Rad mit Müll verwechselt

Paketbote nahm an Stromkasten lehnendes Rad in Schönbach mit. Einigung und Freispruch.

Erstellt am 20. November 2021 | 04:11
Schönbach - Rad mit Müll verwechselt
Diebstahl oder Missverständnis? – Über ein verschwundenes
Fahrrad wurde am Zwettler Bezirksgericht verhandelt.
Foto: Markus Füxl

Der Angeklagte U. beteuert seine Unschuld: „Wenn ich gewusst hätte, dass das Rad jemandem gehört, hätte ich es nie genommen.“

Der Mann mit ausländischer Herkunft habe laut Anklage ein Fahrrad in Schönbach gestohlen. Der Besitzer, der 17-jährige P., erklärt, dass er das Rad immer unversperrt an einen Stromkasten gelehnt habe, bevor er mit Kollegen in die Arbeit gefahren ist. Eines Tages war das Rad am Abend plötzlich weg. „Ich habe das Rad 2015 gebraucht gekauft. 50 Euro war es damals wert, die hätte ich jetzt gerne“, erklärt P.

Das Rad lag zwei, drei Monate lang unversperrt herum. Die Reifen hatten keine Luft mehr, die Bremsen funktionierten nicht…“

Ganz unbescholten ist der Angeklagte nicht: Acht einschlägige Vorstrafen gehen auf sein Konto, darunter Diebstahl und versuchter Diebstahl. Acht Jahre lang habe er sich nichts zuschulden kommen lassen, betont er. „Damals war ich ein Asylwerber und hatte nur 40 Euro im Monat. Das war mir zu wenig“, erklärt U.

Fahrrad verschwand auf dem Hauptplatz

Aktuell arbeitet er als Paketzusteller. Bei seinen Lieferungen sei ihm das Fahrrad aufgefallen: „Es lag zwei oder drei Monate lang unversperrt herum. Die Reifen hatten keine Luft mehr, die Bremsen funktionierten nicht mehr. Ich dachte, es handelt sich um Sperrmüll“, beteuert U. Er lud das Rad ein und fuhr nach Bad Traunstein. „Dort musste ich Pakete abholen, und das Rad hat gestört.“ Der Angeklagte habe das Fahrrad ausgeladen und zwischen weitere Räder auf dem Hauptplatz geschoben. Aufgetaucht ist es seitdem nicht mehr. „Wenn ich tatsächlich ein Rad stehlen wollte, hätte ich es bei Nacht oder in Wien gemacht“, erklärt U.

Der Richter macht dem Angeklagten das Angebot, einen symbolischen Betrag an P. zu bezahlen – exakt 50 Euro: „Um die Sache aus der Welt zu schaffen.“ U. akzeptiert und wird nach dem Paragrafen der tätigen Reue freigesprochen. Rechtskräftig.