Sprengloch wurde zur Falle

Erstellt am 11. Juli 2012 | 00:00
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PANZERUNFALL /  Eine Verkettung tragischer Umstände kostete einem jungen Allentsteiger das Leben. Eine Untersuchungskommission arbeitet an der Klärung des Unfalls.
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ALLENTSTEIG / Zu einem tragischen Panzerunfall kam es am vergangenen Donnerstag auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig. Ein voll besetzter Schützenpanzer versank während einer Ausbildungsfahrt in einem Schlammloch. Für den 21-jährigen Panzerfahrer Michael Schober aus Allentsteig kam jede Hilfe zu spät. Er besaß zum Unfallzeitpunkt keine militärische Fahrberechtigung.

Der Unfall ereignete sich am 5. Juli gegen 10 Uhr während einer Fahrt zur Beobachterausbildung der Rekruten im Bereich Kirchenholz, nur wenige hundert Meter von der Liechtensteinkaserne entfernt. Der Schützenpanzer brach plötzlich in ein mit Schlamm und Wasser gefülltes und mit Buschwerk bedecktes Sprengloch mit einem Durchmesser von sieben Metern ein. Der Panzer verschwand förmlich von der Oberfläche.

Panzerfahrer Michael Schober hatte keine Chance. Er wurde, laut Feuerwehr, eingeklemmt und von den Erdmassen vollständig begraben. 20 Minuten nach dem Unfall traf ein Bergepanzer ein und zog den Schützenpanzer aus dem Loch. Erst jetzt konnte der Fahrer geborgen werden.

Laut einem Zwischenbericht der Untersuchungskommission zum Unfallhergang war das Loch für die Panzerfahrer und den Kommandanten nicht erkennbar, da der Boden stark durchnässt war.

Auch in den Kommandantenraum drang Morast und Schlamm ein. Der 27-jährige Panzerkommandant, ein Wachtmeister aus dem Bezirk Krems, steckte im Schlamm und wurde nach der Bergung mit dem Rettungshubschrauber in des Krankenhaus Krems geflogen. Es stellte sich aber heraus, dass er nur leichte Verletzungen davontrug. Die vier Grundwehrdiener, die aus den Bezirken Freistadt und Zwettl stammen, befanden sich im Freien. Sie sprangen nach dem Unfall vom Panzer ab und blieben unverletzt. Sofort leisteten sie dem Kommandanten Erste Hilfe. Sie werden seit dem Unfall psychologisch betreut.

Vom Bundesheer wurde sofort eine Untersuchungskommission zur Klärung des Unfallherganges eingesetzt., die zu folgenden Erkenntnissen kam: „Der getötete Soldat hatte keine gültige Fahrberechtigung“.

„Der zivile Führerschein war dem jungen Mann im vergangenen Jahr abgenommen worden“, meinte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Damit verbunden war auch der Entzug der militärischen Fahrberechtigung. Obwohl er seit Mai den normalen Führerschein wieder besaß, sollte er erst Mitte Juli den Militärführerschein erhalten. Das Verteidigungsministerium will nun klären, wer dem Soldaten die Fahrerlaubnis erteilt hat.

Tragisches Detail am Rande: Der Bruder des Verunglückten, Thomas, kam mit der Feuerwehr Allentsteig zum Unfallort und erfuhr an Ort und Stelle vom tragischen Tod seines Bruders.

Michael war ehrgeizig  und zeigte Charakter

Der verunglückte Michael Schober war beim SV Waidhofen (1. NÖN Landesliga) als Tormann aktiv. Wenige Stunden nach dem Unfall zeigten sich Leopold Streicher, Obmann des SV Waidhofen und sein Stellvertreter Andreas Hanisch bestürzt, beide sprachen im NÖN-Interview von einer „menschlichen Tragödie“. „Mir fehlen die Worte“, so Hanisch, „Michael war ein toller, ehrgeiziger Spieler, der sich von der 2. Klasse bis in die 1. Landesliga gekämpft hat, ein Super-Charakter und ein Mensch mit Handschlag-Qualität!“

Das Mitgefühl der Vereinskollegen und Freunde gelte in dieser schweren Zeit zu allererst der Familie, die die Karriere des jungen Tormanns auch am Fußballplatz mitverfolgt hatte.

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