Nach vor und zurück: Lesung in Zwettl. Stabauers Werk reicht bis in die Zukunft. Steinbacher erforscht Vergangenheit ihrer Charaktere.

Von Maria Moll. Erstellt am 17. Oktober 2020 (05:09)
Martin Anibas (Mitte) begrüßte die Schriftsteller Lydia Steinbacher und Luis Stabauer zur „Waldviertellesung 2020“ in der Galerie blaugelbe.
Maria Moll

Martin Anibas begrüßte am vergangenen Samstagabend „unter etwas anderen Umständen“ die Schriftsteller Lydia Steinbacher und Luis Stabauer zur „Waldviertellesung 2020“ in der Zwettler Galerie blaugelbe.

„Lydia Steinbacher und ich hatten zwar über die sozialen Medien Kontakt, doch heute treffen wir uns das erste Mal persönlich“, merkte Stabauer an. Beiden gemeinsam war die Freude darüber anzusehen, dass sie ihre jüngsten Werke endlich der Öffentlichkeit in einer Lesung präsentieren konnten.

Stabauer wurde 1950 in Seewalchen am Attersee geboren. Er absolvierte die Lehre zum Fernmeldemonteur, wurde später Betriebsratsvorsitzender, arbeitete im mittleren Management der Telekom und machte sich 2003 als Berater, Trainer und Coach selbständig. „Lyrik hat mich schon lange beschäftigt. Seit 2007/08 schreibe ich intensiver“, sagt er.

Als Meilenstein in seiner diesbezüglichen Entwicklung bezeichnet der Literat den Besuch der Akademie für Literatur in Leonding 2011/12 sowie deren Masterclass 2019. „In der Schreibwerkstatt kann man Grundwerkzeug für das literarische Schaffen erwerben und man erfährt konstruktive Kritik mit Würde“, betont Stabauer.

In der „Blaugelben“ liest der besonders an Zeitgeschichte interessierte Autor aus „Brüchige Zeiten“, erschienen Anfang September 2020. Die Erzählung beginnt 2018 und reicht bis in die Zukunft.

Stabauer beschreibt das Leben der spanischstämmigen Lehrerin Lucía, 40, geschieden und ohne Job, die auch ihren 17-jährigen Sohn Fabian zu verlieren droht, weil beiden das Erstarken nationalistischer Bewegungen Probleme bereitet. Lucía tauscht ihre Wiener Wohnung gegen ein Wohnmobil und begibt sich quer durch Europa auf die Suche nach einer möglichen Zukunft.

Steinbacher las aus ihrem ersten Prosaband

Lydia Steinbacher, die früh Erfahrungen mit eigenem literarischen Schaffen in der Schreibakademie NÖ gesammelt hat, ist in Hollenstein bei Waidhofen an der Ybbs aufgewachsen. 2014 trat sie in die Literaturszene ein. Heute lebt die 27-Jährige in Wien, wo sie Deutsche Philologie studiert und als Sprachlehrerin und Fotografin tätig ist.

In Zwettl liest sie eine der 20 Erzählungen aus ihrem ersten Prosaband „Schalenmenschen“ mit dem Zentralmotiv „zwischenmenschliche Beziehungen“. In detaillierter, klarer Personenbeschreibung zeichnet Steinbacher die Charaktere ihrer Darsteller und bringt in Rückblenden immer wieder neue „Schichten/Schalen“ zutage. Zum Abrunden ihrer Lesung präsentiert sie Gedichte aus ihren beiden Lyrikbänden „silex“ und „Im Grunde sind wir sehr verschieden“.