Das Refektorium glänzt wie neu

Juwel im Stift Zwettl wurde aufwändig restauriert. Mit einem Herbstkonzert feierte Abt Szypulski mit den Besuchern.

Maria Moll Erstellt am 17. September 2021 | 04:50
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Abt Johannes Maria Szypulski (in Weiß) und Stiftskapellmeister Marco Paolacci (r.) freuten sich mit den Musikern (v. l.) David Drabek, Philipp Comploi, Johanna Rosa Falkinger und Veronika Böhm über die gelungene Präsentation im Refektorium.
Foto: privat

Dem Herbstkonzert zur Feier der Renovierung des barocken Refektoriums in Stift Zwettl am Sonntagabend lag eine angenehme Harmonie aus Wort und Ton zugrunde.

Pater Bernhard Prem begrüßte zum einmaligen Konzert im schön erneuerten Speisesaal der Mönche. Zwischen den einzelnen Musikstücken führte Stiftsarchivar Andreas Gamerith in die wechselvolle Geschichte des Refektoriums ein. „Der Abt befand, das Refektorium wäre in einem Zustand, dass einem schlecht werden konnte. Also hat man den Fußboden herausgerissen, die Stuckdecke zerstört und alles völlig neu gemacht“, zitierte der Historiker schmunzelnd.

Damit beschrieb er aber nicht Vorgänge der jüngsten Vergangenheit, sondern es ging um das Jahr 1748, als der Raum seine heutige Gestalt gefunden hat. Schon 1676 unternahm Abt Kaspar Bernhard erste Versuche von Renovierungen im Stift. Weitere Bestrebungen von Abt Melchior von Zaunagg zum Bau eines neuen Refektoriums – „nach moderner facon als beidseitig belichteter Saal, der aus dem Trakt beinahe bis zum Kamp hinausragen sollte“ – blieben nur Pläne. Abt Melchiors Nachfolger, Rayner Kollmann, begann 1747, unmittelbar nach seiner Wahl, angesichts deutlicher Bauschäden mit der Planung eines gemeinschaftlichen Speisesaals.

Fußbodenheizung sorgt für ganzjährige Wärme

Seitdem hat sich viel verändert. Die bodennahe Lamperie wurde entfernt, um der Mäuseplage Herr zu werden. Stukkateur Johann Michael Flor, der später in Zwettl wohnte, schuf spezielle Stuckornamente ohne Vergoldung, aber mit Glanzstuck. Jetzt sorgt eine Fußbodenheizung ganzjährig für behagliche Wärme.

Paul Troger, zentraler Meister für die Klöster Niederösterreichs, schuf die nach 288 Wintern – Zwettler Wintern – noch immer frisch leuchtenden, prachtvollen Fresken der Bibliothek. Ganz anders seine Bilder für das Refektorium, die schon nach 20 Jahren einer ersten Renovierung bedurften. Unter anderem beging der Maler in deren Ausführung technische Fehler. Weil unter Zeitdruck, setzte der stark nachgefragte Künstler seinen Farben zu viel Trocknungsmittel zu, um seine Arbeit zu beschleunigen, dadurch dunkelten die Bilder schnell nach.

Unter der Leitung von Stiftskapellmeister Marco Paolacci brachten ein Streichertrio und eine Sopranistin barocke Musik zu Gehör. „Singet dem Herrn ein neues Lied“ und „Also hat Gott die Welt geliebt“, zwei Kantaten von Dietrich Buxtehude, gaben Johanna Rosa Falkinger Gelegenheit, mit ihrem jungen, kräftigen Sopran zu gefallen. Die Streicher David Drabek und Veronika Böhm, Violine, sowie Philipp Comploi, Cello, präsentierten zusammen mit Marco Paolacci an der Orgel eine Sonate von Georg Friedrich Händel. Und als Solo für Orgel erklang die Ciacona in h von Gottlieb Muffat.