Fischer über Borkenkäfer: „Muss Hirn ausschalten“. Forstexperten diskutierten in Schweiggers. Sie forderten höhere Holzpreise.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Dezember 2019 (22:13)
Gerald Dirnberger, Johannes Schima, Axel Schopf, Hans Mayerhofer, Gottfries Waldhäusl, Ernst Wagendristel undChristian Boigenzahn (sitzend von links). Josef Schaden, Gerald Blaich, Karl Eder, Franz Fischer, Werner Löffler, Lorenz Mayr, Dietmar Hipp, Dietrich Waldmann, Herbert Mandl, Peter Witasek, Andreas Pringer, Günther Hahn und Johannes Schachel (stehend von links).
Martina Hofer

Zerstört der Borkenkäfer das Waldviertel? Dieser Frage stellte Firma Bramburi gemeinsam mit top agrar Österreich im Gemeindesaal.

Bezirksbauernobmann Dietmar Hipp erklärte, dass der Befall im Bezirk Zwettl 2019 selbst in Seehöhenlagen von 600 Metern „so richtig in die Fläche gegangen ist. Wenn es so weitergehe, sei der Borkenkäfer bald in den Gunstlagen der Fichte in 800 Metern angekommen.

Über die Ausmaße des Borkenkäferbefalls berichtete Gerald Blaich, Oberförster des Stiftes Zwettl. Von den zuletzt geschlägerten 15.000 Festmeter Fichtenholz waren 14.000 Schadholz, so Blaich. Seiner Meinung nach wird man die Fichte „in Höhenlagen von 700 bis 800 Meter nur schwer halten können“. Die Klimakurve gehe langfristig steil nach oben.

Bei der Bekämpfung zählt Geschwindigkeit

Durch fehlendes Wasser und zu heiße Temperaturen werde die Fichte so stark geschwächt, dass der Borkenkäfer leichtes Spiel habe. Hinzu komme ein langsames Reagieren der Verantwortlichen. „Die Bäume müssen sofort raus aus dem Wald, wenn erstes Bohrmehl zu sehen ist.“ Zu den Bekämpfungsmaßnahmen meinte Blaich, dass Pheromonfallen nützlich seien, um den Flugzeitpunkt der Käfer und die Stärke des Auftretens zu bestimmen. Für eine direkte Bekämpfung eignen sich Nützliche wie die Brackwespe und der Ameisenbuntkäfer oder Spechte. Wirksam seien auch insektizide Netze.

Die Zukunft liegt im Mischwald

„Mit Laubwald kann man ähnliche Erträge erzielen wie mit Fichte“, so Blaich. Wichtig seien dafür Maßnahmen wie Formschnitt und Wertastung. Werner Löffler, Forstdirektor der Landwirtschaftskammer NÖ, appellierte an die Holzindustrie: „Die Preise für Holz müssen nachhaltig steigen, sonst wird bald keiner mehr in den Wald gehen.“

In die gleiche Kerbe schlug Franz Fischer, Obmann des NÖ Waldverbandes: „Ich kann es nicht verstehen, dass der Holzpreis so niedrig ist. Bei 40 Euro pro Festmeter muss man ja das Hirn ausschalten, um es zu verkaufen. Sobald wir das Holz aus der Hand geben, verdienen alle in der Kette Geld damit, außer uns. Das ist nicht fair“, so Fischers Wink Richtung nachgelagerter Bereich.

Wie das Landwirtschaftsministerium die Betriebe unterstützt, erläutere Johannes Schima. Für die Jahre 2018 bis 2020 ist ein Trockenpaket im Ländliche Entwicklung Förderprogramm beschlossen.