Die Geheimnisse der Freimaurer gelüftet. Wer sind die Freimaurer, was sind ihre Ziele und wie kann man beitreten? Ein Treffen mit einem Mitglied im ältesten „Tempel“ Europas: Schloss Rosenau.

Von Markus Füxl. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:55)

Um sie ranken sich viele Legenden, der Name alleine bietet Stoff für Hollywood-Drehbücher und manche sehen in ihren Symbolen Anknüpfungspunkte für weltweite Verschwörungen: Die Rede ist von den Freimaurern. Ein „Zentrum“ des Bundes befindet sich im Waldviertel, im Schloss Rosenau. Die NÖN begab sich auf Spurensuche.

„Freimaurer sind angehalten, sich auf Basis der Ideen der Aufklärung ihrer menschlichen Vervollkommnung zu widmen und für Humanität und Toleranz zu wirken“, erklärt Max Palla. Er ist Obmann des Museumsvereins Schloss Rosenau und selbst Freimaurer. Dass die Gesellschaft, die es seit dem frühen 18. Jahrhundert gibt (siehe Infobox), einen Nährboden für Verschwörungstheorien bietet, ist für Palla keine Überraschung: „Wir haben keine PR-Abteilung und verstehen uns als diskret.“ Deshalb ist es auch verpönt, andere „Brüder“ als solche zu bezeichnen.

Der älteste Freimaurertempel in Europa

Aktuell ist Palla mit den letzten Vorbereitungsarbeiten vor der Öffnung am 19. Mai beschäftigt. „Der Lockdown war für uns ein finanziell harter Schlag“, sagt er. Seit bald 50 Jahren ist im Schloss das Österreichische Freimaurer Museum untergebracht, das jährlich tausende Besucher zählt. Es ist zugleich der älteste Freimaurertempel in Kontinentaleuropa – obwohl die Geschichte eigentlich „zufällig“ freigelegt wurde: Eine Sanierung des Barockschlosses in den 1970er Jahren fördert unter vielen Schichten Übermalungen Fresken mit eindeutig freimaurerischen Symbolen zu Tage. Es wurde auch ein Ritualraum, der bei den Freimaurern „Tempel“ genannt wird, aus der Entstehungszeit um 1740 entdeckt.

Dieser Tempel dient noch heute für rituelle Zusammenkünfte: „Etwa 20 Mal im Jahr kommen dort Freimaurer zusammen. Dann wird ein Referat zu einem interessanten Thema gehalten, später wird darüber diskutiert. Es finden keine Frauenschändungen oder Teufelsanbetungen statt“, erklärt Palla mit einem Augenzwinkern.

Im Tempel selbst gibt es viele Symbole: Sonne, Mond, Achterknoten und natürlich die bekanntesten Zeichen: Das Winkelmaß und der Zirkel, die an den Beruf der Steinmetze erinnern sollen. Vor dem Sessel des sogenannten „Meister des Stuhls“, der die Zusammenkünfte leitet, liegt ein heiliges Buch: „Das kann die Bibel, aber auch der Koran oder die Tora sein“, erklärt Palla. Auch die Bekleidung ist rituell: Ein entsprechender Schurz sowie weiße Handschuhe sind nur zwei der vielen Ausstellungsgegenstände.

Drei schwarze Kugeln bedeuten das Aus

Und wie wird man überhaupt Freimaurer? „Man muss von einem Mitglied empfohlen werden. In drei Gesprächen wird dann das Aufnahmeansuchen geprüft“, erklärt Palla. Damit ist es noch nicht geschafft: Dann stimmen die Mitglieder ab, mit weißen und schwarzen Kugeln. Eine einfache Mehrheit ist nicht genug: Bekommt ein Kandidat drei schwarze Kugeln, ist es vorbei und die Aufnahme gescheitert.

Als Vorbereitung des Kandidaten für die Aufnahme in den Bund der Freimaurer gibt es die sogenannte „Dunkle Kammer“: Umgeben von Symbolen der Vergänglichkeit, wie etwa einem Totenkopf oder einer Sanduhr, muss der Kandidat sein Leben überdenken und seinen Entschluss zum Beitritt noch einmal genau überprüfen.

Portisch, Böhm und Mozart. Die Mitgliedschaft wird üblicherweise erst nach dem Tod bekannt gegeben. Berühmte Mitglieder der Freimaurer sind etwa der Journalist Hugo Portisch, der Schauspieler Karlheinz Böhm und Wolfgang Amadeus Mozart – dem Wunderkind aus Salzburg ist ein eigener Bereich in der Ausstellung gewidmet. So sind Anwesenheitslisten, die seine Teilnahme an Treffen dokumentieren, ebenso ausgestellt wie ein handschriftliches Werkverzeichnis sowie ein persönlicher Eintrag Mozarts in einem Stammbuch.

Von London in die Welt

Aktuell gibt es in Österreich rund 4.000 Mitglieder in 78 Logen, die näheste zum Bezirk Zwettl befindet sich in Krems. Seinen Ursprung hat die Freimaurerei in England: 1717 kam es zum Zusammenschluss von vier Londoner Logen zu einer Großloge – die Initialzündung für die weltweite Ausbreitung. „Wir agieren nicht als Vereinigung, sondern durch jeden Einzelnen“, erklärt Palla die Kraft der Freimaurer.

Ihre Auswirkungen sieht man heute aktueller denn je: So diente etwa das Kinderasyl im Kahlenbergerdorf, gegründet von der Loge „Humanitas“ 1875, als Vorbild für das heutige SOS-Kinderdorf. Aktuell ist eine Sonderausstellung zum 150-jährigen Jubiläum der „Humanitas“ im Schloss Rosenau eingerichtet.