„Hätten das Virus schon ausgerottet“. Redaktionsleiter Markus Füxl sprach mit Manfred Ehrgott, Rotes Kreuz Zwettl, über Covid-19, Impfungen und das Einsatzjahr 2020.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 27. Januar 2021 (05:27)
Manfred Ehrgott, Bezirksstellengeschäftsführer des Roten Kreuz Zwettl, blickt mit der NÖN auf das herausfordernde Jahr 2020 zurück.
privat

NÖN: Wie war die Arbeit 2020 für das Rote Kreuz?

Manfred Ehrgott: Wir konnten vor dem Lockdown noch ein Begräbnis eines Mitarbeiters besuchen. Ab März war ich dann zweimal in der Woche im Landesführungsstab in Tulln. Im Sommer ging es gut, danach sind die Zahlen wieder sukzessive gestiegen. Aktuell ist es echt schon zach. Auch die Arbeit im Spital läuft mit Vollgas weiter, unsere Zivildiener sind nach einem langen Arbeitstag streichfähig. Es geht vielen schon an die Substanz. Aber: Wenn du in Firmenautos schaust, dort vier Personen sitzen und niemand eine Maske trägt – da wundern wir uns, dass wir mit den Zahlen nicht runterkommen?

Wie intensiv war das Jahr für Sie?

Ehrgott: Die ersten beiden Wochen im März-Lockdown waren irre. Nach meiner zweiten Woche in Tulln im Landesführungsstab habe ich gedacht: Das halte ich nicht bis zum Ende der Pandemie durch. Der normale Tagesbetrieb läuft weiter, dazu kommen Screenings, die Administration für die Drive In-Teststation, das Organisieren für Dienstpläne. Früher bin ich mit meiner Frau einen Tag lang Shoppen gefahren, um aus dem Trott zu kommen. Das geht jetzt natürlich nicht.

Wie herausfordernd ist die Betreuung der waldviertelweiten Drive In-Station?

Ehrgott: Anfangs habe ich mir gedacht, dass sich der Aufwand dafür nicht rechnet. Später haben wir die Öffnungszeiten auf 8 bis 16 Uhr ausgeweitet, dann hat sich die Testzahl rasch gesteigert. Wir haben in Summe fünf Leute dort eingesetzt. Mir fehlt eine Person, um ein vernünftiges Dienstrad erstellen zu können. Wir hatten auch über die Weihnachtsfeiertage sowie am 31. Dezember und 1. Jänner am Vormittag geöffnet. Es gab Zeiten, da hatten wir 400 Abnahmen pro Tag. Uns helfen Grundwehrdiener aus Allentsteig, das funktioniert sehr gut.

Wie beurteilen Sie die Corona-Situation im Bezirk?

Ehrgott: Es ist ein Jammer: Wir hätten schon längst das Virus ausgerottet, wenn wir konsequenter wären. Am Anfang waren wir in Zwettl immer im grünen Bereich, mittlerweile sind wir tiefstrot und kommen nicht raus. Wenn ich in die Einkaufswagen schaue, denke ich mir, dass Bierkisten dem Klopapier schon lange den Rang abgelaufen haben: So viel kann man oft alleine nicht trinken. Da stehen dann die Leute eng beisammen und so wird das Virus weitergegeben und in die Firmen und Familien getragen.

Was ist die Lösung – noch strengere Maßnahmen?

Ehrgott: Ich kann erfahrungsgemäß sagen: Ohne Kontrolle hält sich niemand an Vorschriften. Wenn von vier Leuten im Auto ohne Maske jeder einen Fünfziger zahlen müsste, würde sich das herumsprechen. Außerdem suchen viele immer Fehler in den Verordnungen: Da ist die Tinte des Entwurfs noch gar nicht trocken, sucht schon der Erste, wie er es aushebeln kann. Dabei gewinnen wir als Gesellschaft nichts, höchstens ein paar Anwälte machen Kohle. Auffällig ist auch, dass bei den Massentestungen sehr wenige Junge testen waren. Das verstehe ich einfach nicht.

Bei den vergangenen Massentestungen im Bezirk waren 33 von 12.638 Tests positiv - aus Ihrer Sicht ein Erfolg?

Ehrgott: Jeder Positive, den wir finden, ist wichtig, weil die Infektionskette unterbrochen wird. Die Leute, die sich testen lassen, halten im Regelfall die Maßnahmen auch gut ein. Bei jenen, die nicht gehen, ist es wie beim Zahnarzt: Solange das Loch nicht weh tut, gehen wir nicht hin.

Sollte eine Coronaimpfung verpflichtend sein?

Ehrgott: Nein, das wird sich von selbst regeln: Man wird bald nicht mehr zu Veranstaltungen oder Konzerten können, ohne geimpft zu sein. Das finde ich ok. Man kann sich nicht immer von ein paar, denen es egal ist, alles zusammenhauen lassen. Wenn wir nichts machen, sind wir wirtschaftlich und gesellschaftlich bald am Ende. Interessanterweise hat sich noch niemand darüber beschwert, wenn er gegen Gelbfieber, Typhus oder Keuchhusten geimpft wird, sobald er in den Urlaub fliegt.

Wie lange werden wir noch mit Corona zu kämpfen haben?

Ehrgott: Ich glaube, dass wir frühestens im Spätsommer aus der Nummer wieder rauskommen. Uns werden noch bis in den Herbst hinein Wehwehchen plagen. Bis dahin sind wir mit dem Impfen auch noch nicht so weit, dass wir es geschafft haben. Außerdem kommt da noch die Schwierigkeit dazu, dass wir genug Leute finden, die sich impfen lassen.