Forschungseinrichtung: Diesel aus Käferholz. Kleinregion Waldviertler Kernland und Verein zur Förderung des Waldes wollen sich um Standort für 30 Millionen Euro schweres Forschungslabor bewerben. Bei einem ersten Treffen wurden Ideen gesammelt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 17. August 2020 (10:52)
Dieter Holzer, Josef Hofbauer, Doris Maurer, Lukas Brandweiner, Christian Seper, Franz Vieghofer und Josef Beneder sammelten erste Ideen für eine Bewerbung um eine Forschungsanlage in der Region.
Markus Füxl

Wohin mit dem Schadholz? Diese Frage stellt sich für borkenkäfer-geplagte Forstwirte seit Jahren. Auf der Suche nach Antworten erarbeitete die Technische Universität Wien eine Studie, die zeigt, dass die Eigenversorgung der Land- und Forstwirtschaft mit Holzdiesel und Holzgas technisch möglich ist.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger möchte im Westen Niederösterreichs eine Forschungseinrichtung bauen lassen. 30 Millionen Euro stellt das Ministerium dafür aus dem Waldfonds zur Verfügung, die NÖN hat berichtet.

Wo die Anlage stehen soll, ist noch nicht fix. Das Waldviertler Kernland möchte gemeinsam mit dem Verein zur Förderung des Waldes mitmischen und organisierte am 13. August einen ersten Infoabend für die Bürgermeister der Region. „Ich glaube, dass durchaus Chancen da sind, helfen wir zusammen“, sagte Kernland-Obmann Christian Seper.

Wie funktioniert die Anlage?

Mit einer 100 Megawatt (MW) starken Anlage könnte aus Käferholz Diesel für die Landwirtschaft produziert werden. Die Produktionskosten lägen laut der Studie zwischen 1,15 bis 1,40 Euro pro Liter, die 90 Prozent weniger Treibhausgase als herkömmlicher Diesel zu verantworten hätten. Für einen Liter Diesel müssen ungefähr vier Kilogramm Holz verarbeitet werden. Die Holzgas-Produktionskosten liegen zwischen 65 und 80 Euro pro Megawattstunde.

ÖVP-Abgeordneter Brandweiner: "Müssen alle dafür kämpfen"

Nationalratsabgeordneter Lukas Brandweiner erklärte: „Wenn wir das bei uns haben wollen, müssen wir alle dafür kämpfen.“ Erst wenn das Ministerium Richtlinien für einen geeigneten Standort veröffentlicht, könne eine Bewerbung darum abgestimmt werden.
Dass das Labor und weitere Produktionsanlagen Druck aus dem überforderten Holzmarkt nehmen würden, darüber war man sich einig. Josef Beneder von der WWG-Holz Handels GmbH sagte: „Holz ist derzeit nicht verkaufbar. Bis 2016 hatten wir gute Jahre, die Zeit der schwarzen Null ist aber vorbei.“

Auch wenn sich die Lage um den Käfer zuletzt leicht entspannt hatte, warnte Stora Enso-Betriebsleiter Josef Hofbauer: „Mir schwant nichts Gutes.“ Gesägt werde aktuell alles, was an der Säge nicht komplett zerbröselt. „Liegt Käferholz lange, wird der Bloch bis in den Kern hinein rissig. Faserholz können wir de facto nicht schneiden“, sagte Hofbauer. Würde das Labor, bzw. weitere Produktionsanlagen ins Waldviertel kommen, würde das Druck aus dem Markt nehmen und das Gleichgewicht herstellen, sagt der Betriebsleiter.

Weitere Regionen im Rennen

In der 220 Seiten starken Studie werden Wieselburg (Bezirk Scheibbs) und Irdning-Donnersbachtal (Bezirk Liezen) als mögliche Standorte unter die Lupe genommen. Herausforderungen für die Etablierung eines Labors seien neben genügend Material – also Käferholz – auch logistische, wie Anlieferung mit Lkw sowie ausreichend Wasser zur Kühlung. Kernland-Obmann Christian Seper will jetzt ein Konzept verfassen und mit den Bürgermeistern in Kontakt bleiben. Will man den Standort im Waldviertel verankern, müsse laut Waldland Geschäftsführer Gerhard Zinner aber bereits jetzt klar sein: „Dann müssen alle Waldviertler Abgeordneten und Bürgermeister geschlossen auftreten.“