Ärzte-Streit und freche Wächter im alten Zwettl . Bei einem Stadtrundgang erklärte Ex-Stadtarchivar Friedel Moll, wie heftig im alten Zwettl gestritten wurde. Ehre beleidigt

Von Martina Hofer. Erstellt am 08. August 2019 (04:45)
Martina Hofer
zum Stadtrundgang „Streitbares Zwettl“ mit Friedel Moll.

Der Stadtrundgang in Zwettl stand am 2. August unter dem Motto „Streitbares Zwettl“ und handelte von Konflikten, die es in der Stadt früher gab. Gemeinderätin Silvia Moser begrüßte die Gäste. Ex-Stadtarchivar Friedel Moll führte die Besucher durch die Stadt.

Die Quellen zu den Geschichten finden sich in den Gemeinderatsprotokollen, die es ab 1553 gibt. „In früherer Zeit ist man wegen allen möglichen Kleinigkeiten zu Gericht gegangen, weil die persönliche Ehre einen anderen Stellenwert hatte als heute“, erklärte Moll. Wurde früher jemand öffentlich beleidigt, musste man vor Gericht gehen und diesen Fleck, den man auf der Ehre hatte, wieder wegwaschen. Daher gibt es unzählige Eintragungen in den Ratsprotokollen. Die Vorgeschichte hat der Ex-Stadtarchivar mühsam aus zerstreuten Notizen in der Literatur zusammengesucht. Friedel Moll erzählte, dass die Streitfälle vor allem in Wirtshäusern ausgebrochen waren. Es waren „B’soffene G’schichten“, wie es sie auch heute auch noch gibt.

Schlosser hielt unerlaubt Schweine

Der Stadtrundgang begann beim Hundertwasserbrunnen und führte in Richtung Pfarre. Das sogenannte „Schubert Stüberl“ war Zwettls erste Schule. Als dieses Haus verkauft wurde, zog der Schlosser Matthias Klinger ein, der mit seinem Handwerk rücksichtlos Lärm erzeugte und Schweine hielt. Es gab deshalb einen massiven Konflikt zwischen dem Pfarrer Dominik Ertl und Klinger. Das Kreisland entschied, dass in diesem Haus weder ein Gewerbe betrieben werden darf, das Lärm erzeugt, noch dass in dem Haus Schweine gehalten werden dürfen.

In der Landstraße beim heutigen Sportgeschäft Kastner veranschaulichte Moll, wo sich das alte Stadttor befand. Im 30-jährigen Krieg waren die Tore streng bewacht. Eines Tages verließ der Stadtrichter Benedikt Köppel die Stadt und der Torwächter Philip Neumann, sperrte das Tor zu. Erst am nächsten Tag konnte Köppel wieder zurück in die Stadt und war fuchsteufelswild. Er rief den Rat zusammen und warf Neumann vor, sich falsch verhalten zu haben, weil er nicht auf den Stadtrichter gewartet habe.

Neumann gab frech zur Antwort, dass seine Gewissenhaftigkeit so manches Unglück verhindert hätte und traf damit einen wunden Punkt. Am Beginn des 30-jährigen Kriegens hatten die feindlichen Böhmen nämlich den Torwächter beim Oberhofer Tor überlistet. Neumann musste sich deshalb bei allen Stadträten für diese Anspielung entschuldigen und musste Abbitte leisten. Man verurteilte ihn außerdem zu einer Arreststrafe und er musste vier Reichstaler Strafe zahlen.

Der Weg führte zurück zum Hauptplatz und durch die Hamerlingstraße. Moll berichtete dort vom Tischler Ignatz Bockfuß aus dem Jahr 1787, der zwei zerstrittene Mediziner dazu brachte zusammenzuarbeiten, um dessen Frau zu retten.

Beigelegter Streit rettete Frau das Leben

Kurz bevor die Frau krank wurde, kam der junge Wundarzt Peter Wiblishauser nach Zwettl. Er zeigte den Apotheker Karl Dornwaltner an, der sich bis dahin um die Kranken gekümmert hatte, weil er die Menschen unerlaubterweise auch medizinisch behandelt hatte. Damit war das Verhältnis vergiftet.

Um die Frau zu retten, sprang der Wundarzt auf Bitten des Tischlers über seinen Schatten und hat den Apotheker um Hilfe gebeten, nachdem die Frau seine Medizin nicht vertragen hat.

Der Stadtrundgang endete im Garten der Zwettler Grünen. Friedel Moll freute sich, dass er wieder eine Stadtführung halten durfte. Nachdem er vor zwei Jahren angekündigt hatte, keine Führungen mehr halten zu wollen, bekam er zuletzt das Gefühl, dass ihm etwas fehlte.

Ein weiterer Stadtrundgang zum streitbaren Zwettl findet noch am Freitag, 9. August um 19 Uhr statt. Treffpunkt: Hundertwasserbrunnen. Anmeldung sind unbedingt unter der Telefonnummer 0660/7106174 erforderlich.