Josef Schaden: „Austausch umso wichtiger“. Bürgermeister Josef Schaden spricht über Änderungen im Alltag und das kommende Gemeinde-Jubiläum.

Von Sebastian Dangl. Erstellt am 27. Februar 2021 (04:11)
Josef Schaden blickt zurück auf das Jahr 2020.
Gemeinde Schweiggers

Sicherheit durch Information. Das war der Grundsatz von Bürgermeister Josef Schaden zu Beginn von Corona und ist er auch jetzt noch. Im Gespräch mit der NÖN erklärt er, warum seine Arbeitsweise nicht zu Corona passt und wie die Gemeinde Schweiggers ihr großes Jubiläum feiern wird.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als im März 2020 der erste Lockdown verkündet wurde?

Josef Schaden: Es war doch sehr überraschend. Im Vorfeld hat man ja schon einiges gehört, was da auf uns zukommt, aber dass es uns dann wirklich so hart trifft, hätte ich mir nicht gedacht. Meine ersten Gedanken waren, wie wir mit dieser völlig neuen Situation umgehen sollten.

Wie würden sie das Jahr im gesamten resümieren?

Schaden: Das erste Wort, dass mir einfällt, wäre „anders“. Es war herausfordernd, hat aber auch gezeigt, dass man gemeinsam und mit Zusammenhalt viel bewältigen kann. Wir haben Dinge umgesetzt, die vorher immer als unmöglich galten.

Hat sich auch die Arbeitsweise eines Bürgermeisters während der Pandemie verändert?

Schaden: Natürlich. Ich arbeite schon immer gerne im Team. Mir ist es auch ganz wichtig, dass sich jeder einbringen kann und wir Lösungen gemeinsam erarbeiten. Dass das Arbeiten in der Gruppe nicht mehr so möglich war, war für mich die größte Umstellung. Eine weitere Herausforderung des letzten Jahres war es, den Menschen Sicherheit zu geben. Sicherheit geben heißt auch Informationen geben, damit man die Bevölkerung nicht alleine lässt. Da ist wieder die Kommunikation, sei es über Whatsapp, die Homepage der Gemeinde oder Aussendungen, essenziell. Wir haben über diese Medien immer wieder gefragt, wie wir helfen können. Niemand hat zu Beginn gewusst, wie man mit der Situation umgeht. Da war der gegenseitige Austausch umso wichtiger.

Sind 2020 trotz der Krise einige Vorhaben der Gemeinde umgesetzt worden?

Schaden: Wir hatten 2020 viel vor. Das Jahr markierte auch den Beginn einer neuen Amtsperiode nach der Wahl zu Beginn des Jahres. Es war dadurch auch ein Jahr der Neustrukturierung. Im Sommer starteten wir mit einem großen Langzeitprojekt, dem Gemeindentwicklungsprozess „Gemeinde 21“. Aus meiner Sicht verlief das sehr erfolgreich. Das große Bauprojekt des letzten Jahres war die Sanierung und Neuadaptierung des Rathauses. Dabei wurde unter anderem die Fassade erneuert und die Wärmedämmung verbessert. Am wichtigsten dabei war aber sicher der Ausbau der Kanzlei, die wir dadurch auf den neuesten Stand gebracht haben. Mit den Projekten für 2020 bin ich im Nachhinein höchst zufrieden. Mir würde jetzt nichts einfallen, dass wir am Ende nicht umgesetzt haben.

Wie ist Schweiggers im Hinblick auf Ansteckungen durch das Jahr gekommen?

Schaden: Wenn ich jetzt zurückdenke, hatten wir erst sehr spät den ersten Coronafall im Laufe des Herbstes. Bevölkerungsmäßig ist Schweiggers an dritter Stelle im Bezirk, weshalb das doch positiv hervorzuheben ist. Lange waren wir also komplett coronafrei. Insgesamt hatten wir bis heute etwa 70 Fälle in der Gemeinde. Größere Cluster hatten wir zum Glück noch keine. Wichtig ist, dass man gerade im schulischen Bereich genau aufpasst. Meines Wissens nach, war auch noch keiner der Krankheitsverläufe schwerwiegend. Ich muss dazu sagen, dass ich als Kontaktperson schon dreimal betroffen und in Heimquarantäne war. Ich weiß, was das für eine Herausforderung ist, kann aber glücklicherweise für meine Firma im Home-Office arbeiten.

Sie bieten in Schweiggers mittlerweile auch eine Testraße an. Wie läuft der Betrieb?

Schaden: Die Massentests im Dezember wurden ja nicht so gut angenommen. Wir merkten aber schon mehr Zuspruch im Vergleich vom zweiten auf das erste Mal. Es ist wichtig, dass man den Zugang zu den Teststraßen so leicht wie möglich macht, weshalb wir uns dafür entschieden, auch eine anzubieten.

Wie lief die Organisation der Teststraßen ab?

Schaden: Bei uns beruht alles auf freiwilliger Basis. Ich habe damals bei den Massentests eine Ausschreibung gemacht, bei der sich 30 Personen fanden. Jene habe ich wieder angeschrieben und innerhalb einer halben Stunde meldeten sich erneut 15 Freiwillige. Die Tests selbst finden einmal die Woche am Montag statt. Letztens ließen sich knapp 300 Menschen in den vier Stunden testen. Das Angebot hat eine sehr positive Wirkung auf die Gemeinde.

Welche Projekte sind für 2021 geplant?

Schaden: Wir wollen eine Photovoltaikanlage mit Bürgerbeteiligung errichten. Die Planung ist bereits abgeschlossen und das Projekt damit auf Schiene. Jetzt fehlt nur mehr die Umsetzung. Auch im Bauhof wollen wir die maschinelle Ausstattung verbessern. Wir brauchen zum Beispiel einen neuen Gemeindetraktor. Auch die Anschaffung eines Kombigerätes zum Rasenmähen, Straßenkehren, Schneeräumung und Ähnlichem ist geplant.

Heuer feiert Schweiggers das 50-jährige Jubiläum der Großgemeinde. Sind Feierlichkeiten geplant?

Schaden: Ja und sogar noch viel mehr. Im Zuge des Jubiläums wollen wir ebenfalls ein paar neue Projekte umsetzen. Es soll nicht nur gefeiert werden, was vielleicht ohnehin nicht so möglich sein wird. Zum Beispiel haben wir vor, mehr Leben auf unseren wunderschönen Marktplatz zu bringen. Das wollen wir auch mit Bürgerbeteiligung umsetzen. Eine Idee, wäre da die Umsetzung eines Monatsmarktes. Zum Zweiten wollen wir auch die Marke Schweiggers fördern, die Stärken der Gemeinde hervorheben. Mit einem neuen Logo wollen wir Schweiggers ein neues Erscheinungsbild geben.

Wie werden die Feierlichkeiten selbst aussehen?

Schaden: Wir planen eigentlich schon seit dem letzten Sommer. Jede Katastralgemeinde soll bei den Feiern gleichermaßen zum Zug kommen. Wir hoffen, dass die Coronazahlen im Sommer auch ein größeres Fest zulassen. Die Jubiläumsfeier soll zeigen, wie sich die sechs ehemaligen Gemeinden entwickelt haben und wie wir zusammengewachsen sind.