Gegessen muss allerdings im leider nur wenig überdachten Korbgarten werden.

Viele Gasthäuser haben in der Region in den letzten Jahren geschlossen oder haben sich umorientiert. Das Gasthaus Grünsteidl schloss vor drei Jahren und spezialisierte sich auf „Rexerei“ und Catering. Im Jänner 2019 sperrte dann das Gasthaus Karl Hofbauer aus familiären Gründen, Anfang Juni folgte das „Lindenstüberl“, das nach Rappottenstein umgesiedelt ist.

Auch viele Wirtshäuser im näheren Umfeld, wie der Gasthof Schiefer in Bärnkopf (Ende 2018), in Gutenbrunn das Bühnenwirtshaus Juster oder das Gasthaus Fürst (beide schlossen schon vor der Landesausstellung in Pöggstall 2017) und das Gasthaus Lang in Bad Traunstein haben in den letzten Jahren zugesperrt.

Ziel ist, wieder einen Wirt zu finden

Das Wirtshaussterben hätte aber zumindest in Schönbach nichts mit sinkenden Besucherzahlen zu tun. „In einem schlechten Jahr haben wir in Schönbach ohne Großveranstaltungen 15.000 Tagesgäste in den Kloster-Schul-Werkstätten. Rund 10.000 Besucher mehr seien es in der beliebten Wallfahrtskirche. Der Wirtemangel ist ein genereller Trend und hat nichts mit Schönbach zu tun“, folgert Höfer, dass gesetzliche Mehrauflagen und der Fachkräftemangel dafür vor allem den Ausschlag geben.

Neben den Notmaßnahmen sind aber auch Bürgermeister Ewald Fröschl und Höfer bemüht, wieder einen klassischen Wirt zu finden. Eine Informationsveranstaltung unter dem Titel „Unser Dorfwirtshaus“ fand mit rund 100 Schönbachern statt. „Alleine daran hat man gesehen, dass es unseren Bürgern nicht egal ist, dass wir kein Wirtshaus mehr haben“, sagt Fröschl.

Ziel war es, auf die Situation aufmerksam zu machen, dass auch Schönbach dem allgemeinen Trend des Wirte mangels folge. „Wir würden als Gemeinde auch einen neuen Gastronomen unterstützen. Es liegt aber nicht im Aufgabenbereich einer Gemeinde, ein Wirtshaus selbst zu betreiben“, sagt Fröschl.

„Das Lindenstüberl würde sofort zur Verfügung stehen“

Grundsätzlich wäre eine Pachtvariante zu bevorzugen. „Das Lindenstüberl würde sofort zur Verfügung stehen. Grundsätzlich könnte ein neuer Wirt dort in einer Woche aufsperren, weil die gesamte Infrastruktur vorhanden ist“, meint der Bürgermeister. Aber auch andere Betreibermodelle und Varianten wären denkbar. Das Interesse, ein Wirtshaus in Schönbach zu betreiben, hat sich trotz vieler Vorteile bisher in Grenzen gehalten.

„Wir haben einen organisierten Tagestourismus mit Wallfahrtskirche und Kloster-Schul-Werkstätten, die Lohnbachfälle und viele Veranstaltungen, die für einen Gastronom sicher auch interessant sind. Zudem bekommt in Schönbach jeder Wirt zahlreiche Vorschusslorbeeren“, betont Höfer, der hofft, dass bis September ein neuer Wirt gefunden wird. „Und sobald wir den Wirt haben, dann wird die Rex.Kuchl sofort wieder abgedreht“, ist sich Höfer sicher.