Erstellt am 26. August 2014, 08:35

von René Denk

Spediteur wirft Handtuch. Steiner wirft ÖBB und NÖVOG vor, kein Interesse an Wiederbelebung der Bahnstrecke zu haben.

Neben dem Bahnübergang in Kottschallings werden die Schienen schon überwuchert.  |  NOEN, René Denk

Sehr schlecht steht es um die Wiederaufnahme des Güterverkehres auf der Bahnstrecke Waidhofen-Schwarzenau.

„Es gibt nicht annähernd akzeptierbare Rahmenbedingungen“

Der private Spediteur Peter Steiner, der sich um die Wiederaufnahme der Bahnstrecke bemüht hat, ist nun auch abgesprungen: „Aus derzeitiger Sicht ist die Wiederaufnahme nicht möglich. Es gibt für den Bedarf nicht einmal annähernd akzeptierbare Rahmenbedingungen“, sagt Steiner im NÖN-Gespräch. Weder die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft (NÖVOG) noch die ÖBB sind für Lösungen bereit.

„Meine persönliche Einschätzung: Es gibt hier kein konkretes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit“, sagt Steiner zu den Verhandlungspartnern. Nur eine Abteilung der ÖBB hätte das Vorhaben unterstützt - der operative Bereich der ÖBB hat aber absolut kein Interesse an den Tag gelegt.

Potenzial gäbe es, es sei aber offenbar nicht erwünscht, die Gleise wieder zu nutzen. Konkret: Bereits vor zwei Jahren hat Steiner eruieren können, dass zehn Waggons Restmüll und zwei Waggons Altpapier pro Monat mit der Bahn abtransportiert werden könnten. Jetzt werde die Menge bis Sigmundsherberg gebracht und dann auf den Zug verladen, der Restmüll wird dann weiter Dürnrohr transportiert.

„Das ist für einen Spediteur nicht mehr wirtschaftlich“

Weiteres Frachtgut könnte Holz sein: „Jetzt muss das Holz von Waidhofen nach Göpfritz transportiert und dort auf den Zug verladen werden. Das Beste daran ist, dass die Holzzüge, die auch von Zwettl oder Gmünd kommen, sich alle in Schwarzenau treffen, um dort zu einem neuen Gesamtzug gebündelt zu werden“, sagt der Spediteur.

So hätte man das Holz in Waidhofen verladen und nach Schwarzenau bringen können. „Das wäre ja sogar eine logistische und finanzielle Erleichterung für die ÖBB gewesen, denn der Transport nach Schwarzenau wäre ja bezahlt worden!“

Die ÖBB verweigere sich grundsätzlich nicht, aber: Dadurch, dass sie nur Göpfritz und Irnfritz als „Rundholzverladebahnhof“ führt, unterliegt der Transport ab Schwarzenau (sogar schon auf den Waggons!) nicht dem ermäßigten Rundholztarif, wie das in Göpfritz und Irnfritz der Fall ist. „Das ist so teuer, dass das ganze Vorhaben für einen Spediteur nicht mehr wirtschaftlich ist“, erklärt Steiner.

Weiters könnten auch Kartoffeln und Getreide (Lagerhaus und Raiffeisen Ware Austria / RWA) transportiert werden. Die Grundkosten für kurze Distanzen seien für das „System Schiene“ zwar viel zu hoch, aber man könnte hier Kombinationen mit anderen Transporten finden, was das Ganze für einen Spediteur wieder etwas attraktiver mache.

Zug sei schon lange abgefahren

ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif erklärt zu den Vorwürfen: „Im konkret angesprochenen Fall sind wir bestrebt, Leistungen nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten und setzen entsprechende Schritte, da wir an einer einvernehmlichen und kundenfreundlichen Lösung interessiert sind.“

Der Zug ist aber schon lange abgefahren, denn Steiner hat in den letzten Jahren viele Gespräche mit den ÖBB geführt. Zu der Frage, was man denn jetzt noch an Schritten setzen möchte, gab es von Seif keine Antwort mehr.

Hätte man die Verhandlungen mit der ÖBB geschafft, mache dann aber die NÖVOG als Eigentümer der Bahnstrecke extreme Probleme und einen Transport unwirtschaftlich. Zur Erklärung: Es gibt „Belastungstafeln“ für Lokomotiven, die besagen, wieviele Tonnen bei welcher maximalen Steigung einer Bahnstrecke transportiert werden können.

„NÖVOG war hier zu keinem Konsens bereit“

„Die NÖVOG hatte hier alte Tafeln von den ÖBB übernommen, die noch aus den Zeiten des Personenverkehrs auf der Strecke stammen. Dort wurde auch die Zeit mit eingerechnet, damit die Personenzüge plangerecht fahren konnten!“ In den alten Tafeln der ÖBB stehen für den damals geplanten Lokomotivtyp 320 Tonnen zulässiges Maximalgewicht für den gesamten Zug. In der technischen Spezifikation des Lokomotivtyps stehen hingegen zirka 650 Tonnen.

Bei den Tonnen geht es vor allem um die Anfahrtsgeschwindigkeiten, die bei höherem Gewicht auch deutlich abnimmt. „Nur 320 Tonnen bei einem Fixpreis pro Zugfahrt anzuhängen, wäre nicht wirtschaftlich. Die NÖVOG war hier zu überhaupt keinem Konsens bereit und beharrte auf der alten Tabelle. Da habe ich dann endgültig gemerkt, dass sie nicht wollen“, so Steiner.

NÖVOG-Pressesprecherin Brigitta Pongratz erklärt, dass seit der Übernahme von der ÖBB 2010 die Strecke als Anschlussbahn für den Güterverkehr bereit gehalten wurde. „Trotz teilweise sehr intensiver Gespräche ist in drei Jahren keine Nutzung zustande gekommen. Leider hat keine Idee von Peter Steiner ein Ergebnis gebracht.“

Die NÖVOG fungiere hier ausschließlich als Betreiberin der Infrastruktur und führe selbst keinen Güterverkehr durch. „Da keine greifbare Nachnutzung in Sicht ist, führt die NÖVOG vorläufig keine Erhaltungsarbeiten an der Strecke durch. Es ist aber jederzeit möglich, die Befahrbarkeit wieder herzustellen“, so Pongratz abschließend.