Gedenktafel: Verwundert über Namen

Nicht im Krieg gefallen, aber trotzdem auf Gedenktafel bei Schloss Rosenau – kein Einzelfall.

Anna  Hohenbichler
Anna Hohenbichler Erstellt am 09. Oktober 2021 | 06:43
Schloss Rosenau - Verwundert über Namen
Auf dieser Gedenktafel findet sich der Name Georg Ritter von Schönerer.
Foto: Joachim Brand

Was als beschaulicher Spaziergang rund um das Schloss Rosenau geplant war, wurde eher zu einer Überraschung für die Historikerin Ilse Krumpöck: Am Kriegerdenkmal beim Aufgang zum Schloss hat sie unter den Namen der Opfer des Ersten Weltkrieges auch Georg Ritter von Schönerer entdeckt.

Zu später Todestag & „falsche“ Todesursache

Seinem Antisemitismus und seiner Rolle als Vorbild für den Nationalsozialismus hat sich Krumpöck schon in mehreren Büchern gewidmet. Was die Erwähnung des Namens auf diesem Denkmal für sie noch unverständlicher macht: „Er hat im Ersten Weltkrieg nie eine Rolle gespielt, geschweige denn kam er in diesem zu Tode. Soviel ich weiß, starb der Gutsherr von Rosenau erst am 21. August 1921.“ Auch sein gleichnamiger Sohn könne nicht gemeint sein, da dieser zwar 1918 gestorben sei – allerdings an der Spanischen Grippe. Keiner der beiden habe die Berechtigung, auf der Tafel vermerkt zu sein. „Die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, die auf derselben Tafel stehen, würden sich im Grab umdrehen, wenn sie wüssten, dass der Gutsherr mit ihnen gemeinsam genannt ist“, meint Krumpöck.

Was sagt man im Schloss Rosenau zum fraglichen Namen am Kriegerdenkmal? Es bestehe unabhängig vom Schloss, betont die dortige Pächterin Monika Gressl: Man kenne Georg Ritter von Schönerers Geschichte freilich und wolle ihm deshalb im Schloss ohnehin keinen Platz bieten.

Ein wenig Licht ins Dunkel bringt das „Schwarze Kreuz“ – ein Verein, der sich unter anderem der Erhaltung von Grabstätten gefallener Soldaten beschäftigt. Dessen Vizepräsident Stefan Karner betont: „Es dürfte sich um Georg Schönerer jun. handeln. Der ist im engeren Sinn nicht ‚gefallen‘. Nur wie geht man mit dem Gedächtnis an Angehörige der k.u.k.-Armee, und das war Schönerer zum Zeitpunkt seines Todes, um?“ Dass der vom Krieg körperlich geschwächte Schönerer der Spanischen Grippe erlegen ist, sei kein Einzelfall: „Ich bin mir sicher, es finden sich auf vielen Kriegsgräberdenkmälern Namen von ‚Gefallenen‘, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatten“, erklärt Karner. Wie Personen gedacht wird, die zu Kriegszeiten an Seuchen oder Naturereignissen gestorben sind, sei komplex. Und kann auch in die gegenseitige Richtung gehen – welche Namen nicht aufscheinen: „Wie gedenkt man derer, die in Kriegsgefangenschaft verstorben sind?“